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Mission und Entwicklung - Rundbrief 2/2001

Liebe Engagierte in der Eine-Welt-Arbeit, liebe Beauftragte im Sachausschuß MEF,

der Sommer steht vor der Tür und damit für die ein oder andere Gruppe die Teilnahme mit einem Stand mit "fair" gehandelten Waren an einem Pfarr- oder Gemeindefest. Andere gehen nach den abgeschlossenen Fastenzeit-Veranstaltungen an die Planungen für den Herbst. Gleich hier möchte ich schon hinweisen auf die "Faire Woche" vom 24. - 30.09.01, bei dem es um verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für den Fairen Handel geht (s.u.).

Zum ersten Mal werden in diesem Jahr und im kommenden Frühjahr die kaholischen Hilfswerke ein gemeinsames Grundthema für ihre Aktionen wählen.

Die Aktions-Themen der Werke orientiert sich an dem neuen Wort der deutschen Bischöfe "Gerechter Friede". Je Hilfswerk wird versucht einen eigenen Zugang zum Thema zu finden und für die Arbeit in den Pfarreien umzusetzen.

So lautet das Motto für die Aktion zum Weltmissonssonntag "Frieden lernen".

Im Namen der Mitarbeiter/innen unseres Referates wünsche ich Ihnen und Ihren "Mitstreiter/innen" in Ihrer MEF-/Eine-Welt-Gruppe, im Weltladen oder im Pfarrgemeinderat alles Gute, Durchhaltekraft und den Geist Gottes, den wir beim bevorstehenden Pfingstfest besonders für uns und unsere Mitwelt erbitten!

Ihr Anton Stegmair, Referent im Referat Weltkirche

SOLWODI e.V. stellt sich vor

Kennen Sie die Gruppe SOLWODI? Vielen ist vermutlich der Name Sr. Lea Ackermann ein Begriff. SOLWODI ist ihre Gründung und heißt: Solidarity wihr women in destress (Solidarität mit Frauen in Not). Was die Organisation beabsichtigt und tut, das stellt im folgenden Text Frau Soni Unterreithmeier von der neu gegründeten Augsburger Gruppe vor:

"Irina war unendlich erleichtert als sie erfuhr, daß ihre Bewerbung erfolgreich war. Eine junge Familie in München, so hieß es, suche ein gebildetes Aupair Mädchen mit Deutschkenntnissen zur Betreuung der 2 und 6jährigen Jungen. Irina lebte mit ihrem kleinen Sohn in einer russischen Kleinstadt. Durch die Geburt ihres Kindes hatte sie ihren Arbeitsplatz verloren, fand Aufnahme bei ihrer Mutter, doch keine Arbeit. Das Einkommen der Mutter als Lehrerin an einem Gymnasium, war jedoch so gering, daß es zu einem Auskommen für 3 Personen nicht reichte. Irina lieh sich von Freunden und Verwandten die hohe Summe von 2.000,00 DM, die die Agentur für Papiere, Visum und Fahrtkosten nach Deutschland verlangte. Hier angekommen erlebte sie, daß aus ihrem Traum ein Albtraum wurde. Ihr Arbeitsplatz war ein Bordell!

Die Wege, auf denen Kinder, junge Mädchen und Frauen nach Deutschland gelangen, sind verschieden. Illegale Jobanwerbung und kriminelle Heiratsvermittlung als "klassische" Methoden werden heute immer öfter durch Raub auf offener Straße ersetzt. Zwischen 1.000,00 und 10.000,00 DM kostet die Ware Kind/Mädchen/Frau - ein erträgliches Geschäft, bedenkt man die zu erwartende Summe von jährlich über 100.000,00 DM, die von einer gefügigen Hure erwirtschaftet wird. Und gefügig werden die Opfer gemacht. Die Methoden reichen von Schlägen, Hungern, einsperren in einen Kühl-schrank bis Dauervergewaltigungen und ähnlichem. Ein Entkommen ist kaum möglich. Das Entdeckungsrisiko für die Täter ist gering, die Verurteilungswahrscheinlichkeit ebenso, da die Opfer (durch unsere Gesetzgebung kriminalisiert, weil illegal in Deutschland) nach einem Aufgreifen meist schnell abgeschoben werden. Somit stehen sie im Prozeß als Zeugin nicht zur Verfügung. Das Bundeskriminalamt schätzt, daß die Gewinne mit Menschenhandel inzwischen genauso hoch anzusetzen sind wie die im Drogenhandel.

Manchmal hat so eine verängstigte, traumatisierte Frau Glück, wenn sie, meist bei einer Razzia durch die Polizei, aufgegriffen wird. In einigen Bundesländern arbeitet die Polizei mit SOLWODI zusammen. SOLWODI (solitärity with women in distress - Solidarität mit Frauen in Not) bietet Frauen, die auf kriminellen Wegen hier her kamen oder/und durch deutsche Männer Gewalt und Unrecht erfuhren Zuflucht und Hilfe. Die Organisation unterhält Beratungsstellen und Unterbringungsmöglichkeiten, schützt, begleitet und berät die jungen Opfer. Ziele sind einerseits, die Frauen so weit zu stabilisieren und zu stützen, daß sie als Zeuginnen vor Gericht aussagen können und andererseits, eine Lebensperspektive zu erarbeiten. Die individuelle Hilfe könnte darin bestehen, daß ihr Aus- und Fortbildungen ermöglicht werden, oder daß sie im sog. Rückkehrerinnenprojekt Unterstützung in ihrem Heimatland erfährt. Es gilt eine Basis zu schaffen, die ein wirtschaftlich gesichertes Leben ermöglicht.

Irina hatte dieses Glück. Sie konnte, bedingt durch ihre Deutschkenntnisse, entkommen. Da die Täterbande sie jedoch nochmals aufspürte, zusammenschlug und drohte, ihrem Sohn etwas anzutun, wollte sie so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückkehren. Durch großzügige SpenderInnen erhielt sie die Summe, die sie zur Rückzahlung ihrer Schulden benötigte. SOLWODI finanzierte die Rückreise und einen Computerkurs, den sie mit viel Interesse besucht. Ihre Chan-cen auf dem Arbeitsmarkt sind groß und damit ihre Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft. Viel Glück, Irina!

Inzwischen gibt es einen Arbeitskreis SOLWODI in Augsburg. Wir freuen uns über jede Form von Interesse und Unterstützung.

Falls Sie an einer Veranstaltung interessiert sind, informiere ich zum Thema:
Menschenhandel in Deutschland - die moderne Form der Sklaverei. Hintergründe, Auswirkungen, Möglichkeiten. Kontakttelefon: (08 21) 15 20 36."

Soni Unterreithmeier

Die Vorstellung der Arbeit von "Solwodi" wäre sicherlich ein guter Beitrag für unsere weltkirchliche Bildungsarbeit in den Pfarreien oder auch Weltläden.

Wie gehts weiter mit der Kampagne "Erlassjahr 2000"?

Die Kampagne "Erlassjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung" wurde bei der letzten Mitgliederversammlung Mitte Mai in augelöst und dafür das "Bündnis Entwicklung braucht Entschuldung" errichtet.

Drei Thematiken werden mit dem neuen Bündnis vor allem verfolgt:

  • Die Entschuldung der HIPCs ist nicht tragfähig und muß ausgebaut werden.
  • Weitere Länder außerhalb der sog. HIPCs brauchen dringend Zugang zur Entschuludungsmöglichkeiten (z.B. Ecuador).
  • Die Einführung eines "fairen und transparenten Schiedsverfahrens" wird gefordert (ehemals: Internationales Insolvenzverfahren").

In dem neuen Bündnis soll weiter über Publikationen und über das Internet über das Thema informiert und bei den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft Lobbyarbeit betrieben werden.

Um das neue Bündnis auch handlungsfähig zu machen bzw. zu erhalten, sind Gruppen oder Pfarreien ge-sucht, die sich - zunächst für 3 Jahre - an der Finanzierung beteiligen möchten. Die Arbeit des Bündnisses wird von 3 Mitarbeiter/innen koordiniert und begleitet. Zunächst bleibt das Büro bei "Südwind" in Siegburg, wird aber demnächst einen neuen Standort finden. Infos bei: Bündnis "Entwicklung braucht Entschuldung", Tel. 02241 / 591226.

Auf nach Genua!!

Der bisherige Arbeitskreis "Erlaßjahr-Kampagne 2000" in Bayern veranstaltet mit dem neuen Bündnis "Entwicklung braucht Entschuldung" eine Busfahrt nach Genua, wo der nächste G-7-Gipfel (20. - 22.07.01) stattfinden wird. Bei der in Genua stattfindenden Demonstration soll neben verschiedenen anderen Initiativen auch das Anliegen des Schuldenerlasses für die ärmsten Länder der Welt wieder "sichtbar" werden.

"Hermes-Bürgschaften"

Zu einer Protestaktion zur Hermes-Reform rufen weed und urgewald auf. Sog. Hermesbürgschaften sind Exportförderungen für deutsche Unternehmen. Diese Unternehmen lassen sich dabei ihre Exporte über die Versicherung "Hermes", jedoch letztendlich mit deutschen Steuergeldern absichern. Eine Reform der Außenwirtschaftförderung nach ökologischen, sozialen und entwicklungspolitischen Gesichtspunkten wurden zwar in den Koalitionsvereinbarungen der Regierung festgeschrieben, doch verläuft diese Reform noch sehr schleppend.

Einen Textvorschlag für einen Brief an den Herrn Bundeskanzler können Sie hier herunterladen. Sie können auch ein persönliches Schreiben an ihn richten, in dem sie sich z.B. als Steuerzahler grundsätzlich mehr Transparenz bei der Vergabe von Hermesbürgschaften, für verbindliche, einfach zu handhabende Umwelt- und Sozialstandards z.B. durch Übernahme der Weltbankstandards aussprechen. Als Beispiele können Sie z.B. ökonomisch unsinnige verbürgte Großprojekte wie die Atomkraftwerke Angra dos Reis 2 und 3 in Brasliien, den Flughafen in Yaoundé in Kamerun oder verbürgte Rüstungsexporte nach Indonesien oder die Türkei aussprechen. Betonen Sie dabei, dass der vom Bundeswirtschaftsministerium bisher vorgelegte "Umweltleitfaden" völlig unzureichend ist.

Anschrift: Bundeskanzleramt, Willy-Brandt Str. 1, 10557 Berlin,
E-Mail: bundeskanzler@bundeskanzler.de.
Infos zu Hermes: www.weedbonn.org und www.urgewald.de

Faire Woche im September 2001

Eine bundesweite Aktionswoche zum Fairen Handel planen verschiedene Träger des Fairen Handels vom 24. - 30.09.2001. Alle Pfarreien, Gruppen und natürlich die Weltläden sind aufgerufen, sich mit eigenen, möglichst originellen Aktionen an dieser Woche zu beteiligen. Es wäre schön, wenn sich die ein oder andere Gruppe oder Pfarrei neu entschließen könnte, den Fairen Handel in ihrem Umfeld aktiv zu unterstützen.

Mit dieser gemeinsamen Aktion soll das öffentliche Bewußtsein über den Fairen Handel gestärkt und der Handel selbst gefördert werden. Infos dazu bei: Bayerische Dritte Welt Handel, Alte Kreisstr. 29, 85778 Haimhausen-Amperpettenbach, Tel. 08133 / 14 82, Fax: 67 44.

Werbeprospekte und Infos über die Faire Woche mit praktischen Tips, Materialien zum Herunterladen und einen Veranstaltungskalender sind zu finden bei: TransFair e.V: Fax: 0221 / 94 20 40 40
oder : E-Mail: info@fairewoche.de  Infos: www.fairewoche.de

Literatur

Neue Broschüre zum Schuldenerlass
Eine neue Broschüre mit dem Titel "Die Armutsbekämpfung durch die Gläubiger - Erfahrungsberichte aus 11 Ländern" ist bei Südwind e.V. erschienen. Sie berichtet über die finanziellen aber auch sozialen Auswirkun-gen des bisherigen Schuldenerlasses auf 11 Beispielländer. Die Broschüre kann gegen Rechnung bestellt werden bei: Südwind e.V. Sindestr. 58 - 60, 53721 Siegburg, Fax: 02241 / 51308, e-mail: suedwind.institut@t-onlinde.de

Literaturkartei "Pedro"
Eine Literturkarei zum Jugednbuch von Usula Haler "Pedro und die Bettler von Cartagena" ist bei Misereor (MVG Aachen) erschienen. 65 kopierfähige Arbeitskarten und 16 Informatoinsblätter mit Erzähl- und Sachtexten, Karten, Graphiken und Abbildungen regen einen offfenen und handlungsorientierten Unterricht in den Klassen 5 - 7 an.
Bestellen bei: MVG, Postfach 14 50, 52015 Aachen, Best.Nr. 529899
Das Jugendbuch dazu ist unter der Best-Nr. 4 454 99 ebenfalls bei der MVG zu beziehen.

Neues von der Aktion Hoffnung

Folgender Brief ging am 24.04.01 an alle Pfarreien in der Diözese Augsburg. Zu Ihrer Information hier nochmals der Inhalt des Briefes:

Sehr geehrter Herr Pfarrer,

die Diözese Augsburg führt nun schon seit 15 Jahren unter dem Slogan "aktion hoffnung - Hilfe für die Mission" Kleidersammlungen durch. Die in der Satzung verankerten Ziele konnten im hohen Maß in den verschiedenen Aufgabenfeldern der aktion hoffnung erreicht werden. Nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz Ihrer Pfarrgemeinde war die aktion hoffnung in all den Jahren erfolgreich.

Durch das vorbildliche Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer(innen) bei den Straßensammlungen und in der Mitar-beit bei der Sortierung in Ettringen werden jährlich etwa 30.000 ehrenamtliche Stunden geleistet. So war es durch diese Mitarbeit und den Einsatz der Angestellten möglich in den Jahren 1997-2000 insgesamt ca. 1900 to Hilfsgüter in 203 Transporten zu verschicken. Aus Spenden und weiteren Erlösen wurden für Transporte und zusätzliche Projektunterstützung in aller Welt über 1 Mio. DM aufgebracht. Durch die verschiedenen Veranstaltungen im Eine-Welt-Zentrum in Ettringen und auf Diözesanebene gelang es zusätzlich, das Bewusstsein für die Anliegen der sog. III. Welt bzw. Mittel- und Osteuropas zu stärken.

Derzeit versuchen verschiedene Organisationen über kirchliche Strukturen ihre Kleidererfassung auszubauen. Dies könnte zu einer massiven Einschränkung der Aktivitäten der aktion hoffnung führen. Nach einer schwierigen Marktsituation in den letzten zwei Jahren sind vor allem gewerbliche Firmen an diesem Markt interessiert.

Wir bitten Sie um ihre weitere Solidarität mit der aktion hoffnung gGmbH.

Deswegen möchte ich Sie ermutigen die aktion hoffnung nach Ihren Möglichkeiten zu unter-stützen. Sollten Sie noch keine Kleidersammlung durchgeführt bzw. keinen Kleiderbehälter in Ihrer Pfarrei aufgestellt haben wenden Sie sich bitte an Herrn Peter Förg, Geschäftsführer der aktion hoffnung. Für nähere Informationen steht er Ihnen mit seinem Team gerne zur Verfügung (Tel. 0821/3166-442).

Für Ihre aktive Beteiligung vielen Dank im voraus.
Domdekan Prälat Dr. Eugen Kleindienst, Kommissarischer Leiter des Referates Weltkirche,
Peter Förg, Geschäftsführer der aktion hoffnung

Projektpartnerschafts-Treffen in Ettringen

Ein guter Erfolg war das erste Projektpartnerschafts-Treffen am 17.03.2001 in Ettringen. Über 70 Eine-Welt-Engagierte aus Pfarreien, Eine-Welt-Gruppen und Weltläden waren in den Eine-Welt-Saal der aktion hoffnung gekommen, um mit den Referenten des Referates Weltkirche und drei Vertreter/innen von Hilfswerken über Projektarbeit ins Gespräch zu kommen. Misereor, Renovabis und Missio München gaben einen Einblick in die Schwerpunkte ihrer Projektarbeit.