Mission und Entwicklung - Rundbrief 3/2000
Liebe Engagierte in der Eine-Welt-Arbeit, liebe Beauftragte im
Sachausschuß MEF,
es tut sich etwas im Bereich unseres letzten Leitartikels, der etwas
zum Thema "ethische Geldanlagen" vorgestellt hatte. Wie in der Ausgabe vom
9.9.2000 der SonntagsZeitung zu lesen war, hat z.B. auch die (kirchliche)
Liga-Bank im Juni 2000 einen Fonds nach ethischen Kriterien aufgelegt, der
bereits mit über 38 Mio. DM platziert ist. Schon im Voraus sei hier
angedeutet, dass sich die Misereor-Fastenaktion 2001 u.a. auch mit dem
Thema "ethische Geldanlagen" beschäftigen wird.
Es tut sich auch etwas im Referat Weltkirche. Zwei freudige Ereignisse
darf ich Ihnen mitteilen. Cornelia Motzet, unsere langjährige Sekretärin,
hat Anfang Juni eine kleine Tochter namens Katharina bekommen. Und neu
bekommen werden wir - allerdings erst nach den Sommerferien 2001 - einen
Nachfolger für die bisher nicht besetzte Referatsleiterstelle.
Msgr. Dr. Bertram Meier wurde von unserem Herrn Bischof mit Wirkung vom
01.08.2000 zum Domkapitular und zugleich zum Leiter des Referates
Weltkirche ernannt. Dazu wird er auch die Referate Ökumene und Orden sowie
die Zuständigkeit für das Priesterseminar übernehmen.
Am 01.10. wird Msgr. Dr. Meier im Augsburger Dom offiziell für das
Domkapitel "aufgeschworen". Da noch nicht allgemein bekannt ist, wie die
Auseinandersetzung mit "Frontal" weitergegangen ist bzw. -geht, wird
diesmal anstelle eines Leitartikels eine aktuelle Information dazu zu
finden sein.
Alles Gute und viel Erfolg, das wünsche ich Ihnen im Namen unseres
Referates für Ihre Arbeit in der Pfarrgemeinde, im Weltladen und/oder in
Ihrer Aktionsgruppe!
Ihr Anton Stegmair
Aktuelle Lage zu Transfair
Die Frontal-Sendung vom 16. Mai 2000 hat hohe Wellen im
Fair-Handels-Bereich geschlagen. Wie schwierig es ist, schlechte bzw.
schlecht recherchierte Fernsehberichte öffentlich zu kritisieren oder
richtigstellen zu wollen, hat Transfair erfahren müssen. Der aktuelle
Stand ist folgender:
"Am 12. Juli 2000 hat das Landgericht Köln über einen
Unterlassungsantrag von TransFair gegenüber dem ZDF aus Anlass der
Frontal-Sendung "Unfaire Geschäfte" am 16. Mai 2000 entschieden und einen
zentralen Kritikpunkt von TransFair und gepa an dem Beitrag bestätigt. Mit
dem am 12. Juli verkündeten Urteil werden dem ZDF und dem Autor des
Beitrags per einstweiliger Verfügung untersagt, zu behaupten, TransFair
kassiere für jeden Sack Kakao etwa 100,-- DM an Lizenzgebühren, gebe den
Bauern davon aber nur 0,10 DM ab, und selbst diesen Betrag habe kein Bauer
gegenüber Frontal bestätigt.
Wir begrüßen diese Entscheidung, weil u. a. diese Darstellung das Fazit
des Frontal-Beitrags stützen sollte: "Von dem vielen Geld des fairen
Handels kommt beim Bauern so gut wie nichts an, (...). Somit ist die
Grundaussage des fragwürdigen ZDF-Beitrags erschüttert. Das Gericht selbst
hat diesen Punkt als zentral bewertet. Die anderen Punkte des
Unterlassungsverfahrens wurden u. a. mit der Begründung abgelehnt, sie
seien als Meinungsäußerungen u. ä. medienrechtlich nicht anzufechten. Für
die genauere Analyse und die weitere Vorgehensweise muss die Zustellung
der Urteilsbegründung abgewartet werden. ...
(Wegen des hohen Schutzes der Meinungsfreiheit sind im Presserecht
grundsätzlich nur (falsche) Tatsachenbehauptungen angreifbar. Nicht
dagegen Wertungen oder Meinungen. Ein Bericht ist insgesamt daher - und
sei er noch so polemisch - praktisch nie anfechtbar, nur in konkreten
einzelnen Behauptungen. Im Einzelfall jedoch sind sich auch die Experten
nicht einig, was Tatsache oder was Meinung ist. Dies erschwert natürlich
die Rechtsverfolgung.) ...
Weiteres Vorgehen: Neben der juristischen Ebene sind
folgende Aktivitäten geplant: Wie angekündigt wird der Grundsatzreferent
der gepa im September nach Ghana zur Genossenschaft Kuapa Kokoo reisen.
Ebenfalls im September wird Norbert Blüm zusammen mit TransFair und
evtl. einem Kamerateam Kuapa Kokoo besuchen, um sich vor Ort einen
Eindruck zu verschaffen. Die Koordination für das Kakaoregister der
internationalen Kontrollebene FLO (Fairtrade Labelling Organizations
International) hat außerdem an der jährlichen Vollversammlung der
Genossenschaft am 11./12. Juli teilgenommen."
Auszug aus der Transfair-Homepage (http://www.transfair.org) vom
08.09.2000.
Neue Studie zum Fairen Handel Eine Studie, die von
Misereor, Brot für die Welt und der Friedrich-Ebert-Stiftung im August
2000 herausgegeben wurde, geht der Frage nach, welche
entwicklungspolitischen Wirkungen der Faire Handel hat. Die 320 Seiten
starke Studie kann bei Misereor bestellt werden: MVG, Postfach 14 50,
52015 Aachen, Tel. (01 80) 5 20 02 10, Fax: (02 41) 4 79 86 45
Erlassjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung
Der 2000-ste Mitträger hat sich kürzlich für die Kampagne "Erlassjahr
2000" eingeschrieben.
Leider hat sich in Köln nicht viel getan. Bisher wurde nur fünf Ländern
eine Entlastung zugesagt. Sie haben den sog. "Decision Point" erreicht:
Bolivien, Mosambik, Mauretanien, Uganda und Tansania. Ein einziges Land,
nämlich Uganda, hat tatsächlich eine Schuldenstreichung erhalten. Die
bisher zugesagte Entlastung beläuft sich auf 12,6 Mrd. US-$.
Ein wichtiger Punkt in der weiteren Arbeit wird sein, das Thema
"Armutsbekämpfung" durch Schuldenerlassmaßnahmen in der politischen
Diskussion zu verstärken. Die Entschuldung darf sich nicht nur auf 40
Länder beschränken, sondern muss noch weitere hochverschuldete Länder mit
aufnehmen, wie z.B. Ecuador und Peru.
Vor allem die internationalen Finanzinstitutionen wie Weltbank und IWF
sind dahingehend weiter anzufragen. Letztendlich wird es ohne ein neues,
transparentes Verfahren für die Verhandlungen über einen Schuldenerlass
("internationales Insol-venzverfahren") zu keiner wesentlichen Veränderung
der allgemeinen Verschuldungsmisere geben.
Faire Regeln in der Spielzeugproduktion
Das Hilfswerk Misereor, die kath. Frauengemeinschaft Deutschland und
die Bundesarbeitsgemeinschaft kath. Familienbildungsstätten rufen zu einer
Kampagne auf, die von den Spielzeugproduzenten und -händlern in
Deutschland - und ihren Zulieferern - die Einhaltung von fairen Regeln
fordert. Gerade vor dem anstehenden Weihnachts-Einkaufsgeschäft, könnte
eine solche Aktion auf die Situation von tausenden von Kindern und Frauen
in diesem harten Arbeitsfeld aufmerksam machen. Infos und Info-Blätter zur
Kampagne erhältlich bei: Misereor, Mozartstr. 9, 52064 Aachen, Tel. (02
41) 4 42 - 5 99, Fax: - 5 05, eMail: nilles@misereor.de
RUGMARK - ein Siegel gegen Kinderarbeit
Als ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen die Kinderarbeit in der
Teppichpro-duktion in Indien und Nepal hat sich das sog. RUGMARK-Siegel
für Teppiche entwickelt. Mehr als 1,5 Mio. Teppiche mit diesem
Erkennungszeichen wurden bisher verkauft. Der weitere Erfolg von RUGMARK
ist vor allem vom Verhalten der Konsumenten und des Handels abhängig.
Wichtig ist es daher, die Nachfrage von RUGMARK-Teppichen zu erhöhen.
Haben Sie eine Möglichkeit dazu?
Eine neue Literaturliste zum Thema Kinderarbeit/Straßenkinder gibt es
bei: Deutsche Stiftung für intern. Entwicklung (DSE), Hans-Böcklerstr. 5,
53225 Bonn. Infos zu RUGMARK bei Transfair e.V., Remigiusstr. 21, 50937
Köln, Tel. (02 21) 94 20 40 - 0, Fax: 94 20 40 - 40 oder auf der Homepage:
www.rugmark.de
Kurz notiert
In seiner Predigt zur Misereor-Diözesaneröffnung in Weißenhorn
(19.03.2000) hat Bischof Viktor Josef Dammertz alle Pfarreien und die
MEF-MitarbeiterInnen bestärkt, nicht in ihrem Mühen für eine gerechtere
Welt nachzulassen bzw. sich noch intensiver damit auseinanderzusetzen. Ein
paar Zeilen aus seiner Predigt: "... Manche haben dem Papst vorgehalten,
sein Schuldbekenntnis bleibe ohne konkrete Folgen. ... Wir haben es sehr
wohl in der Hand, ob das Eingeständnis unserer Mitschuld auch zu ganz
konkreten Taten führt. Ja, wir können wirklich ab heute anders handeln -
wenn wir uns z.B. gut informieren; wenn wir fair gehandelte Produkte
kaufen, wo immer es möglich ist; wenn wir unseren Bedarf an Luxusgütern
einschränken; wenn wir uns mit engagieren für eine kontrollierte
Entschuldung der ärmsten Länder dieser Erde, wie sie auch der Papst gerade
in diesem Heiligen Jahr immer wieder fordert. Aber - so mag mancher
fragen: Was bewirke ich den schon? Misereor ruft uns in diesem Jahr ins
Gedächtnis: nicht nur anders handeln, sondern gemeinsam anders handeln!
Haben wir überhaupt schon die Kraft entdeckt, die wir als Gemeinschaft der
Kirche da in uns tragen? Und haben wir diese Kraft schon zur Wirkung
kommen lassen? Stellen wir uns vor, alle Gemeinden in unserem Land - oder
auch nur alle Pfarreien im Bistum Augsburg - würden sich in diesem Jahr
bereit erklären, in der Fastenzeit eine Maßnahme für mehr Gerechtigkeit in
der Welt zu beginnen, indem sie zum Beispiel ein Partnerschaftsprojekt in
einem Land des Südens finanziell untersützen oder sich an der Lokalen
Agenda 21 zur nachhaltigen Verbesserung der Umwelt- und
Entwicklungsbedingungen auf dieser Erde beteiligen! Sollte das ohne
Wirkung bleiben?... " Ermutigende Worte! Ist das nicht eine wichtige
Bestärkung und auch Bestätigung für unsere Arbeit vor Ort?!
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