Haushalt

Erläuterungen zum Haushalt der Diözese Augsburg für das Jahr 2013

von Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer

Auch für das Jahr 2013 legt die Diözese Augsburg einen ausgeglichenen Haushalt vor. Er beläuft sich auf € 316,0 Mio.

Die Steuereinnahmen des Staates lagen im abgelaufenen Jahr deutlich höher als geplant. Diese Entwicklung ist Ergebnis der günstigen Konjunktur, die sich erfreulich auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. In der Folge haben sich auch die Kirchensteuereinnahmen deutlich besser entwickelt als erwartet.

Zwar hat sich das Tempo des wirtschaftlichen Wachstums verlangsamt, doch erwarten Experten keine kurzfristige Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch sind gewisse Lohn- und Gehaltssteigerungen wahrscheinlich, um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an der allgemein günstigen Entwicklung teilhaben zu lassen. Wir legen unseren Planungen daher noch einmal ein leichtes Plus bei den Kirchensteuereinnahmen von 1 % zugrunde.

 

Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer
Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer

Mit einem Anteil von gut 87 % stellt die Kirchensteuer unverändert die Haupteinnahmequelle dar. Für die dauerhafte Finanzierung der vielfältigen Ausprägungen und Angebote kirchlichen Lebens ist sie so unverzichtbar, wie dies die allgemeinen Steuern für die nachhaltige Gewährleistung der Aufgabenerfüllung von Staat und Kommunen sind.

Die sonstigen Einnahmen liegen leicht unter dem Vorjahresansatz. Auch die Vermögenserträge können aufgrund des weiterhin historisch niedrigen Zinsniveaus nicht an den Durchschnitt der Vorjahre anknüpfen.

Seelsorge ist personalintensiv. Daher entfällt der größte Anteil kirchlicher Ausgaben auf Personalkosten. Sie erhöhen sich auf € 192,1 Mio. Hier wirkt sich neben allgemeinen Tarifsteigerungen auch eine Stellenmehrung im pastoralen Bereich, bei den Religionslehrern sowie im Verwaltungsbereich aus. Die Stellenmehrung im Verwaltungsbereich ist begründet durch die gewünschte Intensivierung zentraler Dienstleistungen für unsere Pfarreien, um Pfarrer und Kirchenverwaltungen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Der durchaus starke Anstieg des Personals in katholischen Kindertagesstätten zieht wegen der weitgehenden Refinanzierung nur leichte Kostensteigerungen nach sich. Ferner bietet die Diözese Augsburg wiederum 15 jungen Menschen einen Ausbildungsplatz.

Im Einzelnen gliedern sich die Stellen wie folgt

 

HH 2013

HH 2012

Ortskirchliche Stellen

(ohne Kitas)

1.859,1

1.863,0

Diözesane Stellen

1.312,1

1.277,7

Summe ohne Kindertagesstätten

3.171,2

3.140,7

Kitas

3.321,2

3.132,0

Summe

6.492,4

6.272,7

 

Fühlbare Kostensteigerungen in der Bauindustrie machen eine Anhebung des Instandsetzungsetats für unsere Pfarreien um 4 % auf € 34,0 Mio. erforderlich. Damit leisten wir erneut einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Baulast unserer Kirchenstiftungen für ihren umfangreichen Gebäudebestand. Beispiele sind die Kirchensanierungen in Wigratzbad (umfassende Neugestaltung, € 3,1 Mio.), Mering (€ 1,4 Mio.), Sandizell (€ 0,9 Mio.) und Pfaffenhofen/Ilm (€ 0,4 Mio.). Pfarrwohngebäude werden etwa in Neuburg/Donau (€ 0,8 Mio.) und Altenstadt bei Schongau (€ 0,3 Mio.) renoviert bzw. für Verwaltungszwecke der Pfarreiengemeinschaft ausgebaut. Ersatzneubauten entstehen in Affing (€ 0,8 Mio.) und Altusried (€ 1,0 Mio.). Pfarrheimsanierungen stehen u.a. an in Gundelfingen (€ 0,5 Mio.) und Au/Lkr. Neu-Ulm (€ 0,7 Mio.). Ein Pfarrheimneubau ist in Dasing geplant (€ 0,3 Mio. für Planung/Bauvorbereitung).

Nach Kräften unterstützt die Diözese auch in diesem Jahr Städte und Gemeinden bei der Erfüllung der staatlichen Ausbauziele im Bereich der Kindertagestätten. In 12 Pfarreien werden Einrichtungen geschaffen und erweitert. Insgesamt stellt die Diözese für Bau, Betrieb und Instandsetzung von Kindertagesstätten in diesem Jahr € 8,1 Mio. bereit.

Über die Hälfte des Kirchensteueraufkommens fließt auch in diesem Jahr wieder zurück in die Seelsorge in unseren Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften. Neben den Bau- und Sachkostenzuschüssen sind dies die Personalkosten, welche die Diözese zu 100 % für die Priester, Diakone und die pastoralen Mitarbeiter sowie nahezu vollständig für Pfarrsekretärinnen, Kirchenmusiker, Mesner und Reinigungskräfte trägt.

Einen Aufgabenschwerpunkt stellt in diesem und in den nächsten Jahren die Umsetzung der von Bischof Dr. Konrad Zdarsa in Kraft gesetzten „Pastoralen Raumplanung 2025“ dar. Es gilt, die mittelfristig ca. 200 Seelsorgeeinheiten in personeller, verwaltungsmäßiger und baulicher Hinsicht so zu formen, dass die Qualität der Pastoral in der Fläche nachhaltig gewährleistet ist. Dies ist nicht nur und nicht zuerst eine finanzielle Herausforderung. Vorrangig geht es um die Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen, um den kirchlichen Verkündigungsauftrag und kirchliches Leben auch angesichts weiter rückläufiger Priesterzahlen sicherstellen zu können. Ein hohes Maß an Kommunikation, aber auch an gemeinsamer Bereitschaft zu notwendigen Veränderungen ist dabei nötig. Hierzu sind unterschiedliche Modelle bereits erarbeitet und, auch unter externer Begleitung, derzeit in Erprobung.

Neben der Förderung unserer Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften trägt der vorliegende Haushalt auch anderen wichtigen Feldern der Seelsorge Rechnung.

Für sozial-karitative Einrichtungen , insbesondere den Diözesancaritasverband, die Kath. Jugendfürsorge, den Sozialdienst Kath. Frauen und den Sozialdienst Kath. Männer sind direkte Zuweisungen in Höhe von € 15,8 Mio. vorgesehen. Die laufenden Zuschüsse können dabei sogar um die erwarteten Tarifsteigerungen erhöht werden.

Besondere Hilfe erfährt angesichts drängender Problemlagen der Sozialdienst kath. Männer, der eine finanzielle Zuweisung von € 0,5 Mio. für die Schaffung von Anlaufstellen und Wohnraum für Obdachlose und strafentlassene Menschen, etwa in Kaufbeuren, Neuburg und Augsburg erhält.

Für die Finanzierung der Arbeit der katholischen Schwangerenberatungsstellen wenden wir gut € 1,4 Mio. auf. Auch eine personelle Aufstockung wird ermöglicht. Seit 2007 erhalten zwar diese Stellen wieder eine staatliche Förderung ihrer wertvollen Dienste. Sie liegt jedoch immer noch deutlich unterhalb der Förderung der Einrichtungen anderer Träger und deckt nur einen geringen Teil der tatsächlichen Kosten. Eine Erhöhung der staatlichen Leistungen ist unverändert unser Ziel. Für die Sanierung des vom Sozialdienst katholischer Frauen betriebenen Pflegeheims St. Afra in Augsburg stellt die Diözese Augsburg eine weitere Summe von € 0,5 Mio. bereit. Leuchtturmcharakter kommt einem Bauprojekt für behinderte Menschen und Beratung durch die Caritas in Königsbrunn zu. Die dortige Pfarreiengemeinschaft trennt sich von dem sanierungsbedürftigen Pfarrheim St. Ulrich und stellt das Grundstück angesichts vorhandener anderweitiger Versammlungsstätten in der Seelsorgeeinheit für dieses Vorhaben zur Verfügung. Die Diözese investiert in den Neubau – verteilt auf zwei Jahre – € 4,0 Mio.

Für unser diözesanes Schulwerk  stellen wir € 11,2 Mio. bereit. Neben den Betriebskosten für die von ihm geführten 38 Schulen und akademischen Einrichtungen sind Investitionszuschüsse für bauliche Maßnahmen an der Liebfrauen-Realschule in Diessen, der Realschule St. Ursula in Donauwörth, der MW-Realschule Schrobenhausen, der Benedictus-Realschule Tutzing und an dem Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien vorgesehen.

Die Solidarität der katholischen Kirche in Deutschland gilt selbstverständlich den bedürftigen Ortskirchen in aller Welt , insbesondere in den Entwicklungsländern und in Südosteuropa. Auch aus diesem Haushalt wird wieder eine Vielzahl von Infrastruktur-, karitativen und kirchlichen Projekten in den betreffenden Ländern finanziell gefördert. Aus Kirchensteuermitteln werden über den Verband der Diözesen Deutschlands und über unser Referat Weltkirche € 4,4 Mio. für kirchliche Hilfs- und Entwicklungsprojekte in aller Welt gegeben. Hinzu kommt das Spendenaufkommen bei den Aktionen Adveniat, Misereor und Renovabis.

Zur Finanzierung gemeinsamer kirchlicher Einrichtungen  auf Bundesebene leisten wir einen Betrag in Höhe von € 6,3 Mio. Die Diözesen in den neuen Bundesländern unterstützen wir mit € 3,8 Mio. Darüber hinaus beteiligt sich die Diözese Augsburg mit € 5,7 Mio. an der Finanzierung gemeinsamer bayerischer Einrichtungen wie der Katholischen Universität Eichstätt, der Katholischen Akademie in Bayern, anderer Bildungseinrichtungen und der Landesstellen katholischer Verbände. Insgesamt fließen € 18,7 Mio. oder 5,9 % unseres Haushalts in über- oder außerdiözesane Aufgaben.

Der Anteil der diözesanen Sachkosten  (ohne Bau) ist mit lediglich 6 % des Haushaltsvolumens unverändert günstig. Damit erreichen wir wieder unser Ziel, die Kirchensteuermittel möglichst vollständig direkt in die Seelsorge für die Menschen fließen zu lassen.

Mit dem Einbau des neuen Diözesanarchivs in die Stadtpfarrkirche St. Joseph in Augsburg starten wir in diesem Jahr ein außergewöhnliches Bauprojekt, über das in Kürze umfassend berichtet wird. Mit der heuer eingeplanten Baurate von € 3,0 Mio. werden wir diese dringend erforderliche Maßnahme nach Bereitstellungen der Vorjahre haushaltsmäßig im Wesentlichen abschließen können.

Der Diözesanhaushalt gewährleistet auch in diesem Jahr die Kontinuität, wie auch die Anpassung der Seelsorge an gewandelte Bedürfnisse in allen Bereichen kirchlichen Lebens unseres Bistums. Ein erkennbarer Akzent liegt wie gezeigt in der Sorge für die am meisten Bedürftigen, nämlich Menschen in besonderen Notlagen. Wir sind uns in unserem ökonomischen Handeln bewusst, dass die gegenwärtig günstige Einnahmesituation Spielräume erschließt, die auch genutzt werden. Sie sind aber nicht von Dauer: Vor allem die demographische Prognose, aber auch merkliche Austrittszahlen mahnen deutlich dazu, sich auf geringere finanzielle Ressourcen schon jetzt vorzubereiten. Dies betrifft insbesondere die Personalausgaben.

Wir danken wiederum allen Gläubigen, die entsprechend ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit mit ihrer Kirchensteuer, ihren Spenden und ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement weiterhin die dauerhafte Aufgabenerfüllung unserer Kirche solidarisch ermöglichen. Der ideelle und materielle Beitrag der Kirche mit ihren vielfältigen Diensten ist auf dem Hintergrund der schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen notwendiger denn je.

 

Augsburg, 15. März 2013