Kathedrale

Herz-Jesu- und Sakramentenaltar

Eines der jüngeren für den Dom geschaffenen Werke ist der am Ostende des äußeren südlichen Seitenschiffs gestaltete Herz-Jesu- und Sakramentsaltar von Reinhold Alexander und Linde Mötz-Grübl, 1996. Dem „Thron des Wortes“ im Ostchor sollte die Wohnung des „Erlösers im heiligsten Sakrament“ gegenübergestellt werden. Der gesamte Aufbau versinnbildlicht die endzeitliche Vollendung des Erlösungswerkes, die Johannes, der Seher auf Patmos, in apokalyptischen Bildern geschaut hat (Off 21,1-3):
„Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen“. Die roten Textilien bzw. Paramente stellen das Zelt Gottes unter den Menschen dar und künden vom Triumph der Auserwählten im Himmel (vgl. Off 7,14 ff); sie erinnern auch an den seit 1705 hier vorherrschenden Altartitel „Herz-Jesu“: die Liebe und Passion Christi sind im Geschenk der heiligen Eucharistie bestimmend. Der Tabernakel im Zentrum der Komposition mit der Alabastertüre und einer Elfenbeindarstellung des gekreuzigten Erlösers ist als das Lamm Gottes zu verstehen, dem Gott die Geschicke der Welt übergeben hat (vgl. Off 4 und 5 bzw. Off 2,17) und das die Zeichen seiner Hinrichtung trägt (vgl. Off 7,17).

Herz-Jesu- und Sakramentsaltar im südlichen Seitenschiff des Doms
Herz-Jesu- und Sakramentsaltar im südlichen Seitenschiff des Doms

Die vier stehenden Bronzeteile gehören zum Mysterium Gottes. Es handelt sich um nicht deutbare Visionen und Erscheinungen, transzendentale Inhalte vermittelnd - göttliche Kraftlinien. Die Bilder der alten russischen Ikone („Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern“, Off 22,16) und des Osterchristus bezeichnen Anfang und Ende, Menschwerdung und Ewiges Leben in Jesus Christus als Retter und Heiland. („Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“, Off 22,13). Der Altar selbst besteht aus der ehemaligen Stipeswand des spätgotischen Ostchoraltares (rückseitig datiert 1497) und weist auf die Verbindung von sakramentaler Feier der Kirche und zukünftigem Mahl im Himmelreich hin. Der Sakramentsaltar will den Betrachter einerseits beunruhigen, sich mit der Zukunft und Fülle des Lebens auseinanderzusetzen, andererseits zur Anbetung hinführen: „In Demut bete ich dich, verborgene Gottheit, an …“. Denn „am Ziel steht nichts Sichtbares mehr, sondern das selbst sehende Licht.“ (Nelly Sachs). „Seht, ich mache alles neu“ (Off 21,5).

Text von Msgr. Werner Schnell aus „Der Dom zu Augsburg“,
Kunstverlag Peda Passau, Sankt Ulrich Verlag Augsburg; 1997.
Alle Rechte vorbehalten.