Füssen: St. Mang

Heiliger Magnus - Apostel des Allgäus

750 bis 2000 - 1250 Jahre St. Mang Füssen

Füssen, an der ehemaligen Römerstraße Via Claudia Augusta gelegen, erlangte schon zu Zeiten des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.) mit dem befestigten römischen Militärlager auf dem heutigen Schloßberg Bedeutung. Mit den Römern kamen wohl die ersten Christen hierher. Doch dann verwilderte das Land, Wanderer mieden es aus Angst vor Drachen, Schlangen und bösen Geistern. Die Menschen litten große Not, die Urbevölkerung hauste wie "Bären" in den Wäldern auf den Berghängen. Da wird Magnus um das Jahr 725 vom Kloster St. Gallen in der Schweiz, gerufen von Bischof Wikterp in Epfach, hierher gesandt.

Zusammen mit seinem Begleiter Theodor, "bewaffnet" mit Kreuz und Wanderstab, kommt er zuerst an den Bodensee. Nach der Legende heilt er hier einen Blinden, der dann mit ihm weiterzieht, und trifft auf Tozzo, der seine Dienste als Wegkundiger anbietet. Zu viert kommen sie in das verlassene Kempten, das von Schlangen und Gewürm verseucht ist. Mit Kreuz und Stab vertreibt Magnus das Ungeziefer aus der ganzen Gegend und läßt Theodor mit dem Geheilten dort zurück.

Mit Tozzo zieht er weiter, tötet in Roßhaupten einen bösen Drachen und errichtet in Waltenhofen bei Schwangau eine Zelle. Er läßt Tozzo dort zurück und dringt allein weiter in die Wildnis des Füssener Landes vor.

Schließlich vertreibt er in Füssen die gefürchteten "Lechgeister" und baut seine Zelle, die dem göttlichen Erlöser (Salvator Mundi) geweiht wird, hoch über dem Lech auf einem Felsen. ...

 

 

 

 

 

Leben - Legende

Auszüge aus "Der heilige Magnus"

 von P.Dr. Gebhard Spahr

 

Aus der Magnusvita: Bär und Baum

Zur selben Zeit also, in welcher der selige Kolumban und Gallus zwischen den Einöden der Einsamkeit weilten, und sie nichts anderes zur Speise besaßen als Holzäpfel (poma silvestria), trottete eines Tages ein Bär daher und begann das gleiche Obst, das in der Nähe der Heiligen war, zu sammeln und zu pflücken und allmählich aufzufressen. Als aber die Stunde der Mahlzeit gekommen war, sprach der selige Kolumban zu Magnoald: "Bruder, dir sind bessere Äpfel bekannt, von denen wir uns erquicken können, deshalb gehe und bringe uns ebenso für unseren Imbiß ein entsprechendes Maß".
Als er sogleich weggeganen war, sah er einen Bären zwischen den Obstbäumen herumtrotten und Obst fressen. Bei diesem Anblick fürchtete er sich sehr, aber gestärkt im
Herrn bezeichnete er sich mit dem heiligen Kreuzzeichen und sprach zum wilden Tier: "Im Namen unseres Herrn Jesu Christi bleib ein wenig stehen, so lange bis ich Obst ausgesucht habe, das ich unseren Brüdern bringen soll, vom übrigen aber nimm dir selbst zum Fressen." Diesem Befehl gehorchte die Bestie bald. Sie vergaß ihre Wildheit, blieb stehen und hielt den Kopf geneigt, und wie ein vernünftiges Lebewesen erfüllte sie die Befehle. Dann suchte Magnoald das Obst aus, das ihm besser erschien, das übrige aber überließ er dem Bären mit den Worten: "Friß du davon, so viel du willst, das andere aber schone zum Gebrauch für den heiligen Kolumban." Natürlich bemühte sich die Bestie, diese Befehle zu erfüllen, so daß sie keineswegs wagte, irgend etwas vom Verbotenen zu berühren, sondern nur das Futter beim Erlaubten suchte. Am anderen Tag aber kam der selige Magnoald wieder zum Obstsammeln, und er fand es so, wie er es verlassen hatte, ganz und wohl bewahrt. Er sagte Gott Dank und sprach zum Bären: "Im Namen des Herrn befehle ich dir, daß wie du bisher gegen uns gehandelt hast, so tu täglich, bewahre dieses Obst." Und dies geschah, so lange als die heiligen Männer an jenem Ort weilten.

 

Wilde Tiere dienen St. Mang

Die Größe St. Mangs zeigt sich nicht bloß im Vernichten von Bestien, sondern auch darin, daß er wilde Tiere bändigte, die darauf seiner Person, dem Missionswerk und anderen Menschen für Feld, Wald, Straße und Erwerb zu Diensten standen, lebend oder tot. Damit wird Magnus als Kulturbringer gewürdigt, und weil ihm die wilden Tiere nichts antun, erscheint er einfachen Gemütern unangreifbar. Insbesondere drücken diese Gedanken die Sagen aus, wenn es z.B. heißt: 

"Hoch oben zwischen dem Breitenberg und dem Aggenstein liegt der Mangenacker, eine herrliche grüne Grasfläche. Die hat Sankt Magnus einstmals mit Hilfe von vier wilden Tieren, die ihm willig gehorchten, gerodet, geackert und fruchtbar gemacht."

Besonders eindrucksvoll würdigt die Sage das Wirken eines jungen Drachens:

"In heidnischen Zeiten wimmelte es in der Gegend von Kierwang bei Fischen von allerlei Drachen-gelichter. St. Magnus hat sie nachmals alle erledigt und nur ein einziges Drachenjunges übriggelassen. Das hatte ihm leid getan, weil es noch nichts Böses vollführt hatte. Darum schickte der Heilige es nicht zur Hölle, sondern empfahl den Kierwangern, den kleinen Drachen zu einem brauchbaren Helfer beim Roden des Urwalds zu erziehen. Die Kierwanger taten's mit Geschick. Der Drache legte ganze Wälder um, zersägte die Bäume mit seinem Schuppenkamm, schleppte Holz und Steine, mehr als acht Pferde vermocht hätten; er räumte im Winter den Schnee im Dorf und soll sogar beim Straßenbau geholfen haben. Im ganzen Allgäu war der Kierwanger Drache berühmt. Nur einen Fehler hatte er: Heu und Stroh wollte er nicht fressen, und von Mäusen allein wurde das große Tier nicht satt. Deswegen, wenn es seine Herren nicht sahen, schnappte er ihnen bisweilen einen Schumpen von der Weide weg. Nun verstehen die Allgäuer, wenn es sich um einen Schumpen handelt, keinen Spaß. Sie hielten Gericht und verurteilten ihren Drachen zum Tode. Im Schlaf sollte er mit Beilen zerhackt werden. Wie staunten sie aber, als beim ersten Schlag auf die Brust des Ungeheuers ein Strahl Milch herausschoß, so stark, daß es die Drachentöter fast weggeschwemmt hätte. Einer von ihnen hatte dabei etwas von der Milch in den Mund bekommen; der schrie laut auf, das sei ja die beste und fetteste Milch, die man sich nur denken könne. Jetzt rannte alles mit Kübeln und Stotzen, um den Segen aufzufangen. Der Drache gab mehr Milch als alle Kierwanger Kühe zusammen. Nun waren die Bauern natürlich schnell eins, daß man den Drachen am Leben lassen und behalten wolle. Der aber war nun seinerseits beleidigt. Er wollte nicht mehr. Anderntags war er fort und niemand wußte, wohin."

Auch Schlangen stellte St. Magnus in seinen Dienst. Aus der Gegend von Pfronten berichtet eine verstümmelte Sage, daß der Heilige einst eine Schlange antraf, die sich vor seinem Krummstab in Ehrfurcht neigte. Deshalb habe er sie als Begleiterin angenommen und als Helferin in mancherlei Abenteuern geschätzt.

 

Aus der Magnusvita: Die Blindenheilung in Bregenz

Und sie reisten neben dem Bregenzersee und kamen bis zur Ortschaft, die Bregenz heißt, und dort verweilten sie zwei Tage. Unterdessen kam ein Blinder, der in jener Gegend vielen sehr bekannt war, dem seligen Magnoald entgegen und forderte von ihm einige Nahrungshilfe. Jener aber erinnerte sich an den Ausspruch des Apostels, der sagte: "Ich bin nicht würdig, mich mit der Heiligkeit jenes zu vergleichen, der gesprochen hat: Silber und Gold besitze ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir; aber dennoch im Namen dessen, der ihm solche Gewalt gab, daß er an den Armen Wunderbares tat, was er wollte, und der den Blinden erleuchtete, öffne deine Augen, ich beschwöre dich, daß du sehest und mit deinen Händen arbeitest und Nahrung erwerben kannst." Als er dies nun gesagt hatte, bestrich er die Augen des Blinden mit seinem Speichel und sogleich, nachdem Blut aus seinen Augen geflossen war, empfing der Blinde das Gesicht und warf sich zu Füßen  des heiligen Magnus und
sprach: "Herr, ich sehe, daß du groß (magnus) bist und deine Werke groß sind, und daher will ich dir, wenn du willst, folgen, wohin du gehst." Ihm antwortete der selige Magnoald: "Wenn du dem Herrn dienen willst, dann folge mir nach." Nach einem solch großen vollbrachten Wunder reisten sie bald von jenem Ort ab, und es folgte ihnen, der sehend geworden war, und der Reiseführer Tozzo.

 

Magnus, der Gesundheitsschenker

Südlich von Holzleuten zeigte noch von 150 Jahren ein Bildstöckle zwei Bilder einer Magnus-Sage. Auf dem ersten Bild warf ein rasender Stier zwei gewachsene Mannsbilder mit den Hörnern in die Höhe, während er mit seinem Hinterteil noch eine mächtige Tanna abknickte. Auf dem zweiten Täfele jedoch kniete derselbe Stier auf seinen Vorderbeinen vor dem heiligen Magnus, auf seinem Rücken saßen die beiden Männer mit verbundenen Köpfen und dankbar gefalteten Händen. 
Dazu erzählt man sich folgende Sage: Als die Holzleutener in schwerer Kriegszeit hinter den sicheren Mauern von Füssen Zuflucht suchten, mußten sie einen großen Teil ihres Viehs, das sie nicht mit in die Stadt nehmen konnten, in den Wald jagen. Als sie nach Jahr und Tag endlich heimkehren durften, war von dem Vieh natürlich kaum mehr ein Stücklein zu finden; nur noch ein fürchterlicher, wilder Stier hauste im Wald, der jeden der ihm verkam, mit seinen gewaltigen Hörnern aufgabelte. Der "Holzmolle" war eine echte Landplage, und die Leute trauten sich aus Angst vor ihm kaum mehr über das Land. Da machten sich zwei beherzte Männer auf, um das Ungetüm zu erledigen. Kaum aber waren sie zur Stelle, da raste der Molle daher, senkte den riesigen Kopf, und schon flogen die beiden Männer in die Luft, daß kein Mensch mehr etwas für ihr Leben gegeben hätte. Die Holzleutener, die von fern dem grausigen Schuspiel zusahen, riefen vor Schreck wie aus einem Mund: "Sankt Mang! Erbarmen!"

Da war es so, als ob ein leuchtender Blitz vor dem Holzmolle niederginge. Einige wollten sogar den Heiligen selber gesehen haben, wie er das wilde Tier berührte. Der Molle aber bog seine Vorderbeine und blieb eine Zeitlang wie betend knieen. Dann erhob sich der Molle, trottete zu seinen Opfern hin und leckte deren blutige Köpfe so lange, bis sie aus ihrer Ohnmacht erwachten. Als sich schließlich der Stier auch vor ihnen langsam auf die Knie niederließ, stiegen die zwei Männer auf und ritten auf dem Holzmolle als Sieger ins Dorf zurück. Der Stier war von da an die Gutmütigkeit selber.

Als Augenlichtsschenker wirkte St. Mang nicht bloß in Bregenz an dem Blinden ein Wunder, sondern noch Jahrhunderte später. Nach einem Bericht Christoph von Schmids soll, wie eine alte mündliche Überlieferung dartut, Sankt Magnus zu Nutz und Frommen seiner Allgäuer die Fähigkeit zur Wunderheilung dem jeweils gottgefälligsten Einwohner des Allgäus verliehen haben. Meist sei dieser der Sage nach ein frommer Eremit gewesen.

Solch ein Wunderdoktor war der Einsiedler an der Kapelle zu Enisried bei Seeg. Vor jeder Heilung nahm der fromme Mann eine Teufelsaustreibung im Namen des heiligen Magnus vor. Es ging die Rede, daß der Einsiedelmann blinde Menschen und Tiere wieder sehend machen könne. Als im Jahre 1525, nach dem Strafgericht über die aufständischen Bauern, so mancher von ihnen seines Augenlichts beraubt, als elender Krüppel am Weg hockte, da war der Einsiedler von Enisried der "frümbest Mann im Land". Mit seinem Speichel nahm er den Ärmsten die Schmerzen und einigen konnte er sogar das Augenlicht wiedergeben.

Zu Wertach auf einem Einödhof wurde ein Kindlein blind geboren. Die Eltern gaben ihm den Namen des heiligen Magnus, auf daß dieser das arme Würmlein in seinen besonderen Schutz nehme. Ein böses Verhängnis wollte es, daß auch alles Vieh auf dem Hofe von da an blind zur Welt kam. Nun aber war der alte Einsiedler von Enisried längst gestorben, und niemand konnte sagen, wen Sankt Mang als dessen wundertätigen Nachfolger auserwählt hatte. Schließlich machte sich der unglückliche Bauer mit seinem blinden Söhnlein selber auf, um an Sankt Mangen Grab den rechten Helfer zu erfahren. Als sie aus Herzensgrund gebetet hatten und schon wieder auf dem Heimweg waren, stand ein zerlumpter Bettler am Weg. Da streckte das Kind die Arme plötzlich gegen diesen und rief: "Da Vater! Siehst du denn den Herrn Jesus Christus nicht?" So war der heilige Christ selber zum Gnadenwalter seines Heiligen geworden und hatte in der Gestalt des Bettlers Sankt Magni Sendung vollbracht, wei es im Allgäu damals offenbar keinen geeigneten frommen Mann gab. Mit dem Büblein war zu gleicher Zeit auch alles Vieh daheim im Stall sehend geworden.

 

Aus der Magnusvita: Sieg über die Schlange Boas in Kempten

Nach einigen Tagen aber kamen sie zum Ort, der Kempten heißt. Wo sie eine sehr schöne Stadt fanden, aber zur Gänze verlassen. Darauf fragte der selige Magnoald den Priester, wie jener Ort oder Fluß, der dort herab fließe, oft genannt würde. Aber jener antwortete: "Dieser Ort wird von den Bewohnern dieser Gegend Kempten geheißen. Aber sie wagen nicht einmal, eine Nacht hier zu bleiben wegen der verschiedenen Arten von Würmern, die sich hier aufhalten. Der Fluß aber heißt Iller (Hilara), nicht weil er jemanden freudig macht, sondern im Gegenteil, weil er viele Menschen zur Trauer wendet. Deshalb müssen wir schnell von hier weggehen, damit nicht die Schlangen, die uns hier bemerken, über uns einen Großangriff machen, um uns zu verschlingen; denn viele Menschen, die der Jagd wegen hierher gekommen sind, richteten sie zugrunde. Sie ließen sie hier nicht eine Nacht verweilen." Darauf antwortete der selige Magnoald: "Wahrlich, unser Herr Jesus Christus ist mächtig, von diesem Ort Schlangen zu vertreiben, wie er auch Macht hatte, Bären, Wölfe und übrige wilde Tiere zu vertreiben ebenso auch Dämonen durch das Gebet des Herrn und unseres Meisters Gallus von dem Ort, den er selbst erwählt hatte, um sich eine Zelle zu erbauen. Bleiben wir also in dieser Nacht hier und flehen wir die göttliche Milde an." Darauf sprach er zu Theodor: "Bruder Theodor, mit allen möglichen Bitten dringe darauf, du mußt nämlich am meisten den Herrn für diesen Ort anflehen, denn du hast ihn aufzurichten und wohnbar zu machen." Mit diesen Worten warfen sie sich zugleich im Gebet nieder.
Unterdessen aber kam von der Stadt ein großer Wurm, der Boas hieß, und machte einen Angriff über die heiligen Männer, die im Gebet lagen. Darauf sah der Priester Tozzo, der sie hierher geführt hatte, ihn und rief mit lauter Stimme: "Weh mir, daß ich euch hierher geführt habe." Und bald wandte er sich zur Flucht, er selbst, und der blind war, eilten zu einem Baum, um auf ihn hinaufzusteigen und sich zu retten. Aber der selige Magnoald und Theodor, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes, standen auf und machten das Zeichen des Kreuzes vor sich. Magnoald ergriff auch den Stab, den er vom seligen Gallus empfangen hatte, und das Kreuz, das er beständig bei sich zu tragen pflegte und begab sich weiter in Richtung des Wurmes hin mit den Worten: "Ich befehle dir im Namen meines Herrn Jesus Christus, daß du hier liegen bleibst, und daß der Teufel, der in dir verborgen ist, dich selbst töte." Als er das gesagt hatte, zerschmetterte er mit dem Stab das Haupt des Wurmes, und sogleich barst er in der Mitte entzwei und verendete. Darauf wandten sich die Würmer, die in der Stadt und um sie herum weilten, alle zur Flucht und erschienen dort dann nicht mehr, und so wurde jener Ort gereinigt. Es verweilten aber an diesem Ort die heiligen Männer eine Woche, sie sagten Gott Dank, der sich gewürdigt hatte, sie zu erhören. Deshalb brach Theodor auf, als er ein so großes Zeichen durch die Verdienste des heiligen Magnus geschehen sah, und mit zum Himmel erhobenen Händen sprach er: "Herr, allmächtiger Gott, der du Himmel, Erde, Meer und alles, was in ihnen ist, gemacht hast, ich sage dir Dank, der du dich gewürdigt hast, uns zu befreien von so großer Gefahr und von solcher Verschlingung der Würmer." Und als er das gesprochen hatte, lief er zum seligen Magnoald und mit gebeugten Knien küßte er dessen Füße und sprach: "Keineswegs sollst du weiterhin Magnoald heißen, sondern Magnus (der Große), denn der Herr gewährte dir eine solche Gnade, daß dieser Ort durch dich nicht nur von Würmern gesäubert wurde, sondern sogar von Dämonen." Darauf sagte der selige Magnoald: "Sprich nicht so, Bruder, denn ich bin nicht groß (Magnus), sondern der kleinste Diener der Diener Gottes. Mehr auf deine denn auf meine Verdienste hin wurden die Würmer vertrieben und wichen zurück. Jetzt also rufe unseren Mitreisenden, damit wir daran gehen, diesen Ort zu säubern, denn der Herrnwill, daß er zum Bau einer Zelle hergerichtet werde." Tozzo aber wurde vom Baum, zu dem er geflohen, herab gerufen, er stieg herunter, und wie er die beiden unversehrt sah, warf er sich vor deren Füße und sprach: "Wahrlich, der Herr ist an diesem Ort; wahrhaftig ich wieß sogar, daß der Herr mit euch ist. Nunmehr natuürlich werde ich euch voll Vertrauen durch Einsamkeiten und enge Orte führen bis zu der Stätte, die euch zum Bleiben geeignet erscheint, da ich eine solche von Gott euch gewährte Macht sehe, damit durch eure Verdienste diese Orte gereinigt werden, und die bisher unbewohnbar waren, jetzt bewohnbar werden." Daruaf antwortete der selige Magnoald mit den Worten: "Da unser Herr an diesem Ort mit uns sein Erbarmen erzeigt hat, finde ich es für gut, hier eine Woche zu bleiben und ein kleines Bethaus zu bauen, damit das Volk dieses Landstriches lernt, was Beobachtung christlicher Religion ist, und welchen Dank es Gott aussprechen soll für das ihm erwiesene Erbarmen." Und sie taten sol

 

Der mächtige Magnus

tritt im Drachen- und Dämonenkampf in Kempten und Füssen in Legende und Sage in Erscheinung. In Kempten waren seit geraumer Zeit alle Bewohner vor schrecklichen Drachen, Bären, Wölfen und Schlangen geflüchtet, welche nun statt der Leute in der Stadt hausten. Die Jäger, die hierher kamen, hatten vor allem vor der Schlange Boas Angst, aber die Furchtlosigkeit des heiligen Magnus kannte keine Grenzen, im Gegensatz zu seiner Begleitung, denn Tozzo und der von Magnus geheilte Blinde suchten schnell auf einem Baum Rettung. Magnus jedoch, mit einer ordentlichen Dosis Unerschrockenheit und mit übernatürlichen Kräften bewaffnet, nämlich mit dem Zeichen des Kreuzes, dem Namen Christi, kraftvollem Wort und Stab, zerschmetterte mit diesem das Haupt der Schlange, so daß diese in der Mitte entzwei barst. In Wirklichkeit hatte aber nach der Otloh-Darstellung der Teufel, der in der Schlange verborgen war, den Wurm auf Geheiß des Magnus getötet. Es ist also zunächst die Macht des heiligen Magnus über den Teufel geschildert. Zweck der Schilderung ist u.a., zu zeigen, daß St. Mang stärker ist als Beelzebub. Der Drach ist, das gibt die Sage wieder, der Teufelsdiener und das Heidentum, dem nun Magnus den Garaus macht. Mit der Tötung des Drachens war auch die Vertreibung des übrigen Ungeziefers verbunden. Zwischen den Zeilen kann man noch lesen, mit welcher Vehemenz Magnus vorgegangen sein muß.
Endziel des ganzen Kampfes war, Kempten wieder bewohnbar zu machen, was Magnus auch gelang. Dabei muß es sich um eine Art Wanderlegende gehandelt haben. Denn von Pirmin wird anläßlich seiner Ankunft auf der Reichenau (724) dasselbe berichtet. Er machte nämlich die Insel bewohnbar, indem er Schlangen und Gewürm in den Untersee stürzen hieß. Die sieht man heute noch auf einem Tafelbild im Reichenauer Münster dargestellt.
Genau dasselbe, was die Legende berichtet, gibt auch der Stabgebrauch wieder. Der Stab war nämlich ein Wander- und zugleich ein Botenzeichen, er mußte aus bestimmten Holzarten bestehen und meistens auch glatt geschält sein, das magische Moment der Zauberkraft schimmert in der Magnus-Legende noch durch, während von den ersterwähnten Tatsachen nichts vermerkt wird, ebenfalls auch nicht, ob er von weißer Farbe war, wie es an sich beim Amtsstab Jahrhunderte hindurch üblich war. Der Stab war aber vor allem ein Macht- und REchtssymbol, ein Herrschafts-, Vollmachts-, Absolutions- und Schutzzeichen. Er will in diesem Zusammenhang einfach kundtun, jetzt hat der Heilige die Macht über Orte, Menschen und Getier, an denen er weilt und zu denen er kommt, und nicht mehr das Chaos und Wilde, sondern die Ordnung und der Friede. Jetzt steht das Land unter dem Schutz des Heiligen.

Die Sage erzählt die gleiche Begebenheit mit der Schlange Boas, nur heißt es dabei, Magnus habe mit einer Keule, die er stets bei sich führte, seinen Widersacher besiegt, und die neu bekehrten Anhänger St. Mangs hätten diesem zugesprochen, er möge in ihrem Boot eine kleine Strecke flußaufwärts wandern, wo er auf einer kleinen Insel, der Georgsinsel bei Kempten, Schutz finden werde.

 

Aus der Magnusvita: Der Drachenkampf bei Roßhaupten

Als sie nun zu dem Ort, der Roßhaupten heißt, kamen, hörten sie, daß dort ein großer Drache liege, der keinen Menschen durch diesen Weg hindurchzugehen gestattete. Der selige Magnus sprach zum Priester Tozzo: "Bruder, wir wollen in dieser Nacht hier bleiben und den Herrn bitten, daß er den Drachen von diesem Ort vertreibe und uns dorthin kommen lasse, wohin wir eilen." Und so taten sie. Inder ganzen Nacht aber ließ der selige Magnus nicht ab vom Gebet. Mit aller Kraft bat er Gott, daß er sich herbeilasse, den Drachen zunichte zu machen. Um Mitternacht aber sprach er zu Tozzo: "Laß mit mir einen Menschen gehen, der mich zu der Stelle führt, wo der Drache liegt." Aber jener entgegnete: "Ich fürchte, mein Vater, wenn du dorthin geführt wirst, du vom Drachen verschlungen wirst."
Darauf antwortete der heilige Mann: "Wenn Gott", sprach er, "für uns ist, wer ist dann gegen uns? Deshalb wollen wir voll Vertrauen aufbrechen, denn der, der den Daniel aus der Löwengrube befreit hat, kann auch mich aus der Macht dieses wilden Tieres entreißen." Und als er dies ausgesprochen hatte, da legte er in seine Reisetasche gesegnetes Brot und nahm in seine Hand Pech und Schwefel, ebenso trug er den Stab des heiligen Gallus und hing sich ein Kreuz um den Hals, brach auf und betete unterdessen: "Der allmächtige Gott, der mich von fernem Land herausgeführt hat, möge wie Tobias seinem Diener seinen Engel mit mir senden, der mich befreie vom Rachen dieses Drachens, und er zeige uns den Ort, der den heilsamen Begierden bekömmlich ist." Mit diesen Worten also bezeichnete er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und nahm etwas von dem geweihten Brot in seinen Mund und ein wenig Wasser und so kam er zur Stätte, wo der Drache lag. Als der Drache ihn aber sah, da richtete er sich sogleich auf und machte einen Sturm über ihn. Aber jener nahm Pech und Schwefel und warf es in das Maul des Drachens mit den Worten: "Hilf, Herr, mein Gott." Nachdem er dies gerufen, begann der Drache sogleich zu brennen und verendete. Wie aber sein Begleiter das sah, kehrte er sogleich zu seinen Gefährten zurück und rief: "Steht auf, kommt, und seht, denn dieser Magnus hat den Drachen getötet." Sie standen sofot auf, kamen und fanden den seligen Magnus im Gebet liegend und dem Herrn Dank darbringend. Nachdem sie den toten Drachen gesehen hatten, stiegen sie zu dem Felsen herab, von dem dieser Drache gewagt hatte, über den heiligen Mann einen Angriff zu machen. Darauf sprach der Priester Tozzo: "Wir sagen dir Dank, Herr, der du dich gewürdigt hast, uns einen solchen und so großen Mann zu zeigen, daß auf ihn seine Verdienste hin diese Gegend gereinigt und wohnbar gemacht wurde." Nach diesen Worten gingen sie dann hindurch und kamen zu einem prächtigen Ort, neben dem Lech gelegen, in dem der heilig Magnus einen überaus schönen Obstbaum stehen sah, er hing an ihm das Kreuzlein, das er um den Hals zu tragen pflegte, auf, in jenem waren Reliquien des heiligen Kreuzes geborgen, der seligsten Gottesgebärerin Maria, der heiligen Martyrer Mauritius und seiner Gefährten und ebenso der Bekenner Kolumban und Gallus. Dann rief er Tozzo und beide warfen sich vor dem Kreuzlein zum Gebet nieder und der selige Magnus hub an: "Herr Jesus Christus, der du für das Heil des Menschengeschlechtes von der Jungfrau geboren zu werden und zu sterben dich gewürdigt hast, erhöre mein Flehen und gestatte uns, ein Bethaus zu bauen zu Ehren deiner Gottesgebärerin und eine geeignete Wohnung für deine Dienste zu bereiten." Nicht lange darauf, als die Menschen in der Umgegend von der Heiligkeit des seligen Magnus hörten, bestrebten sie sich, ihm alles, was er benötigte, zu gewähren. Er begann, dort eine Kirche zu bauen. Nachdem sie erstellt war, lud er den Bischof Wikterp ein, sie einzuweihen. Dieser stimmte sogleich den Bitten des heiligen Mannes zu und kam wie gebeten. Er weihte die Kirche zu Ehren Gottes und des heiligen Martyrers Florian. Und so geschah es, daß die Dienste des göttlichen Lobes unaufhörlich an diesem Orte gefeiert wurden.

 

Die Unerschrockenheit von Magnus

Beim Drachenkampf zu Roßhaupten kam die Unerschrockenheit von Magnus von neuem zum Vorschein. Der Heilige brach nämlich nachts gegen alles Zureden seiner Umgebung auf, ein Kreuz auf der Brust, den Stab in der einen, einen Pechkranz in der anderen Hand, ging gegen das gefürchtete Untier los und schleuderte ihm unter Anrufung Gottes den Pechkranz in den geöffneten Rachen, worauf der Lindwurm schluckte, druckte und vor den Füßen des Heiligen zerbarst. Durch diese herzhafte Tat schenkte Magnus den Leuten der Umgegend wie Fremden neuen Wohnplatz und dem Vieh, besonders den Pferden, auf die es der Drache abgesehen hatte, Sicherheit und Ruhe, und insbesondere wurde die Via Claudia für den Durchgangsverkehr wieder geöffnet. Diese, um 80 nach Christus ausgebaut, führte vom Po über Verona, Bozen, dem Reschenpaß, Landeck, Füssen, Epfach, Augsburg zum Kastell Summuntorio bei den heutigen Burghöfen in der Nähe von Donauwörth. Ursprünglich einzige Verbindungsstraße mit Italien, hatte sie schon in römischer Zeit an Bedeutung eingebüßt.
In diesem Zusammenhang der Legende wird in der Bollandisten- und deutschsprachigen Vita die Deutung des Wortes Roßhaupten gegeben. Der Ortsname caput equi besagt, daß die Wanderer, besonders die Jäger, hier ihre Pferde zurückließen und zu Fuß zur Jagd zogen, weil eben der Drache, von dem die Rede war, weder Mensch noch Vieh vorüberziehen ließ. Aber eine andere Deutung nimmt an, daß Roßhaupten zu Häupten des nordöstlich gelegenen Ortes Sameister lag, wo Saumrosse für den Alpenübergang zur Verfügung standen. Abgesehen davon, daß die Frage der Priorität des lateinischen oder deutschen Ortsnamens offen ist, darf man darauf hinweisen, daß das Beiwort Haupten auch in Verbindung mit anderen Tiernamen erscheint, z.B. Tier-, Hundshaupten. Die neuere Orts- und Flurnamenforschung sieht in dem Namen der Hauptenorte übrigens gern die Lage an der Ursprungs- bzw. der oberen Stelle, dem Haupt von Gewässern, aber in diesem Falle läßt sich ein Roßhaupten kaum denken.
Aber Sage wie der Bericht eines Geschichtsschreibers helfen weiter.

 

Aus der Magnusvita: Dämonenvertreibung von den Bergen um Füssen und aus dem Lech

Als daher der Ruhm des heiligen Magnus weit und breit zu Ohren der Völker, die in der Umgebung wohnten, drang, begannen von überall her mit größter Andacht die Leute zusammenzuströmen, um sich der Fürbitte zu vergewissern und diese Stätte mit mannigfachen Geschenken an Besitz und anderen Dingen zu erhöhen. Aber jener erfuhr schmerzlich aus einem solchen Zustrom des Volkes Rücksichtslosigkeit, ging von da weg und kam zum nahe gelegenen Ort namens Füssen und dort machte er sich einen entlegeneren Aufenthalt und ließ den genannten Priester in der Kirche zur Belehrung des Volkes, das dort hinkam. Und als er am obengenannten Ort um die Mittagszeit ruhen wollte, hörte er plötzlich Dämonen vom Gipfel des nahen Berges schreien und andere rufen, die gleichsam in der Nähe, im Lech sich aufhielten. Nachdem diese Antwort gegeben hatten mit der Meldung, sie seien anwesend, schrien wiederum jene Dämonen vom Berg: "Macht auch auf und kommt uns zu Hilfe und laßt uns von diesen Plätzen diesen überaus schlimmen Pilger vertreiben, denn er hat selbst nach der Art seines Gallus unsere Abbilder vernichtet und das Volk, das uns folgte, zu sich hingewendet, überdies hat er auch unsere Drachen getötet. Deshalb möge uns das Unrecht, das wir erdulden, erregen, und wir wollen vereint unsern gemeinsamen Feind aus unsern Gebieten vollständig vertreiben." Anderseits antworteten jene, die in der Tiefe hausten: "Weh, daß ihr von eurer Schwierigkeit sprecht, wir haben auch unsere Mühseligkeiten erfahren, denn sein Engel (angelus) hat uns in diesem Meer niedergedrückt, so daß wir nicht wagen, von da hinüberzugehen noch irgendetwas von ihm zu berühren, denn nach Anrufung des Namens des Herrn schlug er uns mit feurigen Peitschen. Deswegen wermögen wir weder euch  noch uns zu nutzen." Nachdem dies der selige Magnus gehört hatte, schützte er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und rief ihnen zu: "Ich beschwöre euch im Namen meines Herrn Jesus Christus und durch die Verdienste seines heiligen Bekenners Gallus, daß ihr von diesem Ort weichet und fernerhin nicht mehr hier bleibt noch euch herausnehmt irgend jemanden, der hier weilt, zu verletzen." Nach diesen Worten also kehrte er schnell zum Priester Tozzo zurück und erzählte ihm alles, was er an jenem Ort gehört hatte. Und als sie das abendliche Lob singen wollten, wurden die Schreie der Dämonen über den Gipfeln der Berge vernomen gleichsam als Wehklagen der Scheidenden. Darauf warfen sich die heiligen Männer, die solches hörten, zum Gebet nieder, sagten Gott Dank, der sich gewürdigt hat, sie vom Schrecken der bösen Geister zu befreien.

 

Herrschaft Magnus' über Roß, Stier und Heiden

Eine Sage gibt die Macht Magnus' über Heiden und Tiere durch das Kreuzzeichen kund. Auf dem buckligen Fußweg von Settele nach Stötten, am sogenannten Nussenberg vor Dattenried, stürmte bisweilen in sausendem Galopp ein Roß ohne Kopf den Bichel hinunter, und gleichzeitig raste ihm von unten herauf ein geköpfter Stier entgegen. die beiden seltsamen Tiere sprangen aufeinander ein, und es sah aus, als stampften sie sich gegenseitig in den Boden; auf einmal aber ließen sie voneinander ab und rasten wieder davon, jedes in der Richtung, aus der es gekommen war.
Weil aber jedesmal das Roß von oben und der Stier von unten kam, hieß es, die beiden Tiere rasten um die ganze Erde und begegneten sich immer wieder an dieser Stelle, wo sie dann kurz kämpfen müßten.
Um 1800 hatte man für diese Sage folgende Erklärung: Als die ersten christlichen Glaubensboten ins Land kamen, trafen die Heiden gerade auf dem Nussenberg Anstalten für ein großes Stier- und Roßopfer. Die Häupter der Opfertiere waren bereits gefallen, da trat St. Magnus dazwischen und gebot den geköpften Tieren, sich zu erheben und fortzulaufen. Wie er gesagt hatte, so geschah es, und alle Heiden glaubten fortan lan die Wunderkraft des Kreuzes. Als letzte Erinnerung an die Zeit des Heidentums ist nur noch die Spukerscheinung auf dem Nussenberg geblieben.

 

Aus der Magnusvita: Priesterweihe des heiligen Magnus - Eisenfund am Säuling

Darnach nicht lange erteilte in der festgesesetzten Fastenzeit der vorgenannte Bischof dem seligen Magnus die Priesterweihe. Nach Empfang zeigte er sich, je mehr er im geheiligteren Stand erhoben wurde, desto demütiger in allem, er erglänzte durch größere Wundertaten, erleuchtete die Blinden, gab den Tauben das Gehör, vertrieb von vielen Dämonen und gewährte den Lahmen das Gehen. Überdies wurden durch sein Gebet Eisenadern auf den im Umkreis liegenden Bergen auf folgende Weise gezeigt. Als er eines Tages nämlich Berge und Hügel durchstreifte und sehr viele Orte, geeignet zu verbleiben, erforschte, stieg er auf einen hohen Berg, namens Säuling, und fand dort zahlreiche Bären großer Wildheit, aber nach dem Gebet begannen sie vor ihm so mild zu werden, daß man glaubte, es seinen Rinder. Nachdem er das gesehen hatte, warf sich der heilige Mann zur Erde nieder in Kreuzesform und bat den Herrn, sich zu würdigen, dem Volk jenes Landes, das an großer Armut litt, etwas Hilfe zu gewähren beim Erwerb von Nahrungsmitteln. Unterdessen näherte sich ihm ein Bär mit großer Sanftmut und begann mit der Tatze auf eine gewisse Tanne zu zeigen. Als dies der Mann Gottes sah, sprach er zur Bestie: "Ich befehle dir im Namen des Herrn, daß du zu dieser Tanne, die du bezeichnest, schnell gehst und so auftust, wo der Herr seine Gnade zeigt zur Hilfe des Volkes dieses Landes." Auf seinen Befehl hin beeilte sich die Bestie alsbald lund begann die Wurzeln des Baumes mit Pfoten und Zähnen zu zerbrechen, bis der Baum selbst völlig mit der Wurzel zusammenbrach. Nachdem er gestürzt war, wurden verschiedene Eisenadern gefunden. Als dies der gütigste Diener Gottes sah, sagte er Gott Dank. Dann nahm er Brot von seiner Tische und gab es der Bestie, die ihm diente, und befahl ihr: "Im Namen meines Herrn Jesus Christus friß dieses Brot und zu diesem Ort führe den Menschen, den ich dir zeigen werde, ohne Verletzung, verteidige ihn auch, wenn andere wilde Tiere ihn ´belästigen wollen. Darüber hinaus befehle ich dir ebenso, daß du an den Orten, die im Umkreis liegen, mit anderen wilden Tieren zusammenlebst und keinen Menschen, der hierher kommt, und auch nicht seine Tiere verletzest." Mit diesen Worten kehre der selige Magnus zu seiner Zelle zurück, und es ging ihm der Bär nach wie ein Hund, der seinem Herrn folgt. Wie er aber zur Zelle kam, rief er seinen Diener, namens Liuto. Nachdem dieser alsbald gekommen, befahl er ihm, Beil und Schaufel zu bringen und dem gegenwärtigen Bär zu folgen. Dann befahl er demselben Bär: "Diesen Menschen führe gesund zu dem Ort, den der Herr uns gezeigt hat und nimm dich in acht, daß er nicht irgendeine Verletzung von anderen wilden Tieren erfährt." Auf diese Worte hin gehorchte die Bestie, und sie begann sogleich vor dem Menschen zu laufen, zeigt ihm den Pfad, der zu dem Platz führte, wo der Baum gestürzt war. Dort also grub der dorthin geleitete Mann die Erde, die unter dem Baum lag, aus und mit der Hand füllte er ein kleines Säckchen und unter der Begleitung des Bärs kehrte er zur Zelle des Mannes Gottes zurück. Danach wandte sich der Bär wieder dem Wild zu. Dann warf sich jener Mann voll Bewunderung über das, was geschehn war durch den Bären, zu Füßen des seligen Magnus und sprach: "Wahrlich, Vater, jetzt erkenne ich, daß der Herr mit dir ist, da sogar die Bestien dir gehorchen. Denn der Bär, den du mir zum Führer gegeben hast, hat mich so bewacht, daß er andere wilde Tiere nicht an mich herankommen ließ." Daraufhin antwortete der heilige Magnus: "Hüte dich sehr, einem anderen dies kundzutun, so lange du mich in dieses Leben gestellt weißt. Da du also durch die göttliche Güte belehrt, erkennst  sowohl den Weg wie den Platz, wovon arme Einwohner dieser Gegend unterstützt zu werden vermögen, bereite und verkünde den Zugang anderen Menschen, insofern auch sie lernen mögen, dorthin zu ziehen und dann durch Arbeit mit der Bestimmung Gottes für sich alles Nötige erwerben können." Dieser Mann erfüllte die Befehle und verkündete den im Umkreis wohnenden Menschen, welche Gande der Herr ihm erwiesen hätte durch die Verdienste des heiligen Magnus. Seit jener Zeit also bis zur Gegenwart wurden verschiedene Eisenadern an diesem Ort gefunden.

 

Magnus' Macht über Menschen

Alles, was das Magnus-Leben Otlohs über Bären am Säuling, dem Hausberg Füssens, erzählt, die in der Legende als weisende Tiere auftreten und der Verherrlichung des Heiligen dienen, überträgt die Sage u.a. auf verwilderte Menschen, über die der Heilige genauso herrschte wie über die wilden Tiere; zugleich zeigt sich dabei das soziale Empfinden des Heiligen.

Die Sage weiß folgendes zu berichten: Als der heilige Magnus eines Tages am Säuling emporstieg, fand er oben an der Seite mehrere verwilderte Menschen, die wie die in großer Zahl vorhandenen Bären von gemeinschaftlichem Raube lebten. St. Magnus sprach diese Wilden freundlich an, und sie verhielten sich ganz zahm, ja, einige zeigten ihm sogar den Weg.
Angesichts der großen Armut dieser Leute betete St. Magnus, es möge doch den Dürftigen in diesem Gau ein Erwerb beschert werden, der ihnen gestatten würde, sich Lebensmittel im Unterland zu kaufen. Und siehe, da trat ein zottiger "Bergmann" ganz zutraulich an Magnus heran, zeigte auf eine nahe Tanne und scharrte darunter mit dem Fuß, bis Spuren von Eisenerz zum Vorschein kamen. Magnus bedeutete hierauf dem Mann, er solle die große Tanne ausgraben. Als der Baum stürzt, tut sich ein leicht zugängliches Erzlager auf. Dem Himmel für dieses Zeichen dankend, zieht Magnus einen kleinen Laib Brot aus der Tasche und gibt ihn dem hungrigen Waldbewohner mit den Worten: "Im Namen des Herrn, iß dieses Brot und folge mir! Sorge aber auch dafür, daß dem Manne, den ich hierher senden und dir zeigen werde, von den übrigen Waldbewohnern nichts zuleide geschehe! Beobachtet ihr das, vergreift ihr euch nicht an Menschen und Herden, so sollt ihr die umliegenden Berge und Hügel gemeinschaftlich und ungestört nützen können."

Magnus ging zusammen mit dem Bergmann nach Füssen ins Kloster zurück, rief einen verständigen Diener namens Luito herbei und sandte ihn, mit dem nötigen Werkzeug versehen, in Begleitung des Waldbewohners in das Gebirge hinauf. Dort fand Luito dienstwillige Menschen, die ihn sorgfältig geleiteten und vor den reißenden Tieren beschützten. So vermochte er seinen Auftrag rasch auszuführen und eine große Ladung Eisenerz zum Kloster herabzubringen.

Magnus prüfte das Erz und sprach dann zu Luito: "Die Erzlager der Gegend müssen zugänglich gemacht werden. Das sei deine Sorge, Luito! Und wie der Bergmann dich führte, so geleite nun du, wer da kommt, sicher durchs Gebirge. Bald sollen es, so Gott will, die Leute dort vermögen, sich durch ein ordentliches Berg- und Hüttenwerk Lebensmittel und andere Bedürfnisse von auswärts zu beschaffen!" Von dieser Zeit an verlegten sich die Anwohner des Säulings und der benachbarten Gegend auf den Eisenabbau.

 

Magnus, Lechsprung und Glaube

Der Mensch unserer Tage, nicht nur der sogenannte aufgeklärte, auch der gläubige und fromme, würde heute keine ... Geschichten mehr ersinnen oder erzählen, in denen Christus der Herr offenkundige Zauberstücke vollbringt. Aber die Menschen früherer Zeiten dachten anders. Ihnen konnte die Kraft und Herrlichkeit eines Schutzpatrons gar nicht groß und strahlend genug dargestellt werden. Deshalb schmückten sie seine verehrte Gestalt mit den großartigsten Wundergeschichten und Legenden. 
Aus dem gleichen Grund läßt die Sage auch den heiligen Magnus "über Julienbach, das jetzt Faulenbach heißt, auf der Flucht vor gewalttätigen Heiden, die ihm nachstellten, an die Klamm des Lechs, wo man's heute noch an der "Lusalten" heißt, eilen. Mit Gottes Beistand tat er jenen mächtigen Sprung über den Abgrund der brausenden Lechschlucht - eine leichtathletische Leistung, die ihm der heutige Inhaber des Weltrekords im Weitsprung kaum nachmacht - der ihn seinen Verfolgern entzog und dessen Spur bis auf den heutigen Tag als "Mangentritt" im Felsgrund zu sehen ist."