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Erläuterungen zum Haushalt der Diözese Augsburg für das Jahr 2010 

von Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer

 

Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer
Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer
Der Haushalt der Diözese Augsburg umfasst heuer ein Volumen von € 278,3 Mio. und ist erneut in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, ohne dass Rücklagen in Anspruch genommen werden müssen. Dieser Befund mag angesichts der allgemein ungünstigen Einschätzungen der Entwicklung der kirchlichen Finanzen in Deutschland zunächst überraschen. "Business as usual" in der Diözese Augsburg? Gewiss nicht. Die strukturelle Lage des Diözesanhaushalts profitiert lediglich kurzfristig von einem unerwarteten konjunkturellen "Zwischenhoch" der Vorjahre, das in 2009 noch einmal einen Zuwachs des Kirchensteueraufkommens um 2,4 % bewirkt hat. Dieser Trend wird sich jedoch nicht fortsetzen. Im Gegenteil erwarten wir bereits für das laufende Jahr einen scharfen Einbruch der Steuereinnahmen und müssen uns – ähnlich wie andere, auch bayerische Diözesen – auf einen Rückgang um 10 % einstellen.

 

Zu den Gründen:

 

1. Konjunktur

Die anhaltende Krise auf den Finanzmärkten hat mittlerweile auch die Realwirtschaft erfasst. Wenngleich unsere bayerisch-schwäbische Region aufgrund der mittelständischen und auch von Familienunternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur sich bisher vergleichsweise gut behaupten konnte, sind die Konjunkturprognosen mehr als gedämpft. Viele Unternehmen konnten eine verschlechterte Auftragslage bislang noch über das Instrument der Kurzarbeit abfangen. Jetzt steigen jedoch bereits die Arbeitslosenzahlen.

2. Steuerlicher Nachlaufeffekt

Das in 2009 vergleichsweise starke Aufkommen an Kircheneinkommensteuer war auf die Veranlagung der konjunkturell guten Jahre 2007 und 2008 zurückzuführen. Dieser Effekt kehrt sich heuer ins Gegenteil, da nunmehr konjunkturell ungünstige Vorjahre zur Veranlagung kommen.

3. Änderungen im Steuerrecht

Zum 01.01.2010 ist im Rahmen des sog. "Bürgerentlastungsgesetzes" und des sog. "Wachstumsbeschleunigungsgesetzes" eine Reihe steuerlicher Entlastungen, vor allem im Bereich familienbezogener und unternehmenssteuerlicher Tatbestände in Kraft getreten. Dies ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, hat jedoch naturgemäß entsprechende fiskalische Folgen.

4. Sonderthema: Zinsabgeltungsteuer

Bei aller formalen Berücksichtigung der verfassungsmäßig garantierten Interessen der Kirche ist nach einem Jahr Praxis festzustellen: Die Kirchen sind Verlierer dieser steuerlichen Modifikation. Wenn, wie 2009 zu verzeichnen, die Kirchensteuer auf Vermögenserträge um 90 % eingebrochen ist, wird klar, dass die Zinsabgeltungsteuer insoweit faktisch zu einer Aushöhlung des Kirchensteueraufkommens führt. Dabei sichert eine ordnungsgemäße Angabe und Erfassung von Kapitalerträgen, sei es bei der jeweiligen Bank oder im Rahmen der Einkommensteuererklärung, dem einzelnen Steuerzahler auch hinsichtlich seiner Kirchensteuerschuld die individuellen Vorteile dieser Neuregelung uneingeschränkt.

5. Katholikenzahl

Die Kirche von Augsburg hat im Jahr 2009 im Sakrament der Taufe ca. 11.000 Mitglieder in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Dies ist erneut ein starkes Zeichen für die Lebendigkeit des katholischen Glaubens in unserem Bistum. Freilich muss uns auch die Zahl derer beschäftigen, die unsere Gemeinschaft verlassen. Jeder Kirchenaustritt, sei er auch vordergründig finanziell motiviert, bedeutet einen Abbruch und Abschied, der dem einzelnen vielleicht erst später in seiner persönlichen und familiären Tragweite bewusst wird. Taufe, Erstkommunion, Firmung, kirchliche Eheschließung, der Besuch eines kirchlichen Kindergartens oder einer kirchlichen Schule sind und bleiben stärkende und bereichernde Erfahrungen in einer kälter und beliebiger werdenden Gesellschaft. Wenn ferner unsere Pfarrer und auch unser Bischof Jahr für Jahr persönlich teilnehmen an tausenden von Ehejubiläen, wenn in unseren Alten- und Behinderteneinrichtungen regelmäßig viele tausende Menschen nicht nur Pflege, sondern auch seelische Obhut erfahren, und wenn Hinterbliebene von jährlich ca. 14.000 Verstorbenen den über das Irdische hinausführenden Trost und Beistand der Kirche erleben: Ist der Verlust solcher wertvoller Erfahrungen in der persönlichen Bilanz, die ein Austritt ziehen will, wirklich bedacht?

 

Das Spektrum der seelsorglichen Leistungen in der Diözese Augsburg ist unverändert breit. Auch in diesem Jahr kann das pastorale Wirken in den über 1.000 Pfarreien von Feuchtwangen bis hinab nach Lindau, und von Starnberg bis hinüber nach Neu-Ulm personell wie finanziell gewährleistet werden. Freilich müssen wir über den Tag hinaus denken. Infolge des zunehmenden Priestermangels umfassen unsere Seelsorgeeinheiten eine immer größer werdende Zahl von Pfarreien. Diese Tendenz wird sich absehbar nicht umkehren. Es sind aber Grenzen der Belastbarkeit der Pfarrer zu berücksichtigen. Insbesondere im Bereich der Verwaltung erproben wir daher neue Formen der Kooperation, die Synergien erschließen sollen. So haben wir im Dekanat Füssen wesentliche Verwaltungsfunktionen im Personalwesen, in der Rechnungsführung und bei der Trägerschaft von Kindertagesstätten zentralisiert und in einer Dekanatsgeschäftsstelle zusammengefasst. Ähnliches ist im Dekanat Kempten geplant. Andere Dekanate und regionale Einheiten können folgen. Wir sind dankbar für die Bereitschaft von Pfarrern, Kirchenpflegern und Kirchenverwaltungen, sich in diesem Bereich auf neue Wege einzulassen. Sie weiten den Blick über den jeweils eigenen Kirchturm hinaus, ohne diesen als Bezugspunkt ihrer Identität zu verlieren. Freilich erfordern solche bislang ungewohnten Prozesse eine eigene Kommunikations- und Begleitkultur, die gestärkt werden muss.

 

Kirchlicher Dienst ist personaler Dienst. Daher entfallen auf Personalausgaben auch in diesem Jahr wieder € 175 Mio. Die Personalkostenquote beträgt 63,5 %.

 

Im Einzelnen verteilen sich die Stellen wie folgt:

 

 

 

 

 

HH 2010

 

 

HH2009

 

 

Ortskirchliche Stellen

 

 

4.734,0

 

 

4.578,4

 

 

Diözesane Stellen

 

 

1.259,6

 

 

1.248,8

 

 

Summe

 

 

5.993,6

 

 

5.827,2

 

 

Summe ohne Kindertagesstätten

 

 

3.162,3

 

 

3.147,8

 

 

 

Den laufenden Instandhaltungsetat können wir bei € 32,0 Mio. belassen. Der umfangreiche Bestand an hochwertigen Sakral- und sonstigen kirchlichen Gebäuden prägt erfreulicherweise das Gesicht unserer bayerisch-schwäbischen Landschaft. Dies ist nicht nur ein kultureller Aspekt, sondern sichtbarer Ausdruck einer verwurzelten Religiosität. Damit sind jedoch enorme Finanzlasten verbunden. Die Frage, wie und in welchem Ausmaß Diözese, Pfarreien und Ordensgemeinschaften, wenn auch mit kräftigen öffentlichen Zuschüssen, dies auch in Zukunft leisten können, beschäftigt uns zunehmend. Wir entwickeln in Abhängigkeit von den Vorgaben der künftigen Seelsorgestruktur angemessene Instandhaltungs- und Zuschusskriterien.

Erwähnenswert ist die hohe Zahl an (Ersatz-)Neubauten von Kindertagesstätten (insbesondere Kinderkrippen). Die Zusammenarbeit mit den Kommunen bewährt sich auf diesem Feld nach wie vor und setzt uns auch finanziell in die Lage, in diesem wichtigen gesellschaftlichen und familienbezogenen Bereich präsent zu bleiben. Beispiele für Baumaßnahmen sind: Heimertingen "St. Martin", Lkr. Unterallgäu (€ 0,2 Mio.), Höchstädt "Mariä Himmelfahrt", Lkr. Dillingen (€ 0,2 Mio.), Lindau-Aeschach "St. Ludwig" (€ 0,2 Mio.) und Peißenberg "St. Joh. Bapt.", Lkr. Weilheim-Schongau (€ 0,25 Mio.). Insgesamt investieren wir in den Bau und Betrieb unserer 437 Kindertagesstätten mit ca. 30.000 Plätzen in diesem Jahr über € 5,2 Mio.

Schule, Bildung und Kultur  sind zukunftsweisende Bausteine kirchlichen Wirkens. Heuer investieren wir in diesem Bereich € 40,7 Mio. Einen Schwerpunkt stellen Turnhallenneubauten in Mindelheim, Dillingen und Donauwörth dar. Für die rd. 21.200 Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr die 38 Schulen unseres diözesanen Schulwerks besuchen, erschließen wir die neuen pädagogischen Möglichkeiten der Ganztagsschule und der damit verbundenen notwendigen Betreuung. So werden am Maria-Ward-Gymnasium in Augsburg für den Neubau einer Mensa und eines eigenen Betreuungsbereichs € 1,0 Mio. vorgesehen.

Für sozial-karitative Einrichtungen , insbesondere den Diözesancaritasverband, die Kath. Jugendfürsorge, den Sozialdienst Kath. Frauen und den Sozialdienst Kath. Männer sind direkte Zuweisungen in Höhe von € 18,9 Mio. vorgesehen. Die laufenden Zuschüsse können dabei sogar um die Tarifsteigerungen erhöht werden. Einmalige Investitionsmittel erhält der Stadt-Caritasverband Augsburg (T€ 300), und zwar für die Verlagerung seiner Geschäftsstelle und den Neubau eines Stadtcaritaszentrums mit konkreten Hilfsangeboten für Bedürftige, wie etwa einer Kleiderkammer. Für ähnliche Zwecke erhält der Kreiscaritasverband Aichach-Friedberg einen Investitionszuschuss in Höhe von T€ 75. Für die Finanzierung der Arbeit der katholischen Schwangerenberatungsstellen  wenden wir € 1,3 Mio. auf. Seit 2007 erhalten diese wieder eine staatliche Förderung ihrer wertvollen Dienste. Sie liegt jedoch immer noch deutlich unterhalb der Förderung der Einrichtungen anderer Träger und deckt nur einen geringen Teil der tatsächlichen Kosten. Eine Erhöhung der staatlichen Leistungen ist unverändert unser Ziel.

Die Solidarität der katholischen Kirche in Deutschland gilt selbstverständlich den bedürftigen Ortskirchen in aller Welt , insbesondere in den Entwicklungsländern und in Südosteuropa. Auch aus diesem Haushalt wird wieder eine Vielzahl von Infrastruktur-, karitativen und kirchlichen Projekten in den betreffenden Ländern finanziell gefördert. Aus Kirchensteuermitteln werden über den Verband der Diözesen Deutschlands und über unser Referat Weltkirche € 4,4 Mio. für kirchliche Hilfs- und Entwicklungsprojekte in aller Welt gegeben. Hinzu kommt das Spendenaufkommen bei den Aktionen Adveniat, Misereor und Renovabis. Die erfreuliche Entwicklung unserer diözesanen Stiftung "Eine Welt" wird zu einer Stabilisierung des weltkirchlichen Engagements unserer Diözese auch in finanziell schwierigen Zeiten beitragen können.

Zur Finanzierung gemeinsamer kirchlicher Einrichtungen  auf Bundesebene leisten wir einen Betrag in Höhe von € 6,3 Mio. Die Diözesen in den neuen Bundesländern unterstützen wir mit € 3,8 Mio. Darüber hinaus beteiligt sich die Diözese Augsburg mit € 5,5 Mio. an der Finanzierung gemeinsamer bayerischer Einrichtungen wie der Katholischen Universität Eichstätt, der Katholischen Akademie in Bayern, anderer Bildungseinrichtungen und der Landesstellen katholischer Verbände. Insgesamt fließen € 18,5 Mio. oder 6,6 % unseres Haushalts in über- oder außerdiözesane Aufgaben.

Der Anteil der diözesanen Sachkosten  (ohne Bau) ist mit lediglich 5,7 % des Haushaltsvolumens unverändert günstig. Damit erreichen wir wieder unser Ziel, die Kirchensteuermittel möglichst vollständig direkt in die Seelsorge für die Menschen fließen zu lassen.

Wie eingangs ausgeführt, können künftig auch in unserer Diözese angesichts der sehr ungünstigen Prognose für die Einnahmen die Haushaltsstrukturen nicht einfach fortgeschrieben werden. Daher werden in diesem Jahr neben der Struktur der Pfarrseelsorge auch die anderen Wirkungsbereiche durchleuchtet und ggf. optimiert. Dies soll kein bloßer Sparvorgang, sondern ein Prozess der Erneuerung sein, der freilich die langfristigen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen als Leitplanken zu berücksichtigen hat. Wir sind zuversichtlich, diesen Prozess einer "Weichenstellung 2025", der unter Leitung unseres Bischofs begonnen worden ist, mit gutem Erfolg voranbringen zu können. Es ist dabei wichtig, alle wesentlichen, auch ehrenamtlichen Kräfte und Gremien zu gewinnen und einzubeziehen.

Der ausdrückliche Dank gilt an dieser Stelle erneut allen Gläubigen, die entsprechend ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit mit ihrer Kirchensteuer und durch Spenden weiterhin die dauerhafte Aufgabenerfüllung unserer Kirche solidarisch ermöglichen. Der ideelle und materielle Beitrag der Kirche mit ihren vielfältigen Diensten ist auf dem Hintergrund der schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen notwendiger denn je.

 

Augsburg, 22. Februar 2010