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22.02.2013 14:02

Zum 70. Jahrestag der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst fand in der JVA München-Stadelheim ein ökumenischer Gedenkgottesdienst statt. Das Bistum Augsburg weiß sich in besonderer Weise mit Christoph Probst verbunden, der in Murnau geboren wurde und sich in der Todeszelle entschloss, sich taufen zu lassen und katholisch zu werden.

Ökumenischer Gedenkgottesdienst am 22.02.2013 in der JVA München Stadelheim mit Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm

Die Mitglieder der Weißen Rose hatten aufgrund ihrer christlichen Glaubensüberzeugung Kritik am Nazi-Regime geäußert und heimlich Flugblätter verbreitet.

Nachdem sie entdeckt worden waren, waren die Geschwister Scholl und Christoph Probst nach einem Schauprozess am 22. Februar 1943 in München noch am gleichen Tag hingerichtet worden, später auch die anderen Mitglieder der Weißen Rose: Alexander Schmorell, Prof. Kurt Huber, Willi Graf und Hans Konrad Leipelt.

Im ökumenischen Gottesdienst an der Stätte der Hinrichtung würdigte der Münchner Metropolit, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, nun die Mitglieder der Weißen Rose als "Märtyrer des christlichen Glaubens". Wenn man sich mit den Flugblättern der Weißen Rose beschäftige, spüre man die geistliche, metaphysische Dimension dieser Bewegung. In Hitler habe man den Antichristen, den Widersachen und das Dämonische entdeckt und mutig Widerstand geleistet.

Auch der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm würdigte die Mitglieder der Weißen Rose, deren Lebenshingabe die klare Konsequenz ihrer Liebe zum Leben gewesen sei. Glaube, Hoffnung und Liebe hätten in ihrem Leben die Oberhand behalten.

Studierende der Münchner Uni trugen beim Gedenkgottesdienst für ihre Kommilitonen Fürbitten vor und entzündeten für jeden der Hingerichteten eine Kerze.

Der gleichnamige Enkel von Christoph Probst untermalte den Gottesdienst mit Cello-Musik; ein Insasse der JVA begleitete ihn dazu auf der Orgel. Ein Neffe von Hans und Sophie Scholl trug Psalm 90 vor, den diese sich damals vom Gefängnisgeistlichen vor ihrem Tode hatten vorlesen lassen, zusammen mit dem Hohenlied der Liebe aus dem Ersten Brief an die Korinther. Eine Reihe von Angehörigen der Hingerichteten hatte sich zum Gottesdienst versammelt, an dem u.a. auch die Bayerische Justizministerin Beate Merk teilnahm.

Nach dem Gottesdienst segnete Kardinal Marx das restaurierte Kruzifix, vor dem damals die zum Tode verurteilten Mitglieder der Weißen Rose ihre letzten Gebete gesprochen hatten. Es hängt nun dauerhaft im Vorraum der Gefängniskirche.

Beim anschließenden Gang auf den benachbarten Friedhof am Perlacher Forst legten Gläubige verschiedener Konfessionen weiße Rosen auf die Gräber der hingerichteten Glaubenszeugen. Hierbei wurde nochmals der ökumenische Charakter der Weißen Rose deutlich: Hans und Sophie Scholl waren evangelische Christen; Alexander Schmorell ist jüngst von der orthodoxen Kirche heilig gesprochen worden. Und Christoph Probst war in seiner Todesstunde vom katholischen Gefängnisgeistlichen getauft und mit der Eucharistie als Wegzehrung gestärkt worden. Alle zum Tode Verurteilten waren durch den christlichen Glauben gestärkt auf ihren letzten Weg gegangen. Sophie Scholl schrieb entsprechend in ihrem Abschiedsbrief: "Ich klammere mich an das Seil, das Gott selbst mir in Jesus Christus zugeworfen hat."

Dr. Peter C. Düren

Ökumenischer Gedenkgottesdienst am 22.02.2013 in der JVA München Stadelheim
Die Namen der hingerichteten Mitglieder der Weißen Rose
Das Grab von Christoph Probst auf dem Friedhof am Perlacher Forst