Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer
von Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer
Der Haushalt der Diözese Augsburg beläuft sich in diesem Jahr auf € 297,9 Mio. und ist erneut in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Da der Einbruch im Kirchensteueraufkommen im vergangenen Jahr mit – 4,2 % weniger scharf war als angenommen, haben wir heuer Spielraum gewonnen. Unterstützt wird die Entwicklung durch eine robuste Konjunktur, in deren Folge ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosenzahlen gerade in unserer bayerischschwäbischen Region zu verzeichnen ist. Wir legen daher unserer Planung für 2011 ein leichtes Plus von 1 % zum Istwert 2010 bei den Steuereinnahmen zugrunde.
Dämpfend wirkt sich weiter der Rückgang der auf Kapitalerträge entfallenden Kirchensteuereinnahmen aus. Die Vollzugsdefizite im Rahmen der sog. Zinsabgeltungsteuer sind weiterhin gravierend, da eine ordnungsgemäße Angabe und Erfassung von Kapitalerträgen vielfach unterbleibt. Die hierauf zurückzuführenden Ausfälle belaufen sich auf ca. 80 %. Nachhaltige Einbußen verursachen die hohen Austrittszahlen des vergangenen Jahres. Erfreulicherweise beobachten wir aktuell eine Trendumkehr. Unverändert ungünstig ist dagegen der Effekt aus der langfristigen demografischen Entwicklung. Im Jahr 2010 standen ca. 11.000 Taufen etwa 14.000 Beerdigungen gegenüber.
Insgesamt können wir jedenfalls für dieses Jahr mit Befriedigung feststellen, dass der Rahmen der Einnahmen die anfallenden Ausgaben abdecken kann. Trotz dieses Befundes ist davor zu warnen, gewohnte Kostenstrukturen mittelfristig lediglich fortzuschreiben. Nicht nur aus finanziellen Gründen sind hier Anpassungen und Neuausrichtungen vonnöten. Der zunehmende Priestermangel stellt die Pastoral in der Fläche vor große Herausforderungen. Die zunehmende Vergrößerung von Pfarreiengemeinschaften stellt in manchen Bereichen der Seelsorge und der Verwaltung neue Aufgaben, die professionelles Personal erfordern. Weil aber zur Wahrung der mittelfristigen Haushaltssicherheit gerade die Personalkosten eingegrenzt werden müssen, kann nicht "aufgestockt", sondern muss anders kombiniert werden. Ein Pfarrbüro in jedem Ort ist schön, wenn man es sich leisten kann. Perspektivisch ist das nicht. Nicht herkömmliche "Versorgungsorte", sondern leistungsfähige "Knotenpunkte" müssen zumindest in der Verwaltung das Ziel sein. Dies bedeutet keine Infragestellung der ortskirchlichen Identität, erfordert aber positive Flexibilität einer an Qualität interessierten Kirchengemeinde, die auch das Ehrenamt – vielleicht ebenfalls in modifizierter Form – neu entdeckt und mobilisiert.
Ganz in diesem Sinne konnte ein Projekt zentralisierter Verwaltung auf Ebene des Dekanats Füssen Ende 2010 zum Abschluss gebracht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sind im Einzelnen noch auszuwerten, doch hat sich bestätigt, dass eine Zentralisierung des Haushalts- und Rechnungswesens der Pfarreien sowie eine Bündelung der Betriebsführung von Kindertagesstätten (ohne Aufgabe der jeweiligen pfarrlichen Trägerschaft) der richtige Ansatz sind, um eine entscheidende Entlastung der Pfarrer zu erzielen. Weiterführende Modelle sollen in diesem Jahr entwickelt und verfügbar gemacht werden.
Zu den einzelnen Haushaltspositionen:
Auf Personalausgaben entfallen in diesem Jahr € 176 Mio. Die Personalkostenquote liegt bei 59,7 %. Bei der Zahl der Stellen ist – bereinigt um das Personal in den Kindertagesstätten – ein Rückgang zu verzeichnen. Im Einzelnen verteilen sich die Stellen wie folgt:
| HH 2011 | HH 2010 |
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| Ortskirchliche Stellen | 4.903,4 | 4.734,0 |
| Diözesane Stellen | 1.235,5 | 1.259,6 |
| Summe | 6.138,9 | 5.993,6 |
| Summe ohne Kindertagesstätten | 3.129,5 | 3.162,3 |
Der reguläre Instandsetzungsetat für unsere Pfarreien bleibt bei € 32,0 Mio. Darüber hinaus können in diesem Jahr Sondermittel in Höhe von € 4,0 Mio. bereitgestellt werden, um neuen gesetzlichen Anforderungen an Gebäudeeigentümer Rechnung zu tragen, die eine Prüfpflicht im Bereich der Grundstücksentwässerung und der Gebäudestatik vorsehen.
Bei der Ausreichung von Zuschüssen haben wir künftig noch mehr zu priorisieren. Wenn auch unverändert die einzelne Pfarrkirchenstiftung für ihren Gebäudeunterhalt verantwortlich ist, muss doch vermehrt die Bedarfssituation der jeweiligen Pfarreiengemeinschaft, in die sie eingebettet ist, Kriterium einer finanziellen Förderung von Baumaßnahmen sein.
Erwähnenswert ist auch in diesem Jahr die hohe Zahl an (Ersatz-)Neubauten von Kindertagesstätten (insbesondere Kinderkrippen). Die Zusammenarbeit mit den Kommunen bewährt sich auf diesem Feld nach wie vor und setzt uns auch finanziell in die Lage, in diesem wichtigen gesellschaftlichen und familienbezogenen Bereich präsent zu bleiben. Beispiele für Baumaßnahmen sind: Bad Heilbrunn "St. Kilian", Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen (€ 0,25 Mio.), Herrsching "St. Nikolaus", Lkr. Starnberg (€ 0,15 Mio.), Krumbach "Maria, Hilfe der Christen", Lkr. Günzburg (€ 0,2 Mio.), Zuchering "St. Blasius", Stadt Ingolstadt (€ 0,25 Mio.). Insgesamt investieren wir in den Bau und Betrieb unserer 436 Kindertagesstätten mit ca. 30.000 Plätzen in diesem Jahr über € 6,5 Mio.
Schule, Bildung und Kultur stellen einen besonderen Schwerpunkt in diesem Haushaltsjahr dar. Knapp € 50,0 Mio. investieren wir heuer in diesen Bereich. Enthalten ist eine außerordentliche Rücklagendotierung in Höhe von € 9,1 Mio. Sie dient der Sicherung der mittelfristigen Instandhaltung der in den letzten Jahren von Ordensgemeinschaften auf deren dringenden Wunsch übernommenen Schulgebäude für unser Schulwerk und entlastet insoweit künftige Haushalte. Die 38 Schulen in der Trägerschaft des diözesanen Schulwerks besuchen regelmäßig 21.000 Schülerinnen und Schüler. Hier stehen auch Investitionen für den Ausbau der Ganztagsbetreuung an.
Für sozial-karitative Einrichtungen , insbesondere den Diözesancaritasverband, die Kath. Jugendfürsorge, den Sozialdienst Kath. Frauen und den Sozialdienst Kath. Männer sind direkte Zuweisungen in Höhe von € 26,1 Mio. vorgesehen. Die laufenden Zuschüsse können dabei sogar um die Tarifsteigerungen erhöht werden. Einmalige Investitionsmittel erhält der Caritasverband für den Landkreis Donau-Ries e.V. (T€ 100) für Umbau und Sanierung des dortigen Caritaszentrums. Für die Finanzierung der Arbeit der katholischen Schwangerenberatungsstellen wenden wir € 1,3 Mio. auf. Seit 2007 erhalten diese wieder eine staatliche Förderung ihrer wertvollen Dienste. Sie liegt jedoch immer noch deutlich unterhalb der Förderung der Einrichtungen anderer Träger und deckt nur einen geringen Teil der tatsächlichen Kosten. Eine Erhöhung der staatlichen Leistungen ist unverändert unser Ziel.
Die Solidarität der katholischen Kirche in Deutschland gilt selbstverständlich den bedürftigen Ortskirchen in aller Welt , insbesondere in den Entwicklungsländern und in Südosteuropa. Auch aus diesem Haushalt wird wieder eine Vielzahl von Infrastruktur-, karitativen und kirchlichen Projekten in den betreffenden Ländern finanziell gefördert. Aus Kirchensteuermitteln werden über den Verband der Diözesen Deutschlands und über unser Referat Weltkirche € 4,4 Mio. für kirchliche Hilfs- und Entwicklungsprojekte in aller Welt gegeben. Hinzu kommt das Spendenaufkommen bei den Aktionen Adveniat, Misereor und Renovabis. Die erfreuliche Entwicklung unserer diözesanen Stiftung "Eine Welt" wird zu einer Stabilisierung des weltkirchlichen Engagements unserer Diözese auch in finanziell schwierigen Zeiten beitragen können.
Zur Finanzierung gemeinsamer kirchlicher Einrichtungen auf Bundesebene leisten wir einen Betrag in Höhe von € 6,5 Mio. Die Diözesen in den neuen Bundesländern unterstützen wir mit € 3,7 Mio. Darüber hinaus beteiligt sich die Diözese Augsburg mit € 5,5 Mio. an der Finanzierung gemeinsamer bayerischer Einrichtungen wie der Katholischen Universität Eichstätt, der Katholischen Akademie in Bayern, anderer Bildungseinrichtungen und der Landesstellen katholischer Verbände. Insgesamt fließen € 18,5 Mio. oder 6,2 % unseres Haushalts in über- oder außerdiözesane Aufgaben.
Der Anteil der diözesanen Sachkosten (ohne Bau) ist mit lediglich 5,6 % des Haushaltsvolumens unverändert günstig. Damit erreichen wir wieder unser Ziel, die Kirchensteuermittel möglichst vollständig direkt in die Seelsorge für die Menschen fließen zu lassen.
Der Diözesanhaushalt 2011 stellt einmal mehr die finanziellen Mittel zur Verwirklichung des dreifachen kirchlichen Auftrags: Gottesdienst, Verkündigung und Dienst am Nächsten bereit. Damit genügt sich jedoch Kirche nicht selbst, sondern sie leistet auch unserer Gesellschaft und unserer Kultur einen Dienst. Zahlreiche Beispiele im Kindertagesstätten-, Schul- oder karitativen Bereich machen verständlich, warum Staat und Kommunen – nicht nur aus finanziellen Motiven – die Kirche als verlässlichen Partner schätzen. Uns gibt dies die Gelegenheit, in die Gesellschaft hinein zu wirken. Dieses "ideelle Konkordat" muss uns am Herzen liegen, und es ist ärgerlich, wenn diese bewährte Kooperation gelegentlich in der Diskussion um die Finanzen und Ansprüche der Kirche in ihrem gegenseitigen Wert so beharrlich ignoriert wird.
Wir danken wiederum allen Gläubigen, die entsprechend ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit mit ihrer Kirchensteuer und durch Spenden weiterhin die dauerhafte Aufgabenerfüllung unserer Kirche solidarisch ermöglichen. Der ideelle und materielle Beitrag der Kirche mit ihren vielfältigen Diensten ist auf dem Hintergrund der schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen notwendiger denn je.


