Pfarrkirche,
ehem. Benediktinerabteikirche
Patrozinium 6. September
Seit mehr als 1100 Jahren ist die ehemalige Benediktinerklosterkirche und heutige kath. Pfarrkirche St. Mang Stätte der Verehrung des hl. Magnus. Der Überlieferung nach hat Magnus schon zu Lebzeiten zahlreiche Wunder gewirkt, in späterer Zeit waren es seine Reliquien, die als wundertätig angesehen wurden. Überragende Bedeutung kommt dem hl. Magnus jedoch durch seine Missionstätigkeit zu: In den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung (8. Jh.) half er, den christlichen Glauben im Füssener Land zu festigen und die Lebensbedingungen seiner Bewohner zu verbessern.
DER HEILIGE MAGNUS
Über das Leben des hl. Magnus berichtet eine wohl schon um 830 im Füssener Kloster verfasste Vita (Lebensbeschreibung). Vermutlich auf Veranlassung der Augsburger Bischöfe mehrfach erneuert und mit zahlreichen Wundertaten und Versatzstücken aus anderen Heiligenlegenden angereichert, erhielt sie ihre überlieferte Form am Ende des 9. Jahrhunderts, wurde aber bis zur Barockzeit ständig erweitert. Ihr Ziel ist, die Gottgefälligkeit und Heiligkeit des Magnus eindringlich vor Augen zu führen, sodass sie weniger als Tatsachenbericht denn als symbolhafte Erzählung verstanden werden sollte.
In 28 Kapiteln erfährt der Leser, wie Magnoald der Schüler des großen irischen Missionars Columban wird und bald darauf erste Wunder wirkt. Zusammen mit dem hl. Gallus begeben sich er und Columban von Irland nach Burgund, werden jedoch von dort vertrieben und beginnen daraufhin mit der Missionsarbeit in Alemannien. Vor der geplanten Weiterreise nach Oberitalien erkrankt Gallus und muß mit Magnoald zurückbleiben. Ihm prophezeit Columban, er werde die Völker des Ostens missionieren. Nach der Zerstörung des Klosters St. Gallen werden Magnoald und sein Mitbruder Theodor vom Priester Tozzo entlang des Bodensees ins Allgäu geleitet. Auf dem Weg dorthin nimmt Magnoald Wunderheilungen vor und erhält daraufhin den Namen Magnus (d.h. der Große). In Kempten gründet Magnus eine Zelle und vertreibt die dort hausenden Dämonen. Er lässt Theodor zurück und begibt sich nach Epfach zu Bischof Wikterp, der ihn mit der Missionierung des Füssener Gebiets beauftragt. In Füssen angekommen, vertreibt Magnus auch hier die Dämonen und gründet eine Zelle, die König Pipin bestiftet. Bischof Wikterp weiht Magnus zum Priester und vermacht der Füssener Zelle testamentarisch seinen Besitz. In den kommenden 25 Jahren lebt Magnus in Füssen. Dort errichtet er ein Kloster, verbreitet die christliche Lehre und wirkt zahlreiche Wunder, eröffnet der Bevölkerung aber auch die Möglichkeit der Erzgewinnung. Im 26. Jahr erkrankt Magnus schwer und stirbt schließlich am 6. September, einem Sonntag, in Gegenwart von Theodor und Tozzo, der Nachfolger von Bischof Wikterp geworden ist.
Bereits im 16. Jahrhundert hatte man erkannt, dass weite Teile dieser Vita mit den tatsächlichen historischen Gegebenheiten nicht vereinbar sind. So lebten die hll. Gallus und Columban mehr als ein Jahrhundert früher als Magnus, und auch der Name Magnoald selbst ist den Viten dieser beiden Heiligen entlehnt. Nach neueren Forschungen kam der Gründer der Füssener Zelle wohl aus dem alemannischen Raum und betrieb seine Missionstätigkeit auf Veranlassung des Klosters St. Gallen. Als Sterbedatum des hl. Magnus ist der 6. September 750 anzunehmen, seine Geburt fand danach um das Jahr 677 statt.
DIE FRÜHZEIT DES KLOSTERS ST. MANG
Größere Glaubwürdigkeit als der Lebensbeschreibung kommt der in der Vita ebenfalls geschilderten Entstehungsgeschichte des Klosters St. Mang zu: Nachdem die Gründungen in Kempten und Füssen im Verlauf der fränkischen Eroberungen Alemanniens zerstört worden waren, wurde die Kemptener Zelle vom Kloster St. Gallen aus, die Füssener durch den Augsburger Bischof Sintpert (* um 778 - + um 807) wiederhergestellt. Bei dieser ersten Füssener Zelle dürfte es sich allerdings nur um eine bescheidene Einsiedelei gehandelt haben, die später mit einer "Capella Requies Sancti Salvatoris" überbaut wurde. Deren Standort lag vermutlich zwischen der späteren Annakapelle und der Kirchenvorhalle.
Zwar wurde noch unter Bischof Nidker (816 - 830) mit einer Marienkirche am Platz der heutigen Annakapelle begonnen, doch kam der Bau erst unter Bischof Lanto (833 bis 860) um das Jahr 838 zum Abschluss. Wohl gleichzeitig mit dem Kirchenbu entstand nach Maßgabe des St. Gallener Klosterplans (820) südlich davon, hangabwärts, eine erste Klosteranlage in Form eines quadratischen Hofgevierts. Wenig später, um 845, ließ Bischof Lanto mit Zustimmung des Mainzer Erzbischofs Otgar den Leib des Magnus, der bis dahin in der Mitte der Kirche begraben war, erheben und in einer neuen Grabstätte beisetzen, wodurch Magnus der Rang eines Heiligen zuerkannt wurde. Zwischen 896 und 898 wurden Reliquien des hl. Magnus nach Lorsch und St. Gallen übertragen. Doch scheint bereits im Zuge der Ungarneinfälle um 950 sein Leib abhanden gekommen zu sein, jedenfalls sind sämtliche seit dem 15. Jahrhundert unternommenen Versuche, seine Grabstätte oder seine Gebeine aufzufinden, erfolglos geblieben. Während das Kloster von Angebinn unter dem Schutz der Augsburger Bischöfe stand und auch bis zum 12. Jahrhundert deren Eigentum war, lagen die vogteilichen Rechte zunächst bei den Welfen, ab 1191 bei den Staufern, nach dem Tode Konradins 1268 beim Bayern-Herzog Ludwig dem Strengen und seit 1313 beim Fürstbistum Augsburg. Im Gegensatz zu vielen schwäbischen Klöstern, die im Lauf ihrer Geschichte die Reichsunmittelbarkeit erlangen konnten, blieb St. Mang bis zur Säkularisation die Eigenstaatlichkeit versagt.
DIE KRYPTA
Fresko in der Magnuskrypta: Hl. Magnus und Hl. Gallus
Unter dem Presbyterium befindet sich die sog. "Magnus-Krypta", der älteste und historisch bedeutsamste Raum der ehemaligen Klosterkirche St. Mang. Heute von der Vorhalle aus zugänglich, war die Krypta ehemals über eine Treppe mit dem Langhaus verbunden. Ihr rechteckiger Grundriss wird durch zwei Längswände mit seitlichen Durchgängen abgeteilt. An der nördlichen Wand sind besonders die kleinen Rundfenster beachtenswert, die den Wallfahrern Einblick in das Heiligtum gewährten. Im Zentrum erhebt sich ein Baldachin mit sechs Stützen und allseitig abgehenden Tonnengewölben. Eine in drei Arkaden aufgelöste Trennwand begrenzt den Baldachinraum nach Osten. In der dahinterliegenden, mit dem Kreuzgang fluchtenden Außenwand befindet sich eine Altarnische, die von Rundbogenfenstern flankiert wird. Gleichartige Fenster sind auch für die Umfassungsmauern im Norden und Süden nachgewiesen.
Die einzelnen Wand- und Raumteile der Krypta entstammen unterschiedlichen Bauperioden. In einer ersten Bauphase (8./9. Jh.I entstand ein freistehendes Gebäude - vielleicht das vom hl. Magnus errichtete Oratorium Sancti Salvatoris -, von dessen quadratischem Hauptraum sich in der bestehenden Krypta die innere Süd- und Nordwand sowie die mittleren Abschnitte der Westwand erhalten haben. Teil des ursprünglichen Bestandes ist auch eine östliche Abschlusswand, die den Raum in Höhe der Ostseite des Baldachins begrenzte. Dieser Phase gehört auch die Quadermalerei in Rot, Ockergelb und Grau an der Westwand an, ebenso die Sgraffitto-Darstellung eines Ritters an der Außenwand der südlichen Trennwand.
Um 980 wurde dann die östliche Außenwand dieses Hauptraums mit einem Bilderzyklus aus der Magnus-Vita geschmückt. Davon hat sich am Gewände der südlichen Trennwand ein Bildfragment mit den hll. Gallus und Magnus erhalten, das zu den großen Kostbarkeiten der frühmittelalterlichen Wandmalerei zählt. Vermutlich ist hier dargestellt, wie Magnus, Gallus und Theodor nach dem Tode Columbans den Alemannenherzog Gunzo aufsuchen. Die stilistischen Merkmale des in Secco-Technik ausgeführten Wandbildes weisen zweifelsfrei auf einen Künstler aus dem Umkreis der Reichenauer Schule.
Baldachinraum der Magnus-Krypta nach Osten
In einer zweiten Bauphase (1. Hälfte 11. Jh.?) wurden die Nord- und Südwand nach Osten verlängert und eine neue östlcihe Abschlusswand aufgeführt (noch ohne Arkaden). Im Zentrum des so vergrößerten Raumes entstand eine Baldachinanlage mit tonnengewölbtem Umgang. Der Baldachin selbst dient als Unterbau eines Altargrabes, also einer Versenkung im Boden des Obergeschosses, über der sich der Hochaltar erhob. Vermutlich beherbergte es ursprünglich einen Sarkophag mit Reliquien des hl. Magnus. Wie die Abnutzung des Estrichs dieser Bauphase belegt, war der Baldachinraum ein stark frequentiertes kultisches Zentrum der frühmittelalterlichen Magnusverehrung, was demzufolge an die Aufstellung eines Reliquienschreins unter dem Baldchin denken lässt.
In der dritten und letzten Bauphase (2. Hälfte 11.Jh./12.Jh.) wurde die gesamte Baldachinanlage mit dem Mauermantel des romanischen Chors umgeben und die ehemalige östliche Außenwand mit Säulenarkaden versehen, um eine Belichtung des Kernraumes über die Ostfenster zu ermöglichen. Eine in die Westwand eingefügte Treppe verband den Baldachinraum mit dem Langhaus, er war damit endgültig zur Krypta geworden.
Im Lauf der Jahrhunderte war jedoch die Bedeutung dieses Raumes in Vergessenheit geraten, so dass bei der Barockisierung 1701 der Zugang bedenkenlos verschlossen werden konnte. Erst 1833 entdeckte Stadtpfarrer Johann Baptist Graf die von Bauschutt angefüllte Krypta, ließ sie freiräumen und schuf einen neuen Zugang von der südlich anschließenden Klostergruft her.
Im Jahre 1994 vorgenommene archäologische Untersuchungen im Bereich des Bodens zwischen den Mittelsäulen lieferten wichtige Kenntnisse über die Baugeschichte der Krypta. Die zum Teil mit rotem Estrich ausgestrichene Grube wurde dabei als zeitweises Reliquiengrab gedeutet, doch enthielt ihre Verfüllung kein frühmittelalterliches Fundmaterial. In Anschluss an die baugeschichtlichen Forschungen erhielt die Krypta ihre gegenwärtige moderne Ausgestaltung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die historische Kontinuität dieses besonderen, seit 1250 Jahren bestehenden heiligen Ortes sichtbar zu machen und einen Freiraum für Stille und Besinnung zu schaffen. Dabei wurde der Raum mit einem Plattenbelag versehen und durch ein umfassendes künstlerisch-theologisches Konzept des Restaurators Erwin Wiegerling als Lichtweg ausgedeutet: Ein Spiegelsystem leitet das einströmende Licht durch einen Okulus auf den Ambo und setzt sich in einer transparenten Bahn fort, die den Raum unter dem Baldachin hindurch bis zum Altar durchquert. Im Zentrum der Lichtbahn wird der Blick freigegeben auf das Sepulchrum, die Stelle des mutmaßlichen Reliquiengrabes. In Ergänzung zum Symbol des Lichts sind hier die anderen Symbole des Lebens in Form von Wasser und Erde versammelt: In der Mitte ein Gefäß mit Wasser aus dem Jordan, umgeben von Erde aus Jerusalem, Rom, Irland und St. Gallen. In Anlehnung an das um 1000 geschaffene, jedoch 1546 zerstörte Salvatorkreuz wurde nach Entwurf von Erwin Wiegerlin ein neues Salvatorkreuz geschaffen, das Abschluss und Zielpunkt des Lichtweges markiert.
DIE GRUFT
Die Mönchsgruft, erbaut 1701 bis 1711
Von der Nordostseite der Magnus-Krypta leiten einige Stufen hinunter zur Gruft, die bei Johann Jakob Herkomers Kirchenneubau zwischen 1701 und 1711 unmittelbar unter der Sakristei anstelle des alten Kapitelsaals angelegt wurde.
Jedes der drei Geschosse beider Gruftblöcke enthält vier Gruftnischen, jeweils mit dem Namen des verstorbenen Konventualen auf der Verschlussplatte. Die hochovale Inschriftenplatte dazwischen erinnert an die Aufhebung des Klosters 1803 und die Renovierung der Gruft durch den ehemaligen Abt Aemilian Hafner 1820. Auf den Blöcken liegen die Stuckfiguren von Chronos (griech.: Zeit) und Thanatos (griech.: Tod), umgeben von zahlreichen Attributen, die zusammen mit den Totenschädeln auf die Vergänglichkeit des irdischen Lebens verweisen; dazu entsprechende lateinische Sinngedichte auf den Schriftrollen und an der Rückwand. Die Wandfelder gegenüber bieten - ausgehend vom Ordensgründer Benedikt und dem hl. Magus als erstem Abt von St. Mang - eine Namensliste der 59 Äbte bis zur Klosteraufhebung.
DIE MITTELALTERLICHE BASILIKA
Dem heutigen Besucher präsentiert sich die Kirche St. Mang als einheitliches Werk der Barockzeit, höchstens der mittelalterliche Turm erinnert an weiter zurückreichende Bauphasen. Tatsächlich aber beseitigte die Barockarchitektur und -ausstattung nicht den romanischen Vorgängerbau, sondern überformte ihn.
Ein erster Kirchenbau, mit dem zugleich die Magnus-Krypta vollständig überbaut wurde, entstand wohl ab der Mitte des 11. Jahrhunderts. Der Grundriss folgte dabei dem sog. Gebundenen Systm, indem die Querarme, der Chorarm sowie die beiden Langhausjoche mit ihren Seitenschiffen aus dem Vierungsquadrat entwickelt sind. Die durchfensterte Hochschiffwand des flachgedeckten Langhauses wurde vermutlich von Säulenarkaden getragen, um die Vierung gruppierten sich hohe Arkadenbogen. Zwischen Vierung und Chor bestand ein hölzerner Lettner, d.h. eine Trennwand, die den Gebetsraum der Mönche von der übrigen Kirche separierte (um 1620 abgebrochen).
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr der Bau um 1200: Der Nordseite des nördlichen Querarms wurde der mächtige Glockenturm angefügt, nördlich des Chores kamen die Vorhalle und Kapelle Requies Salvatoris (diese am Ort der Zelle des hl. Magnus) hinzu, südlich des Chors die Sakristei. Die wichtigste Veränderung geschah jedoch im Westteil der Kirche, wo das Langhaus um ein knappes Joch verlängert und dessen Mittelschiff mit einer zweigeschossigen Apside abgeschlossen wurde. Waren aufgrund des abschüssigen Terrains schon für den vorderen Abschnitt der Kirche Unterbauten nötig geworden, so erreichten diese nun im Bereich der neuen Westchoranlage gewaltige Ausmaße. Die Einwölbung des zunächst flachgedeckten Chores erfolgte 1339 unter Abt Ulrich Denklinger. Der kunstsinnige Abt Johannes Heß (1458 - 1480) verschaffte der Kirche eine umfangreiche neue Ausstattung, darunter kostbare Reliquiare und ein neues Chorgestühl. Einige wenige Teile haben sich davon erhalten, so etwa die Muttergottesstatue vom damals neuerrichteten Hochaltar oder mehrere große Fragmente des tönernen Sakramentshauses (1621 abgebrochen, im Museum der Stadt Füssen). 1619 wurde der gotische Hochaltar wiederum durch einen neuen Altar ersetzt, den der Weilheimer Bildhauer Bartholomäus Steinle schuf.
Die Front des mittelalterlichen Kapitelsaals von St. Mang, 13. Jh.
Nochmehr als die Klosterkirche war der Kreuzgang grundlegenden Umformungen ausgesetzt: Die karolingischen Bauten wurden mit Ausnahme der Marienkapelle im 13. Jahrhundert völlig beseitigt, an ihre Stelle trat nun ein Geviert mit Pultdach und reich gestalteten, rundbogigen Säulenarkaden, die Ecken nahmen doppelt-spitzbogig ausgenischte Pfeiler ein. Aus jener Phase der Spätromanik stammen auch die aufwändige Front des Kapitelsaals im Westflügel, bestehend aus einem Portal und zwei flankierenden Doppelfenstern, sowie die Wandmalereien im Nordflügel. Von Abt Johannes Heß veranlasst, wurden um 1469 die romanischen Kreuzgangarkaden wiederum abgebrochen und durch gotische Fensterwände ersetzt. Die letzte und größte Umgestaltung fand schließlich zwischen 1701 und 1711 im Zuge der Barockisierung der Klosteranlage statt: Man gab den Flügeln ein einheitliches Laufniveau, versetzte den Ostflügel um mehr als 3 m nach Osten und stockte die Mauern des romanisch-gotischen Kreuzgangs um weitere 2 m auf. Doch hatte zu dieser Zeit der Kreuzgang seine Bedeutung als Begräbnisstätte, Verbindungsgang und repräsentatives Hofgeviert bereits verloren, er war zum Relikt vergangener Zeiten innerhalb einer in größeren Dimensionen gedachten und gebauten Anlage geworden.
DER BAROCKE KIRCHENBAU
Im Dreißigjährigen Krieg verwüstet und geplündert, hatte sich das Kloster St. Mang in den folgenden Jahrzehnten wieder so weit erholt, dass seit 1679 über eine "Baureparation" nachgedacht werden konnte. Abt Benedikt Bauer (1661 - 1696) hatte sich zunächst dem Dießener Maurermeister Michael Natter zugewandt, doch opponierte der Konvent so heftig gegen das Konzept Natters, dass das Bauvorhaben kurzfristig abgesagt werden musste.
Der Konvent hatte nämlich schon Johann Jakob Herkomer (1652 - 1717) als Architekten des künftigen Kirchen- und Klosterbaus ins Auge gefasst: Herkomer, aus dem nahen Sameister gebürtig, hatte viele Jahre in Oberitalien zugebracht und war nicht nur mit der Architektur des Veneto und der Bauorganisation bestens vertraut, sondern verstand sich auch auf die Bearbeitung des echten Marmors und auf die Freskenmalerei. Diese universelle Begabung war es, die ihn aus der Masse der heimischen Maurermeister heraushob und ihm schließlich den Auftrag für den Füssener Kirchen- und Klosterneubau einbrachte.
Erst unter Abt Gerhard Oberleitner (1696 - 1714) war dann der Weg frei für einen Neubau der Klosteranlage. Die Planung dürfte sich als äußerst schwierig erwiesen haben, denn der Bauplatz war derselbe wie für das bestehende Kloster: eingezwängt zwischen Schlossberg, Stadt, Lech und Kirchenbau, dabei sowohl von Nord nach Süd als auch von Ost nach West stark abschüssig. Herkomer beseitigte die sich um einen Wirtschaftshof gruppierenden Bauten und ersetzte sie durch ein großes Hofgeviert. Dabei führte er den Südflügel bis zum südlichen Querhaus der Kirche weiter, glich den großen Niveau-Unterschied hangseitig durch zusätzliche Geschosse aus und wandte dem Lech eine eindrucksvolle Schaufront mit vorspringendem ovalen Bibliotheksbau und Seitenflügeln zu. Die Position der Kirche im Gesamtverband blieb dabei unverändert. In ihrer hochaufragenden Stellung am Westende der Anlage dominiert sie gleich einem Solitär die tiefergelegenen Klosterbauten und entfaltet eine beeindruckende Fernwirkung.
Fresko im Mönchschor: "Barocke Idealansicht des Klosters St. Mang", von Johann Jakob Herkomer, 1709
Während für den Klosterbau selbst nur einige wenige Daten überliefert sind - Grundsteinlegung am 10. Mai 1701, Ausstattung der Konventsgebäude seit 1711, am 1. Mai 1718 Einzug des Konvents -, ist die Baugeschichte der Kirche gut dokumentiert: Grundsätzlich wurde von Herkomer das Fundament der mittelalterlichen Kirche vollständig übernommen, ebenso ließ er das aufgehende Mauerwerk etwa bis in die Höhe des Fensteransatzes unangetastet. Allein der halbrund schließende Mönchschor - einzige größere Baumaßnahme im ersten Jahr 1701 - überschreitet die alten Ausmaße, indem er sich über den westlichen Kreuzgangflügel hinweg nach Osten vorschiebt. Bis 1709 war der gesamte Ostteil einschließlich der wandfesten Ausstattung vollendet. 1712 wurde die Westchoranlage neu aufgeführt und im Anschluss daran bis 1715 das Langhaus von Westen aus an das Querhaus herangeführt. Bis spätestens Jahresende 1716 war der Bau unter Dach. Zum Zeitpunkt der vom 15. bis 17. Februar 1717 prunkvoll begangenen Kirchweihfeier gab es jedoch noch keien einzigen der Altäre, auch war im Langhaus die Freskierung kaum über einige bescheidene Anfänge hinausgekommen. Nach dem Tode Herkomers am 27. Oktober 1717 lag die Fertigstellung der Kirche in den Händen seines Neffen Johann Georg Fischer, bisher Palier beim Kirchen- und Klosterbau. Bis 1723 waren das Laiengestühl, die Kanzel, die Beichtstühle und der Hochaltar vollendet, während sich die Errichtung der Querhausaltäre bis 1733, die Ausstattung der Heilig-Grab-Kapelle bis 1735, die Aufstellung der Langhausaltäre sogar bis 1744/45 hinzogen. Ursache dessen waren nicht zuletzt die enormen Kosten, die zwischen 1721 und 1730 für die Anfertigung einer mehr als 5m hohen silbernen Prunkampel des Augsburger Goldschmieds Johann Georg Hekomer aufgelaufen waren. Zu den letzten Baumaßnahmen des 18. Jahrhunderts gehörte der Einbau der Orgelempore 1752/53 auf Veranlassung von Abt Gallus Zeiler (1750 bis 1755), einem begabten Komponisten und Musiker.
Entgegen der projektierten Barockisierung des Turmes nach venezianischen Vorbildern, wie sie in zahlreichen Idealansichten festgehalten ist, verblieb dieser in seinem alten Zustand. Auch später wurde nie mehr ein Versuch unternommen, ihn umzugestalten.
DAS 19. JAHRHUNDERT
Die Vorboten enormer politischer Umwälzungen bekam das Magnuskloster noch am Ende des 18. Jahrhunderts zu spüren: Die zur Finanzierung des Koalitionskrieges gegen Frankreich zu leistende Zwangsabgabe konnte St. Mang nur deshalb aufbringen, weil es sich seiner riesigen silbernen Prunkampel - einst bewundertes Schaustück der Kirche, nun ungeliebtes Erbe des verhassten Zopfstils - zum reinen Materialwert entledigte, auch wenn dieser nur bei einem Bruchteil des ehemaligen Anschaffungspreises lag.
Von der weiteren Entwicklung, die schließlich zur staatlichen Neuordnung Mitteleuropas und zur Säkularisation führte, wurde bald auch das Hochstift Augsburg erfasst. Im Anschluss an den Lunéviller Friedensvertrag von 1801 kam es zu Sonderverhandlungen zwischen Bayern und Frankreich, mit dem Ergebnis, dass Bayern u.a. auch das Füstbistum Augsburg zufallen sollte. So gelangte das Kloster St. Mang zum Jahresende 1802 unter kurbayerische Landeshoheit. Zusammen mit den Abteien in Donauwörth, Mönchsdeggingen, Kirchheim und Maihingen wurde es dem fürstlichen Haus Oettingen-Wallerstein als Eigentum zugesprochen.
Nach der Inbesitznahme von St. Mang und Vertreibung des Konvents hatten es die neuen Eigentümer nicht nur auf Gemälde, Skulpturen und wertvolles Kirchengerät abgesehen, sondern auch auf die umfangreiche Bibliothek und das Archiv. Vor allem aber versprach man sich reiche Einkünfte von den Weingütern des Klosters in Lana, die jedoch samt dem übrigen Tirol von Österreich annektiert waren. Die große Entfernung zum Stammsitz in Wallerstein, die hohen laufenden Kosten sowie der endgültige Verlust der Südtiroler Weingüter an Bayern 1805 machten das Kloster für Oettingen-Wallerstein jedoch zum Verlustgeschäft. Schließlich schenkte der Fürst 1837 die ehemalige Klosterkirche der Stadt Füssen, während das Kloster samt Grundbesitz 1839 an die Freiherrn von Ponickau kam. Erst 1910 gelang es der Stadt, die Gebäude zurückzuerwerben, 1918 auch den größten Teil des Klosterarchivs und die Annakapelle. Die Klosterbibliothek wurde 1980 vom bayerischen Staat angekauft und befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Augsburg.
Magnus-Chorfenster, Kgl. Glasmalereianstalt, 1870, ehem. im Chor von St. Mang, jetzt im Museum der Stadt Füssen
Die neuen Besitzverhältnisse bescherten dem Kirchengebäude selbst nur wenige Veränderugen. Dazu gehört etwa die Umgestaltung der beiden Oratorien im Obergeschoss des Presbyteriums zu ausladenden Balkonen mit geschwungenen Brüstungen, veranlasst durch die Familie von Ponickau. Zur Renovierung 1865/67 stiftete Julius Freiherr von Ponickau mehrere farbige Bildfenster, die in der Königlichen Glasmalereianstalt München angefertigt wurden. Das 1868 gelieferte Hauptbild zeigte den gekreuzigten Christus mit Johannes, Maria und Maria Magdalena, die Nebenbilder von 1870 den hl. Magus und Engelsgestalten. Dazu kamen 1896 noch zwei Fenster mit den Heiligen Ulrich und Afra. Der Einbau der im Nazarener-Stil gehaltenen Bildfenster beeinflusste jedoch den Raumeindruck nachteilig, indem der Chor ständig in mystisches Halbdunkel getaucht erschien. Erst 1936 wurden die Fenster wieder entfernt (heute im Museum der Stadt Füssen).
Die Renovierung der Jahre 1969/71 brachte weitreichende Veränderungen mit sich, die zum Teil auch in den Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils begründet waren. Der von 1950 an wieder geöffnete romanische Abgang zur Magnus-Gruft wurde vom neuen Bodenbelag überdeckt, die marmornen Schranken vor dem Chor und dem nördlichen Querhausaltar beseitigt und die Chor-Oratorien rückgebaut. An die Stelle des großformatigen Bildes von Balthasar Riepp mit der "Veklärung Christi" (1764), das die ganze Breite der Chorhochwand einnahm, tritt seitdem ein mächtiger stuckierter Baldachin, der auch den Durchschlupf zum Dachstuhl des Mönchschors kaschiert. Neu hinzu kamen der freistehende Volksaltar und das transparente Reliquienkreuz.
In den letzten Jahren erfährt der Kirchenraum zunehmend auch eine neue, zeitgemäße Ausdeutung und Interpretation durch die Hereinnahme von moderner Kunst, so beispielsweise in der Krypta oder am Bruderschaftsaltar. Zu den herausragendsten Persönlichkeiten des religiösen Lebens in Füssen im Velauf der letzten 200 Jahre gehören zweifelsohne Stadtpfarrer Johann Baptist Graf, Mang Seelos und der sel. P. Franz Xaver Seelos.
Der 1802 in Anried (Lkr. Augsburg) geborene Johann Baptist Graf wurde 1827 zum Priester geweiht und 1832 von Baron Ponickau mit der Pfarrstelle von St. Mang betraut. Dort wirkte er bis zu seinem Tod 1862 als Stadtpfarrer, Dekan und Distrikts-Schulinspektor des Landkapitels Füssen. Pfarrer Graf ist nicht nur die Wiederentdeckung der Magnus-Krypta zu verdanken, sondern auch die Errichtung des Kalvarienbergs auf dem Hutlerberg. Daneben besaß er ein erstaunliches Talent als Redner und Verfasser von Predigtexten, wovon mehrere gedruckte Andachtsbüchlein und eine sechsbändige handschriftliche Predigtsammlung (im Archiv der Pfarrei) Zeugnis ablegen. Auf sein Engagement geht auch die Einrichtung einer ersten öffentlichen Lesebibliothek - die Vorläuferin der Stadtbibliothek - zurück.
Einen ebenso engagierten Mitstreiter hatte Pfarrer Graf in seinem Mesner, dem Textilkaufmann Mang Seelos, der eine vierbändige Chronik über das Füssener Zeitgeschehen verfasste. Darin äußert der tiefgläubige Katholik unverhohlen Kritik sowohl an der Auflösung der alten politischen Ordnung als auch an den antiklerikalen Tendenzen seiner vom Geist der Aufklärung geprägten Zeit.
Sein 1819 geborener Sohn Franz Xaver wuchs damit in einer von konservativer katholischer Gesinnung geprägten Umgebung heran, studierte Theologie und trat 1842 der Kongregation der Redemptoristen bei, die sich der Missionsarbeit bei den Einwanderern in Nordamerika widmete. Nach Empfang der Priesterweihe in Baltimore wirkte Seelos für viele Jahre als Pfarrer in Pittsburgh, wurde 1854 wieder nach Baltimore, später als Pfarrseelsorger nach Cumberland und Annapolis versetzt. Nach seiner Abberufung vom Amt des Kongregations-Präfekten - ihm wurde fehlende Strenge gegenüber der Jugend vorgeworfen - widmete sich Seelos der Wandermission im Süden und Osten der Vereinigten Staaten und starb, nachdem er sich bei Krankenbesuchen mit Gelbfieber angesteckt hatte, am 4. Oktober 1867 in New Orleans. Aufgrund der Berichte von zahlreichen Gebetserhörungen, vor allem in Pittsburgh, wurde Franz Xaver Seelos am 9. April 2000 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
DIE KÜNSTLER AN ST. MANG
Die folgende Aufstellung informiert über die wichtigsten Künstler, die am Bau der Barockkirche St. Mang beteiligt waren.
Johann Jakob Herkomer (Sameister 1652 - 1717 Füssen), Baumeister von St. Mang, dort auch Freskant. Nach einer Ausbildung als Maler in Augsburg langjähriger Aufenthalt in Venedig, dort tätig für die Patrizierfamilie Collalto und Aneignung umfassender Kenntnisse in Architektur und Freskomalerei. Ab 1685 in Sameister Bau einer Kapelle im venezianischen Kreuzkuppelschema. Im Anschluss an weitere Italienaufenthalte 1694-1698 Pläne für das Kemptener Kornhaus und mehrere Kirchenbauten. Die wichtigsten Aufträge der späteren Jahre sind die Barockisierungen von kath. Heiligkreuz und St. Moritz in Augsburg sowie der Neubau der Klosterkirche in Fultenbach (1811 abgebrochen). Auch Beteiligung mit Plänen und als Berater an den größten Projekten seiner Zeit, so z.B. für Weingarten, Ottobeuren oder Innsbruck. Nach seinen Entwürfen entstanden obendrein marmorne Wand- und Bodenintarsien, Grabmäler, Altäre und Brunnen. Durch ihn wurde die illusionistische Deckenmalerei nach dem Vorbild Andrea Pozzos in Schwaben etabliert. In Konzeption und Farbgebung herausragend, in der Figurenbildung dagegen schwach, zählt Herkomer zu den wenigen bedeutenden, um 1700 in Süddeutschland tätigen Freskanten.
Johann Georg Fischer (Marktoberdorf 1673 - 1747 Füssen), ein als Steinmetz und Maurer ausgebildeter Neffe von Herkomer, führte den Füssener Kirchen- und Klosterbau zu Ende und war auch verantwortlich für die Fertigstellung der Ausstattung. Erst nach dem Tod Herkomers als selbständiger Architekt tätig, dabei zeitlebens dessen Stil verhaftet. Mehrere Schlossbauten und eine Vielzahl von Kirchen in ganz Schwaben und im angrenzenden Tirol, herausragend die Wallfahrtskirche in Bertholdshofen bei Marktoberdorf.
Matthias Lotter (Sirchenried b. Mering um 1664 - 1743 Augsburg), führender Stuckator in St. Mang. Im Anschluss an eine Bildhauerlehre Zusammenarbeit mit Wessobrunner Meistern als Stuckator u.a. in Passau und Biberbach. Erlangt 1694 das Augsburger Bürgerrecht. In den folgenden Jahrzehnten eine große Zahl von Stuckdekorationen für Kirchen, Klöster und Schlösser, vor allem im Gebiet der heutigen Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg und Ostallgäu. Charakteristisches Repertoire aus Akanthusranken, Ovalkartuschen, Wolkenballen und Putten.
Dominikus Zimmermann (Wessobrunn 1685 - 1766 Wies b. Steingaden), bedeutender Stuckator und Baumeister, sein berühmtestes Werk die Wieskirche. In seiner Frühzeit überwiegend als Stuckmarmorierer und Altarbauer tätig. Ihm zuzuschreiben sind die Stuckmarmorverkleidungen an Säulen und Pfeilern in der St. Mang-Kirche.
Joseph Fischer (Faulenbach bei Füssen 1704 - 1771 Fichtenfeld/Ungarn), vielbeschäftigter, fast ausschließlich im Füssener, Pfrontener und Marktoberdorfer Raum tätiger Stuckator. Von ihm die Stuckaturen an der Brüstung der Orgelempore und in der Magnuskapelle, die Retabel des Peter-und-Paul-Altars und des Leonhardsaltars, außerdem die Stuckmarmorarbeiten in der Marmorkapelle. Neben St. Mang noch mehrere Stuckmarmoraltäre und -kanzeln, u.a. in der Füssener Spitalkirche.
Francesco Bernardini (Verona 1695/97 - 1762 Mannheim), Maler und Freskant. Ihm zu verdanken sind die qualitativ ansprechenden Deckenfresken in Kapitelsaal und Bibliothek des Klosters, vermutlich auch die Scheitelbilder in den Seitenkapellen der Kirche. Später am Mannheimer Hof, aber ebenso mit Arbeiten in Hildesheim, Aachen und Frankfurt vertreten.
Franz Georg Hermann (Kempten 1962 - 1768 Kempten), bedeutendstes Mitglied einer stiftkemptischen Malerfamilie. Nach seiner Ausbildung in Italien zumeist für Stifte und Klöster im Allgäu und angrenzenden Pfaffenwinkel tätig. Als "Oberbaudirektor" zuständig für die Ausgestaltung der Kemptener Prunkräume, zugleich Höhepunkt seiner Laufbahn. Die Füssener Fresken sind sein erster bedeutender Zyklus. Große Wandlungsfähigkeit zeichnet seine Stilmittel aus, vom rein Erzählerisch-Volkstümlichen bis zur Darstellung komplizierter theologischer Programme reichend.
Gianantonio Pellegrini (Venedig 1675 - 1741 Venedig), für hochgestellte Auftraggeber in ganz Europa tätiger Maler-Virtuose. Sein Stil ist von Bewegungsdrang, kontrastreichen Kompositionen und flüssigem, oft breitem Duktus gekennzeichnet, oft mit einer Auflösung der Formen im Licht einhergehend, dies auch Eigenschaften seiner beiden Altarblätter in den Querhausaltären von St. Mang.
Anton Sturm (1690 - 1757 Füssen),einer der wichtigsten süddeutschen Bildhauer des Barock. Nach Ausbildung in Donauwörth und evtl. auch in Augsburg erste brillante Arbeiten mit den Marmorfiguren des Grabmals von Fürstbischof von Freyberg (Augsburg, Dom), ebenfalls aus weißem Marmor die nahezu lebensgroßen Füssener Figuren. Wohl seit 1714 für St. Mang beschäftigt, ab 1721 durch Heirat Wohnsitznahme in Füssen und Einrichtung einer florierenden Werkstatt. Die bedeutendsten Aufträge der späteren Jahre sind die skulpturale Ausstattung des Ottobeurer Kaisersaals, die Kanzel der Klosterkirche Steingaden und die Figuren der vier Kirchenväter in der Wieskirche.
Thomas Seitz (Prem 1683 bis nach 1741), seit ca. 1710 am Kirchen- und Klosterbau beteiligt und als Schnitzer, Kistler, Altarbauer und Stuckator gleichermaßen versiert. Sein Werk sind das Chorgestühl, die Kirchenbänke, die Beichtstühle, die Drachenleuchter und zahlreiche andere figürliche und ornamentale Arbeiten. Mitwirkung an der Ausstattung mehrerer Kirchen im Füssener Land. Nach dem Tod seiner Frau 1738 Konkurs.
Andreas Jäger (Roßhaupten 1704 - 1773 Füssen), führender Allgäuer Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. Seine Werke in St. Mang sind die Orgel im Mönchschor und die große Orgel auf der Westempore. Ausbildung vermutlich bei Georg Ehinger in Aitrang, einem Ort mit mehr als hundertjähriger Orgelbautradition. Weitgestreutes Verbreitungsgebiet seiner Instrumente, so in Altstätten, Füssen, Benediktbeuern, Polling, Ischgl, Bozen oder Latsch im Vintschgau.
FÜHRUNG DURCH DIE KIRCHE
Der Außenbau
Kirche St. Mang und Hohes Schloss
Die auch in zeitgenössischen Abbildungen immer wieder beschworene "Idealansicht" des Klosterkomplexes erhält man vom gegenüberliegenden Lechufer aus, von wo aus sich die außenbauliche Struktur der Kirche am klarsten ablesen lässt: im Osten das gerade schließende Presbyterium mit angefügtem eingeschossigem Mönchschor, unmittelbar davor das Querhaus, im Schnittpunkt beider eine im Dachraum versinkende Kuppel mit Laterne; unmittelbar nördlich dahinter der massive Glockenturm mit Satteldach; dann die zwei Joche des Langhauses, zusammengefasst von einem mächtigen, bogenförmig abgewalmten Dach, dessen Form die Dachkontur des Palazzo Pubblico in Vicenca und des Palazzo della Ragione in Padua zitiert, als Bekrönung ein Volutensockel mit Windfahne; daraus hervorgehend der von hohen Mauern unterfangene Westchor mit apsidialem Schluss, flankiert von Stützmauern mit aufgesetzten Flammenvasen. Geradezu perforiert werden die Mauerflächen des Obergeschosses von dreigeteilten Halbkreisfenstern ("Thermenfenster"), dazu im Hauptgeschoss des Langhauses Rundbogenfenster; im Westchor Rundbogenfenster mit übergestellten Ovalfenstern.
Wer von der Reichenstraße her kommend den Weg aufwärts nach St. Mang einschlägt, nimmt zuerst den Glockenturm wahr. Er wurde dem romanischen Kirchenbau erst im 12. Jahrhundert angefügt, seine ursprüngliche Höhe reichte bis zu den nordseitigen Doppelfenstern. Die dreiteiligen Klangarkaden auf der Nord- und Südseite stammen von einer Aufstockung um 1270/1300. Bemerkenswert sind die zeitgleichen Löwenbasen der nördlichen Klangarkade, wobei die Säulen - entgegen lombardischen Vergleichsbeispielen - in den Rücken der Löwen eingesenkt sind. Das östliche Spitzbogenfenster wie auch die nach Befund 1969 rekonstruierte Bemalung mit Eckquadern und Maßwerk-Geschossteilern stammt aus der Zeit um 1500. Nach dem Brand von 1554 erhielt der zuvor mit einem schlanken Spitzhelm bekrönte Turm das noch heute bestehende Satteldach.
Die Fassade der Vorhalle wird von zwei Rundbogenportalen beherrscht, dazwischen ein kleines Relief des hl. Magnus mit dem Drachen, wohl noch aus dem 16. Jahrhundert. Unterhalb des Ovalfensters links ein Relief aus Sandstein mit der Darstellung eines Raben, wohl das Wappen von Abt Conrad Clamer (1431 - 1433).
Die aus dem Vorgängerbau übernommene Vorhalle ist im Innern mit einer Putzgliederung versehen die die rundbogigen Eingangsportale entlang der Wände als Blendarkaden wiederholt. Die Ecken der Decke nehmen herzförmige Rahmenfelder ein, die MItte des ovalen Hauptfeldes zeigt das Stuckrelief eines Putto mit Schlüsseln und Kirche. Der Stuck entstand um 1701/02, vielleicht von dem gleichzeitig in der Magnuskapelle tätigen Kemptener Trupp. An der Südwand steht die Prozessionsfigur der thronenden Maria als Himmelskönigin, aus dem 19. Jahrhundert. Die Schnitztüre des Füssener Bildhauers Alois Vogler von 1994 ist mit Reliefs versehen, die das Wirken des hl. Magnus illustrieren, dahinter befindet sich der Abgang zur Magnus-Krypta.
Der Kirchenraum
Langhaus von St. Mang nach Osten
Man betritt den Kirchenraum über den nördlichen Querarm und gelangt von dort ins Zentrum der Kirche, die Vierung, von wo aus sich der Gesamtraum in allen seinen Teilen gut überblicken lässt.
Wie eingangs erwähnt, behielt Herkomer bei der Umgestaltung der romanischen Kirche deren Binnenstruktur bei. So besteht auch der barocke Raum aus einzelnen quadratischen Einheiten: je eine Einheit für das Presbyterium, die Vierung, die beiden Querarme und die zwei Langhausjoche. Im Gegensatz zum Vorgängerbau unterstützen Flachkuppeln - aufgrund ihrer breitflächigen Rahmung auch "Tellergewölbe" genannt - die Ausbildung von Teilräumen und zentralisieren sie zugleich. Die ehemals durchgehenden Seitenschiffe sind in Seitenkapellen mit Quertonnen abgeteilt, große Rundbogendurchgänge stellen die Verbindung zwischen ihnen her. Eine Halbkugelkuppel mit umlaufender Galerie und Latene zeichnet die Vierung als räumliches Zentrum aus.
Die Hochwand des Presbyteriums öffnet sich in drei Arkaden, die Einblick in den dahinterliegenden niedrigeren Mönchschor geben. Den Schildwänden in den Seitenkapellen, den Querarmen und dem Presbyterium sind Thermenfenster eingeschrieben, während die Belichtung des Mönchschors einfache Rundbogenfenster übernehmen.
Der Westchor ist im Prinzip ebenfalls vom Vorgängerbau übernommen, wurde jedoch 1712 neu aufgeführt. Zum Langhaus hin ist ein tonnengewölbtes Zwischenjoch eingeschoben, das niedrige Seitenkapellen begleiten, darauf folgt die stark durchfensterte Apsis, in die eine auf vier Säulen ruhende Orgelempore eingebaut ist. Unter dem erhöhten Laufgeschoss führt eine Treppe zur Taufkapelle hinunter, der sich nach Süden die Magnuskapelle anschließt. Erheblichen Einfluss auf die Raumwirkung besitzen die architektonischen Gliederungselemente Gesims, Pfeiler und Gurtbogen, die in St. Mang besonders stark ausgeprägt sind. Während das mehrfach abgetreppte Gesims den ganzen Kirchenraum umzieht und ihn zusammenbindet, geben die marmorierten Pilaster zusammen mit den Gurtbogen den Rahmen ab für die zwischenliegenden Wand- und Gewölbeflächen. An den Kopfenden der Zwischenmauern treffen die Pilaster gebündelt zusammen und schließen sich auf diese Weise zu kraftvollen Pfeilern zusammen, die dem Raum Rhythmus und Struktur verleihen.
Die romanischen Maßverhältnisse bleiben jedoch in den schlanken Proportionen des Mittelschiffs nach wie vor greifbar, trotz aller barocker Umkleidung. Es spricht einiges dafür, dass dies absichtlich geschah, verwies man in St. Mang doch stets auf das hohe Alter und die geschichtliche Tradition der Abtei, um zu den reichsunmittelbaren schwäbischen Klöstern aufzuschließen. Dies ist wahrscheinlich auch der Gund, warum der Glockenturm als weithin sichtbares Zeugnis eines uralten Herkommens in seinem Zustand belassen und die Umbauplanung Herkomers nicht realisiert wurde.
Italienische Einflüsse
Der Einsatz der im Langhaus weit einspringenden Trennmauern wurde häufig mit den Wandpfeileranlagen der Vorarlberger Bauschule in Zusammenhang gebracht. Doch sind die sonstigen Übereinstimmungen nur allgemeiner Art, vielmehr steht Herkomers Barockisierung in oberitalienischer Tradition: So ist der aus Pilastern, Gurtbogen und einer Abfolge von Kuppeln entwickelte Raum in San Salvatore zu Venedig und in Santa Giustina zu Padua vorgebildet. Die Kuppel mit Umgangsgalerie und Laterne sowie die Scheidung zwischen Presbyterium und Mönchschor mittels Arkadenwand sind dagegen Zitate aus den venezianischen Palladio-Kirchen San Giorgio Maggiore und Il Redentore. Auf die venezianische Herkunft der Dachform des Langhauses wurde schon verwiesen. Die Tellergewölbe könnten dagegen vom Passauer Dom her beeinflusst sein, wo Stuckator Matthias Lotter gearbeitet hatte.
Der Stuck
Der überwiegende Teil der Stuckaturen in St. Mang wurde nach Entwürfen von Johann Jakob Herkomer durch Matthias Lotter und seine Gehilfen von ca. 1709 bis 1717 dem Bauverlauf folgend in Chor, Querhaus, Vierung und den Langhauszwickeln ausgeführt. Nach dem Weggang Lotters 1717 führte ein anderer Trupp (vermutlich Johann Jakob Herkomer d.J., Thomas Seitz und Paul Geyr) die Dekoration in den Seitenkapellen, an den Tellergewölben im Langhaus und im Westchor bis ca. 1720 aus, zum Teil nach eigenen Vorstellungen. So ist der Stuck trotz eines stimmigen Gesamtkonzepts stilistisch nicht einheitlich.
Als Motive finden wir nieren- und birnenförmige Kartuschen, umgeben von Akanthusranken und Fruchtgehängen, auch Wolkenballen mit Puttenköpfen, Muscheln, an den Rahmungen der Tellergewölbe übergreifende Blatt- und Blütenzweige, dazu in den Langhauszwickeln plastisch modellierte Engel. Der einzige motivische Stuck, ebenfalls aus der späteren Zeit, befindet sich in den beiden Westchor-Kapellen: nördlich (Magdalenenkapelle) die von einem Wolkenkranz umgebene Geißelsäule Christi, südlich (Michaelskapelle) das strahlende Kreuz.
Der Stuck Joseph Fischers an der Orgelempore gehört einem sehr viel späteren Stadium (1752/53) an, er entspringt bereits der Stilphase des Rokoko und ist auf Rocaille-Ornamentik beschränkt. Um eine völlige Neuschöpfung handelt es sich bei dem 1970 von der Fa. Josef Schnitzer, Buching, angefertigten Baldachinvorhang an der Presbyteriumshochwand, der einem Altarentwurt von Joseph Fischer (im Museum der Stadt Füssen) nachempfunden ist. Das seit 1764 an dieser Stelle angebrachte Gemälde von Balthasar Riepp mit der "Verklärung Christi" (1764) befindet sich jetzt in der Krippkirche.
Die Deckenfresken
Fresko "Abschied des hl. Magnus" in der südlichen Querhauskuppel, signiert Johann Jakob Herkomer, um 1709
An der zwischen 1709 und 1721 erfolgten Freskierung von St. Mang waren drei Künstler beteiligt: Johann Jakob Herkomer schuf die Deckenbilder in Chor, Vierung, Querarmen und Langhauszwickeln (1709 bis um 1716), vermutlich Francesco Bernardini die Scheitelbilder in den Langhauskapellen (1719) und Franz Georg Hermann die restlichen 20 Bilder in Langhaus und Westchor (1720 - 1721).
Die Fresken im Mönchschor behandeln die Bindung von St. Mang an den Benediktinerorden sowie die Gründungsgeschichte des Klosters: Das Deckenbild (signiert und datiert 1709) zeigt den Tod des hl. Benedikt, in der Gewölbekehle sehen wir neben dem Jesus- und Marienmonogramm die Wappen der hll. Magnus und Benedikt sowie die von Karl dem Großen und Erzherzog Leopold, dazu eine Gegenüberstellung der alten und neuen Klosteranlage.
Fresko "Der Magnustritt" an der Westwand der St. Benedikt-Kapelle, von Franz Georg Hermann, um 1720/21
Im Presbyteium wird auf den hl. Magnus als Mittler zwischen Gott und den Menschen verwiesen: In den Zwickeln sind die Reliquien (Stab, Kelch, Stola, Kreuz) des hl. Magnus dargestellt, im Deckenbild knien die hll. Benedikt, Columban, Gallus und Magnus vor der hl. Dreifaltigkeit mit der Muttergottes.
Die nierenförmigen Kartuschen in der Vierungskuppel sind den Kirchenvätern und Evangelisten vorbehalten, in der Laterne schwebt die Hl.-Geist-Taube als Zeichen für das Wirken Gottes.
Das Kuppelfresko im nördlichen Querarm stellt den Bezug her zum Altar der Rosenkranzbruderschaft: Es zeigt die Verleihung des Rosenkranzes durch die hl. Maria an die hll. Dominikus und Katharina von Siena. Die Zwickel enthalten Szenen aus dem Marienleben gemäß dem Rosenkranz-Gebet: Vekündigung, Geburt Christi, Ausgießung des hl. Geistes und Mariä Himmelfahrt.
Die übrigen Freskobilder sind Teil des großangelegten, das ganze Kirchenschiff durchlaufenden Zyklus der Magnuslegende. Vom südlichen Querarm ausgehend, setzt er sich in den Zwickeln der Vierung fort und umläuft jedes der Joche im Uhrzeigersinn, jeweils beginnend mit dem nordöstlichen Bildfeld im Kuppelraum. Hatte Herkomer den Fresken noch eine Nummerierung beigestellt, wurde diese von Hermann während der Freskierung aufgegeben. Außerhalb der zyklischen Ordnung stehen die acht Wandfresken über den Durchgängen, indem sie - als Zugeständnis an die Volksfrömmigkeit - den Einstz des hl. Magnus für die Menschen schildern; ebenso die vier Bilder in den Gewölbescheiteln der Kapellen, die der Verherrlichung des hl. Magnus und der St. Mangkirche gewidmet sind, sowie die Deckenbilder in der St.-Leonhard-Kapelle, welche das Vertrauen der Menschen in die Wunderkraft der Magnusreliquien zum Gegenstand haben.
Mit der Themenasuwahl für die Hauptkuppeln sind zugleich auch bestimmte Anliegen verbunden: Soll mit dem Fresko im südlichen Querarm ("Abschied des Königssohnes Magnus von seinen Eltern") das Kloster St. Mang letztlich als weltlich-königliche Gründung begriffen werden, steht im vorderen Langhausjoch mit dem Bild "Magnus besiegt den Drachen bei Roßhaupten" die zentrale Bedeutung des hl. Magnus (und damit auch des Klosters) für die Bevölkerung im Mittelpunkt. Im hinteren Langhausjoch schließlich wird mit dem "Tod des hl. Magnus" auf die Heiligkeit des Magnus, damit özugleich auf Tradition und historische Kontinuität des Klosters verwiesen. Spätere Zutaten sind die beiden freskierten, mit Engeln besetzten Schriftkartuschen über den Seitentüren des Presbyteriums. Das nördliche Chronogramm nennt das Datum des Besuches von Papst Pius VI. in Füssen am 6. Mai 1782, das südliche das Herstellungsjahr 1786.
Daneben sind an der Südwand des Presbyteriums Reste einer Wandbemalung wohl aus dem 16. Jahrhundert zu erkennen, ein weiterer Beleg für die weitgehende Beibehaltung des alten Mauerwerks durch Herkomer.
Die Altäre und Reliquien
Blick in das Presbyterium
Der Hochaltar. Vor der Arkadenwand zwischen Presbyterium und Mönchschor steht der doppelseitig angelegte Hochaltar, ganz aus verschiedenfarbigem Füssener Marmor nach Entwürfen Herkomers zwischen 1717 und 1722 angefertigt. Die Mitte nimmt ein überkuppelter Tabernakel in Form eines offenen Zentralbaus ein, der mit einem Hebemechanismus versehen ist, um von unten her eine Monstranz erscheinen zu lassen. Seitlich umstehen ihn die annähernd lebensgroßen, weißmarmornen Figuren der Heiligen Columban und Gallus (außen) sowie Benedikt und Scholastika (innen), herausragende Schöpfungen des jungen Anton Sturm. Die ungewöhnliche, in sich geschlossene Gestaltung der Füssener Altaranlage geht auf das Vorbild venezianischer Tabernakel- bzw. Baldachinaltäre zurück, wie sie Herkomer aus eigener Anschauung kannte.
Der Volksaltar. Entsprechend den Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils wurde anlässlich der Renovierung 1970 auch ein Volksaltar errichtet. Der von Prof. Hermann Jünger aus München gestaltete Altar besteht aus leichten und transparenten Materialien wie Edelstahl und Kunstglas und passt sich damit seinem zumeist lichtdurchfluteten Standort in idealer Weise an.
Die Ewig-Licht-Ampel. Im Magnus-Jahr 2000 kam im Presbyterium die Ewig-Licht-Ampel hinzu, deren Entwurf von Erwin Wiegerling sich an die ehemals hier aufgehängte barocke Prunkampel anlehnt.
Das moderne Reliquienkreuz. Über dem Volksaltar werden vier Reliquien des hl. Magnus in einem durchsichtigen Kreuz (1970) zur Schau gestellt: Knochensplitter (unten), Brustkreuz (links), Kelch (rechts) und Magnusstab (Mitte). Einzig die Knochensplitter sind authentische Reliquien von den Gebeinen des Heiligen, sie wurden 1972 von St. Gallen nach Füssen übertragen. Zwar stammen die anderen drei nicht aus der Zeit des hl. Magnus, doch standen sie über Jahrhunderte hinweg im Zentrum des Magnuskultes. Während das Brustkreuz eine moderne Nachbildung des 1806 verlorenen Originals ist, geht der silberne Magnuskelch auf das 13. Jahrhundert zurück, 1625 wurde er repariert.
Magnus-Reliquien: Magnusstab
Bedeutendste Reliquie ist der 1572 in Silber gefasste Stab. Er wurde 1469 in dem Grab unter dem Hochaltar entdeckt und galt fortan als Stab des hl. Magnus, der Stab, der nach der Überlieferung vom hl. Columban an den hl. Gallus weitergereicht worden war und von diesem wiederum an den hl. Magnus. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert wurden ihm Wunderkräfte bei der Abwehr von Flurschaden durch Unwetter und Ungeziefer aller Art zugeschrieben, was dazu führte, dass er alljährlich in den Sommermonaten zur Feldersegnung in den ganzen Alpenraum ausgeliehen wurde.
Die Querhausaltäre. Die beiden mächtigen Altäre im Querhaus entstanden zwischen 1723 und 1733 wohl nach Entwürfen von Johann Georg Fischer. Sie sind bis zu den oberen Gesimsen aus Füssener Marmor ausgeführt, die Auszüge sind aus Holz. Für die beiden Altarblätter konnte Giovanni Antonio Pellegrini (1675 - 1741) verpflichtet werden.
Der nördliche Querhausaltar (Bruderschaftsaltar), 1723-1733. Altarblatt "Rosenkranzübergabe" von Giovanni Antonio Pellegrini, 1721
Der nördliche Altar war für die 1619 gegründete Rosenkranzbruderschaft bestimmt. Das von Pellegrini 1721 in Venedig gemalte Altarblatt, eine dynamische Komposition in bewegtem Duktus, zeigt die Übergabe des Rosenkranzes durch die Muttergottes an den hl. Dominikus und die hl. Katharina; im Vordergrund ein Benediktinermönch als Vertreter des Füssener Konvents, rechts daneben ein Putto mit dem Stab des hl. Magnus, rechts im Eck ein Hund mit Fackel im Maul, beides Attribute des hl. Dominikus. Der Auszug enthält eine Uhr mit versilbertem Zifferblatt, in dessen unterer Hälfte Symbole von Handwerk, Technik, Wissenschaften, Kunst und Musik eingraviert sind; das Uhrwerk stammt von Thomas Barnsteiner aus Kirchthal bei Seeg. Der nach dem Vorbild des Tabernakels auf dem Pfarraltar um 1764 errichtete Stuckmarmoraufbau umrahmt ein Gemälde der Maria vom guten Rat (von Balthasar Riepp). Vor dem Altar steht eine Installation von Erwin Wiegerling, die dem Gedenken an den sel. Franz Xaver Seelos gewidmet ist.
Der dem hl. Ulrich geweihte südliche Altar, zu dem sich noch die originalen marmornen Schranken erhalten haben, ist der sog. Pfarraltar, in Form und Material mit dem gegenübreliegenden Altar identisch. Das von Pellegrini 1722 in Füssen vollendete Altarblatt schildert die Erweckung eines Toten durch den hl. Ulrich, den Augsburger Bistumspatron. Der in bewegtem Umriss gestaltete Tabernakelaufbau aus Holz kam erst 1742 hinzu. Anstelle der ehemals dort aufgestellten Madonnenfigur symbolisieren 7 blaue Lichter die 7 Schmerzen und Freuden Mariens, aber auch die 7 Gaben des Geistes. Auf einer modernen, neunsäuligen Unterkonstruktion steht heute - etwas vom Altar abgerückt, eine spätgotische Madonnenfigur. Sie gehört der schwäbischen Schule an und entstammt sehr wahrscheinlich dem Altarschrein, den Abt Johannes Heß hatte 1463 aufstellen lassen.
Marmorkapelle
Während sich hinter dem Gemälte des Bruderschaftsaltars eine große Marmornische verbirgt, in der die spätgotische Marienstatue zur Anbetung ausgesetzt wurde, öffnet sich hinter dem Pfarraltar die sog. Marmorkapelle, in die man zu Weihnachten, in der Osterzeit sowie in den Monaten Mai und August, in denen die Gottesmutter besonders verehrt wird, Einblick erhält.
Dieser kleine überkuppelte Zentralraum wurde erst 1735 vollendet. Er ist mit Marmor, Stuck und Fresken (von Franz Georg Hermann) reich ausgestattet und diente in der Barockzeit als Bühnenraum u.a. für die Zurschaustellung des Allerheiligsten auf dem Corpus-Chrisi-Altar.
Die Altäre in Langhaus und Westchor. Die beiden östlichen Altäre in den Langhauskapellen sind dem hl. Leonhard (nördlich) und den hll. Peter und Paul (südlich) geweiht. Ihre aus echtem Marmor gefertigten Unterbauten entstanden bis 1723, während die Aufsätze erst 1745/46 bzw. 1746/47durch Joseph Fischer in Stuckmarmor ausgeführt wurden. Die in ihrem Aufbau völlig übereinstimmenden Altäre beinhalten ovale Gemälde von Franz Georg Hermann (1723) mit Darstellungen des hl. Leonhard (nördlich= bzw. der hll. Petrus und Paulus (südlich). Die kleinen Aufsatzbilder aus der Zeit um 1750 stellen den hl. Joseph bzw. den hl. Johannes von Nepomuk dar.
Ebenso bilden die beiden westlichen Altäre im Langhaus ein Paar, ihre Patrozinien lauten auf die 14 Nothelfer (nördlich) bzw. den hl. Benedikt (südlich). Wie bei den östlichen beiden Altären entstand auch ihr Unterbau im wesentlichen bis ca. 1723, während die stuckmarmornen Aufbauten von Joseph Fischer erst 1744 bzw. 1745 dazukamen. Die Altarblätter von ca. 1720/25 zeigen die 14 Nothelfer (nördlich) bzw. den Tod des hl. Benedikt (südlich), die kleinen Gemälde darunter - beide aus der Mitte des 18. Jahrhunderts - Herz Mariä (nördlich) bzw. Herz Jesu (südlich). Zwei weitere Altäre befinden sich in den Seitenkapellen des Westchors: nördlich der Magdalenenaltar, südlich der Michaelsaltar. Die marmornen Unterbauten erhielten 1722/23 Aufsätze mit Muscheln, Puttenköpfen und Akanthusranken; Bildschnitzer war Thomas Seitz, von ihm sind auch die Holzfiguren der hl. Magdalena (nördlich) und des hl. Michael (südlich), beide von 1725. Die figürlichen Teile des Magdalenenaltars sind derzeit wegen Restaurierung ausgelagert.
Die Kanzel
Die Kanzel, von Anton Sturm, 1719
Die 1719 vollendete Kanzel ist die früheste derartige Arbeit von Anton Sturm. Sie ist ein Gemeinschaftswerk mit seinem Bruder Franz Joseph Sturm, Thomas Seitz, Paul Geyr und Michael Hipp. Die Fassarbeiten übernahmen Joseph Obermiller und Bonaventura Stapf. Im Mittelfeld des Kanzelkorpus erkennen wir das Jesus-Monogramm IHS, links davon das Wappen des Konvents und rechts das von Abt Dominikus Dierling. Eine Gruppe von sechs Putten trägt den Kanzelkorb, zwei stützen den Schalldeckel, dessen Unterseite mit einer großen Muschel besetzt ist. Auf dem Schalldeckel werden zwei Putten von den Strahlen einer Heilig-Geist-Taube getroffen. Außerdem sind hier die Symbole der Kirchenväter versammelt: Ganz links steht ein Bienenkorb (Ambrosius), vorne reckt ein Engel ein Herz in die Höhe (Augustinus), während der andere auf die Heilig-Geist-Taube (Gregorius) verweist, schließlich liegt auf der Nordseite des Kanzelkorbes ein Kruzifix mit Totenkopf (Hieronymus). Dazu kommen auf dem Schalldeckel die Attribute der vier Evangelisten: Adler (Johannes), Engel (Matthäus), Löwe (Markus) und Stier (Lukas). Puttenköpfe unter den Gesimsen von Kanzelkorb und Schalldeckel ergänzen die Puttenschar.
Die Gestühle in Chor und Langhaus
Das Gestühl im Mönchschor, wohl von Thomas Seitz, um 1710. Im Vordergrund die Chororgel, von Andreas Jäger, um 1730
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Gestühl im Mönchschor, das den Raum, seinem Grundriss folgend, halbkreisförmig umläuft. Die 23 Stallen - sämtlich aus ungefasstem Eichenholz - schuf Thomas Seitz um 1710 nach Entwürfen von Herkomer. Eine festliche Gesamtwirkung rufen vor allem die prachtvollen Muschelaufsätze hervor, zwischen denen Flammenvasen stehen. Der Platz im Scheitel des Halbkreises wird durch die äbtlichen Insignien, die Initialen GA (= Gerardus Abbas) und das Doppelwappen als Abtsstuhl gekennzeichnet. Erst 1898/99 kam eine zweite Reihe hinzu. Die mit Kassettierungen versehene Brüstung stammt jedoch aus der Bauzeit.
Als Meister des Laiengestühls im Langhaus kommt ebenfalls Thomas Seitz in Betracht, darüber hinaus sind Zahlungen an "Meister Antoni" (Zimmermeister Anton Vilser) für die Jahre 1717 bis 1719 belegt. Die aus Eichenholz geschnitzten, geschwungenen Wangen bilden in kräftigem Relief Akanthus- und Blumenranken aus.
Die Beichtstühle
Zu beiden Seiten des Langhauses sind in die Wände neben den vier Seitenaltären je zwei Beichtstühle aus Eichenholz eingelassen. Als Künstler kommt Thomas Seitz in Frage, der 1723 Zahlungen für die Reliefkartuschen erhielt.
Die von Akanthusblattwerk gerahmten Aufsatzkartuschen illustrieren mit biblischen Szenen das Thema Schuld und Vergebung: In der (nordöstlichen) Leonhardskapelle links "Magdalena wäscht die Füße Jesu", rechts "Christus und die Ehebrecherin"; in der (südöstlichen) Peter-und-Paul-Kapelle links "Hl. Petrus", rechts "Hl. Paulus"; in der (nordwestlichen) 14-Nothelfer-Kapelle links "Die verlorene Drachme", rechts "Christus und die Samariterin am Brunnen"; in der (südwestlichen) Benedikt-Kapelle links "Der verlorene Sohn", rechts "Christus treibt einen Teufel aus". Zwischen den beiden Rundbogen verweisen Inschriftenkartuschen mit Bibeltexten auf denselben Themenkreis.
Die Orgeln
Die Orgel im Westchor, von Andreas Jäger, 1751/52
Die erste, für das Jahr 1596 nachgewiesene Orgel wurde offenbar in den Barockbau übenommen und erst mit dem Einbau der Orgelempore 1751/52 durch eine neue von Andreas Jäger ersetzt. Von dieser Orgel hat sich heute nur noch der prachtvolle Prospekt von Peter Heel erhalten, vom barocken Orgelwerk ist nach zahlreichen Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert jedoch kaum mehr etwas vorhanden. Nach dem Vorbild der Weingartener Orgel ist auch hier in Füssen der Prospekt mit Raffinesse um die Westfenster herumkomponiert, was dazu führt, dass seitlich des zentralen Aufbaus kleine Brückenpositive angeordnet sind, die zu den ganz nach außen gerückten Pedaltürmen überleiten. Dazu kommt noch ein kleiner Prospekt an der Emporenbrüstung. Eine Schar von weißgefassten Putten und Engeln, sämtlich mit Blasinstrumenten ausgestattet, bevölkert den gesamten Aufbau. Oben wird von ihnen das Wappen der Erbauers, Abt Gallus Zeiler, empor gehalten, darunter sitzt auf dem Gesims des mittleren Registers König David mit der Laute.
Eine Rarität unter den süddeutschen Orgeln stellt die Orgel im Mönchschor dar, die um 1730 vermutlich von Andreas Jäger geschaffen wurde. Der aus Fichten-, Eichen-, Zwetschgen-, Nuss- und Wurzelholz gefertigte, elegant geschwungene Corpus ist reich gegliedert und mit Füllungen versehen. Den 1898 vorgenommenen völligen Umbau des Instruments machte man im Zuge der Restaurierung von 1995/96 wieder rückgängig. Dabei wurde die originale Disposition des Pfeifenwerks nach dem Vorbild von Jäges Chororgel in Stams/Tirol rekonstruiert, wodurch eine Annäherung an die ursprüngliche Klangfarbe der Orgel gelang.
Die sonstigen Ausstattungsstücke
Die ovalen, weißmarmornen Medaillons an den Pfeilern des Kirchenschiffs datieren aus den Jahren 1716/17. Sie stellen die 12 Apostel (von Matthias Lotter) sowie 10 weitere Heilige (von Anton Sturm) dar. Wir finden im einzelnen (von Ost nach West): neben dem Hochaltar Christus (nördlich) und Maria (südlich), an den östlichen Vierungspfeilern einander zugewand Petrus (n) und Paulus (s), am selben Pfeiler zum Querhaus hin Andreas (n) und Jakobus d.Ä. (s), am 1. Mittelschiffpfeiler dem Schiff zugewandt Johannes (n) und thomas (s), am 2. Pfeiler Thaddäus (n) und Jakobus d.J. (s), am 3. Pfeiler Matthäus (n) und Philippus (s), im Westchor Bartholomäus (n) und Simon (s), im 1. Kapellenpaar einander zugewandt den Ev. Markus und den hl. Joseph (n) bzw. den Ev. Lukas und Johannes d. Täufer (s), im 2. Kapellenpaar den Persönlichen Schutzengel und den Erzengel Gabriel (n) bzw. den Erzengel Michael und den Erzengel Raphael (s).
An den westlichen Vierungspfeilern sind außerdem zwei Schriftmedaillons mit vergoldeten Lettern angebracht, die wichtige Daten der Baugeschichte in lateinischer Sprache mitteilen: Die südliche Inschrift verweist auf die Grundsteinlegung am 10. Mai 1701 durch Abt Gerhard Obeleitner und den Bauabschluss unter Abt Dominikus Dierling im Jahr 1715, die nördliche Inschrift auf die Weihe der Kirche am 15. Februar 1717 durch den Augsburger Fürstbischof Alexander Sigismund.
Drachenleuchter am Eingang zum Altarraum, von Thomas Seitz, um 1724
Die ungewöhnlichsten Ausstattungsstücke von St. Mang sind die beiden Drachenleuchter am Choreingang, wie auch der zugehörige Drachenstuhl im Chor, um 1724 entstandene Werke von Thomas Seitz. Sie nehmen Bezug auf die Magnus-Vita, worin geschildert wird, wie der hl. Magnus in Roßhaupten und Füssen Drachen und Dämonen besiegte, indem er den wahren Glauben verkündete. Dabei bringt Seitz in den Drachen zum Ausdruck, dass noch größer als ihr Sträuben die Macht des hl. Magnus ist, der ihnen das Licht, Symbol der christlichen Heilswahrheit, aufzwingt und sie auf diese Weise bändigt.
Neben den Altarbildern sind in St. Mang vier weitere Leinwandgemälde zu sehen: Links neben dem nördlichen Querhausaltar "Das Christuskind erscheint dem hl. Antonius von Padua" vom Ende des 18. Jahrhunderts; rechts neben dem südlichen Querhausaltar "Das letzte Abendmahl", darunter in der Kartusche "Die Kundschafter aus dem Gelobten Land", um 1780/90, wohl von dem Pfrontener Maler und Freskanten Joseph Keller (1740 - 1823). Über den seitlichen Türen des Mönchschores befinden sich zwei Gemälde, die in engem Zusammenhang mit dem Bildprogramm der dortigen Fresken stehen: links eine 1634 geschaffene Kopie von Hans Georg Hiebele nach Albrecht Dürers Bildnis von Karl dem Großen, den das Chronogramm über der Tür als Förderer des Klosters im Jahre 770 bezeichnet; rechts ein Bildnis von Erzherzog Leopold von Österreich aus derselben Zeit, der sich, wie die Gemäldeinschrift hervorhebt, ebenfalls als Wohltäter von St. Mang verdient gemacht hat.
An den Ostwänden des Querhauses links und rechts vom Chor sowie seitlich der Langhausaltäre dokumentieren zahlreiche Zunftkerzen aus dem 18. und 19. Jahrhundert die Gebetsanliegen der in Füssen vertretenen Zünfte.
Zwei Tragstangen mit durchbrochenen silbernen Aufsätzen, die auf Prozessionen der Bruderschaften mitgeführt wurden, befinden sich im Westchor seitlich des Michaelsaltares.
Hinter der 1. südlichen Langhauskapelle (Peter-und-Paul-Kapelle) ist das ehemalige südliche Vorzeichen als Aussellungsraum für die Jahreskrippe eingerichtet. Die über hundert Darstellungen dieser sog. Pfarrer-Kaiser-Krippe von Schnitzer Josef Hien aus Ottobrunn begleiten seit 1957 durchs Kirchenjahr. Zur Weihnachtszeit wird außerdem eine historische Krippe mit großen Figuren aufgestellt, vermutlich 1628 im Auftrag von Abt Martin Stempfle durch den Schongauer Bildhauer Hans Stelzer angefertigt.
Die Westkrypta
Ölberg - Taufkapelle
Taufkapelle: Vom Westteil des Kirchenschiffs führen 19 Stufen hinab in die Westkrypta, früher auch Johannes- oder Schmerzenskapelle, jetzt Taufkapelle genannt. Der von vier Säulen getragene Raum besitzt einige schöne Ausstattungsstücke: Im Zentrum steht der rotmarmorne Taufstein von Matthäus Ott, 1825, mit einer Schnitzfigur Johannes d. Täufers auf dem Deckel. Die südliche Nische der Ostwand enthält einen Ölberg (um 1720/30), die nördliche Nische die Figur eines Christus an der Geißelsäule, wohl aus der Sturm-Werkstatt. In der Nische der Nordwand steht eine Figur Johannes d. Täufers, die der Weilheimer Bildhauer Bartholomäus Steinle (um 1580 - 1628/29) um 1618 für den Johannes-Altar der Krypta schuf. Von herausragender Qualität ist der in die Südwand eingelassene Grabstein von Ritter Georg Gossenbrot zu Hohenfreyberg, gestorben 1502, und seiner Frau Radigunda, geb. Eggenberger. Beachtenswert ist auch an der Westwand ein Kruzifixus aus der Zeit um 1520, der dem Füssener Bildschnitzer Jörg Lederer (um 1475 - 1550) zugeschrieben wird. Daneben ist eine der Zeit um 1470 angehörende Madonnenfigur der Augsburger Schule aufgestellt. Sie befand sich vor ihrer Restaurierung, bei der ihre Originalfassung freigelegt wurde, im Füssener Kalvarienberg.
Die Magnuskapelle nach Osten, Figuren von Anton Sturm, 1715-1717, 1725
Magnuskapelle. Südlich der Taufkapelle schließt sich die Magnuskapelle an. Wohl seit dem 16. Jahrhundert wurde an dieser Stelle irrtümlicherweise die erste Zelle des hl. Magnus vermutet, wodurch die mit dem Kirchenbau zusammen entstandene Kapelle zu einem Ort der Magnus-Verehrung wurde. Im Zuge des Neubaus der Westchoranlage 1712 musste auch die Magnuskapelle erneuert werden, dabei gab ihr Herkomer einen ovalen Grundriss und stattete sie entsprechend ihrer damaligen Bedeutung kostbar aus: Für die Nischen, die Figuren, den Altar und auch den Bodenbelag wurde echter Marmor verwendet. Wie der Stuck von Joseph Fischer geht auch das Deckenölbild von Franz Anton Zeiller auf eine Umgestaltung von 1751/52 zurück. Es stellt die Glorie des hl. Magnus dar, die seitlichen kleinen Bilder zeigen die Attribute der hll. Benedikt, Scholastika, Gallus und Columban. Darunter stehen in den Nischen die fast lebensgroßen Figuren derselben Heiligen aus weißem Marmor: links vom Altar der hl. Benedikt, rechts die hl. Scholastika, gegenüber links vom Fenster der hl. Columban, rechts der hl. Gallus, sämtlich hervorragende Frühwerke Anton Sturms von ca. 1715 bis 1717. Erst 1725 wurde die bis dahin auf dem Altar aufgestellte hölzerne Sitzfigur des hl. Magnus (1619, vom ehem. Hochaltar in St. Mang, von Bartholomäus Steinle, jetzt in Lana/Südtirol) durch eine fast identische Figur aus weißem Marmor von Anton Sturm ersetzt. In ihrem Sockel wurden früher Magnus-Reliquien aufbewahrt. Gute Arbeiten Sturms sind auch die beiden seitlichen Leuchterengel. Eine genauere Betrachtung verdient außerdem das kunstvolle schmiedeeiserne Gitter aus der Erbauungszeit.
WÜRDIGUNG
Mit der ehem. Klosterkirche St. Mang besitzt Bayerisch-Schwaben eine Barockkirche von seltener stilistischer Geschlossenheit: Architektur und Ausstattung sind weitgehend von einem einzigen Künstler, Johann Jakob Herkomer, entworfen und mit nur wenigen Veränderungen bis etwa 1735 umgesetzt; in der süddeutschen Barockkunst Vergleichbares findet sich nur in den Werken der Brüder Zimmermann oder der Brüder Asam. Bauliche Gestalt und Ausstattung verschmelzen dabei zu einem Gesamtkunstwerk ersten Ranges. Der in seiner Architektur venezianische Einflüsse verarbeitende Sakralbau wurde dabei selbst zum Vorbild für zahlreiche Kirchen in Tirol und Schwaben, insbesondere für die Kirchenbauten des Dominikus Zimmermann. Doch ist die barocke St. Mangkirche nicht vorstellbar ohne die Vorgaben der romanischen Basilika und die an diesem Ort mehr als 1250 Jahre andauernde Verehrung des hl. Magnus, dem Apostel des Allgäus.
(Text: INGO SEUFERT)


