- es gilt das gesprochene Wort
Liebe Schwestern und Brüder,
auf die Frage, warum denn am Palmsonntag keine Predigt gehalten wurde, antwortete ich der Vertreterin des Fernsehteams, dass an diesem ersten Tag der Heiligen Woche – wie eigentlich in der gesamten Heiligen Woche – die liturgischen Vollzüge, Riten und Handlungen mehr als sonst für sich selbst sprechen. Am ehesten hätte eine Homilie gehalten werden können nach dem Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem, draußen vor dem Portal des Domes, was in diesem Jahr schon wegen der eisigen Kälte als nicht geraten erschien.
Ob es denn einen Bezug der Palmsonntagsliturgie zu den gesellschaftlichen Entwicklungen auch im Zusammenhang mit dem Amtsantritt des neuen Papstes und seiner Bescheidenheit gebe, setzte die Journalistin nach. Darauf habe ich zunächst über unsere menschliche Begeisterungsfähigkeit gesprochen, die allzu rasch vom „Hosanna!“ in das „Kreuzige ihn!“ umschlagen kann, wenn die Entwicklung einer Person oder ihrer Veranlassungen nicht mehr unseren Vorstellungen entspricht. Dann aber habe ich hinzugefügt, was für die gesamte Feier unseres Glaubens und seine Bezeugung gilt: In jeder Predigt und Verkündigung muss es zuerst und vor allem darum gehen, die großen Taten Gottes zu verkünden, Gott zu loben und zu preisen. Erst danach und wenn es sich aus den Zusammenhang ergebe, sei es angebracht oder sogar notwendig, zu Personen oder deren Amtsführung Stellung zu nehmen und auch kritische, mahnende, ja vielleicht sogar warnende Töne anzuschlagen, wenn eine gesellschaftliche Entwicklung vonstatten geht, die sich mit unserem Glauben und der christlichen Moral nicht vereinbaren lässt, und der Ehre Gottes und dem Heil aller Menschen widerspricht.
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