Peißenberg

Peißenberger Gabentisch

Unter dem Dach der Kirchen

Auch in Peißenberg  müssen immer mehr Menschen  ihren Lebensunterhalt mit einem sehr geringen Einkommen bestreiten. Einige leben an der Armutsgrenze.  Andererseits müssen qualitativ einwandfreie Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft oder die wegen kleiner Mängel nicht mehr angeboten werden können, aufwändig entsorgt  und vernichtet werden.

Die drei Peißenberger Kirchengemeinden  (St. Johann, St. Barbara und die evang. Gemeinde) sowie  der Caritas Kreisverband als Träger  hatten deshalb die Idee eines "Gabentisches". Viele Peißenberger Geschäfte,  die angesprochen wurden, haben sofort ihre Unterstützung  zugesichert und seit 11. Oktober 2006  ist der Peißenberger Gabentisch fester Bestandteil im Gemeindeleben  der drei christlichen Kirchengemeinden.

Viele ehrenamtliche Mitarbeiter sammeln  am Abgabetag qualitativ einwandfreie Lebensmittel von Bäckereien, Metzgereien, und Lebensmittelmärkten ein  und geben diese Waren, nach vorheriger Prüfung an Menschen mit kleinem Geldbeutel und Berechtigungsschein  weiter.

Dieses diakonische Engagement für die Schwächeren in unserer Gesellschaft ist ein Wesensmerkmal und unverzichtbarer Grundauftrag einer christlichen Gemeinde.

 

5 Jahre Peißenberger Gabentisch  

„Ich erinnere mich noch gut an den ersten Ausgabetag am 11. Oktober 2006  beim Peißenberger Gabentisch“, erzählt Diakon Stefan Reichhart,  einer vier Verantwortlichen im Leitungsteam neben Henriette Ursel, Hans-Peter Hösle und Marinus Riedl. „Wir wussten ja nicht, wer kommt, wie viel Ware wir bekommen, ob das alles so klappt, wie wir es geplant hatten.“ Nun aber geht der Peißenberger Gabentisch ins fünfte Jahr und gibt regelmäßig Waren aus, die von Peißenberger Geschäften gespendet und zur Verfügung gestellt werden. Es machen fast alle Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelgeschäfte mit  und nur Dank deren Unterstützung ist die gute und wertvolle Arbeit möglich. „Ich finde es toll, wie viel Treue und großzügiges Entgegenkommen wir erfahren.“ Besonders freut die über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  auch, dass durch Ihre Arbeit und Weitergabe der Lebensmittel Woche für Woche ein wichtiger Beitrag geleistet wird, dass zumindest diese Lebensmittel sinnvoll als Nahrungsmittel verwendet und nicht weggeworfen werden. „Die Beständigkeit der Frauen und Männer, die als Fahrer arbeiten und die Lebensmittel in den Geschäften abholen, sowie der drei Ausgabeteams, die die Lebensmittel im Pfarrheim herrichten, aussortieren und an die „Gabentisch-Kunden“ weitergeben, spricht für ein gutes Klima “, meint Stefan Reichhart. Vor allem aus Krankheits- und Altergründen sind ein paar dieser Mitarbeiter ausgeschieden, und deswegen sucht der Gabentisch Frauen und Männer, die als Fahrer oder in den Ausgabeteams mitarbeiten können  und wollen. Jeder ist nur alle drei Wochen für 2-3 Stunden im Einsatz.  Wer Interesse hat, kann Näheres bei einem der vier Verantwortlichen im Leitungsteam erfahren und soll Kontakt aufnehmen bzw. sich im Pfarrbüro T. 3654 melden.

Zur Zeit sind 77 Ausweise ausgestellt, die jährlich nach Prüfung der Voraussetzungen neu ausgegeben werden. Hinter diesen 77 Ausweisen stehen 137 Personen, darunter 31 Kinder unter 14 Jahren.

„Neben der Großzügigkeit der Geschäfte  und den vielen treuen Mitarbeitern berührt mich immer auch, wie viel ideelle und materielle Unterstützung wir von vielen Menschen erhalten, die dieses Anliegen mittragen“, betont Diakon Reichhart. „Das ermutigt uns bei unserer Arbeit“ Mit den Geldspenden  werden je nach Bedarf Waren dazu gekauft,  da das Angebot der Waren durch die Geschäfte stark schwankt. Mal fehlen Milchprodukte, ein anderes Mal Gemüse oder andere Grundnahrungsmittel. Besonders froh sind die Verantwortlichen, dass die Pfarrei St. Barbara seit Beginn Räume des Pfarrheims zur Verfügung stellt, wo Waren gelagert und ausgegeben werden. Die Kirchenstiftung St. Barbara ist eine der Träger, die hinter dem Peißenberger Gabentisch stehen, neben der Evang.-Luth. Gemeinde, der kath. Gemeinde St. Johann und dem Caritas Kreisverband Weilheim-Schongau e.V.

 

Besonders betroffen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gabentischs, wenn die Menschen mit kleinem Geldbeutel in den Medien diffamiert werden und einzelne Fälle von Missbrauch an die große Glocke gehängt und verallgemeinert werden. „Da verliert z.B. jemand wegen Krankheit seine Arbeit im Pflegebereich, die er körperlich nicht mehr leisten kann, ist um die 50 und hat somit keine Chance mehr, Arbeit zu finden. Der von den Hartz IV-„Erfindern“ ausgegebene Grundsatz „Fordern und Fördern“ bleibt im zweiter Teil „Fördern“ meist auf der Strecke“,  berichtet Diakon Reichhart. Vielen ist vielleicht gar nicht bewusst, wie schnell heute jemand – auch aus dem Bereich der Besserverdienenden - aus dem Sozialsystem herausfallen kann und bereits nach einem Jahr in der Hartz IV-Falle  landet, aus der man nur schwer heraus kommt.  „Wir vom Gabentisch freuen uns mit jedem, der es nach Monaten und Jahren schafft, Arbeit zu bekommen und seinen eigenen Lebensunterhalt wieder verdienen zu können. Wir werden diese Arbeit für Menschen, die zum diakonischen und unverzichtbaren Grundauftrag der Kirche und jeder Pfarrgemeinde gehört, weiterführen, wir werden aber auch weiter kämpfen und unsere Stimme erheben, wo immer nur auf Kosten derer gespart und verhandelt wird, die keine Lobby haben.“

 

Eine Aktion von 2011:

 

Kuchenverkauf bei REWE - Foto: Andreas Scherer
Kuchenverkauf bei REWE - Foto: Andreas Scherer

Die Mitarbeiterinnen der REWE Filiale  haben sich bereits zum dritten Mal ganz toll für den Peißenberger Gabentisch engagiert  und durch den Verkauf ihrer selbstgebackenen Kuchen 650 € erwirtschaftet, das sie dem  Peißenberger Gabentisch zur Verfügung gestellt haben.  Außerdem hat REWE sicher über 120 vorher zusammengestellte Päckchen mit Lebensmittel  im Wert von 5 €, das die Kunden erweben konnten, dem Peißenberger Gabentisch zur Verfügung gestellt. Beide Aktionen sind eine tolle Hilfe und Unterstützung.

 

 

 

Lesen Sie hier einen interessanten Beitrag aus dem Osterpfarrbrief 2010:

 

Eine Aktion von 2010: 

 

In einer großartigen Aktion haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von REWE in Peißenberg  bereits zum 2. Mal den Peißenberger Gabentisch durch eigene Initiative unterstützt.  An einem Freitag wurde selbstgebackener Kuchen sowie Kaffee verkauft,  wobei 600 EUR  zusammen kamen. Die Freude und Begeisterung war ansteckend und ist eine Ermutigung für die Mitarbeiter des Gabentischs.
 
Außerdem macht REWE mit bei der Aktion Weihnachtspäckchen "Kauf eins mehr", wo die Kunden Waren oder fertige Tüten mit Grundnahrungsmittel kaufen  können, die dann in Weihnachtspäckchen  den Kunden des Gabentischs zugute kommen. Bereits über 50 solcher Päckchen kamen bisher zusammen und sind weitergegeben worden, die Aktion läuft noch bis zum Hl. Abend.