Leben - Legende
Auszüge aus "Der heilige Magnus"
von P.Dr.
Gebhard Spahr
Aus der Magnusvita: Bär und Baum
Zur selben Zeit also, in welcher der selige Kolumban und
Gallus zwischen den Einöden der Einsamkeit weilten, und sie nichts
anderes zur Speise besaßen als Holzäpfel (poma silvestria), trottete
eines Tages ein Bär daher und begann das gleiche Obst, das in der
Nähe der Heiligen war, zu sammeln und zu pflücken und allmählich
aufzufressen. Als aber die Stunde der Mahlzeit gekommen war, sprach
der selige Kolumban zu Magnoald: "Bruder, dir sind bessere Äpfel
bekannt, von denen wir uns erquicken können, deshalb gehe und bringe
uns ebenso für unseren Imbiß ein entsprechendes Maß".
Als er sogleich weggeganen war, sah er einen Bären zwischen
den Obstbäumen herumtrotten und Obst fressen. Bei diesem Anblick
fürchtete er sich sehr, aber gestärkt im |
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Herrn bezeichnete er sich
mit dem heiligen Kreuzzeichen und sprach zum wilden Tier: "Im Namen
unseres Herrn Jesu Christi bleib ein wenig stehen, so lange bis ich Obst
ausgesucht habe, das ich unseren Brüdern bringen soll, vom übrigen aber
nimm dir selbst zum Fressen." Diesem Befehl gehorchte die Bestie bald. Sie
vergaß ihre Wildheit, blieb stehen und hielt den Kopf geneigt, und wie ein
vernünftiges Lebewesen erfüllte sie die Befehle. Dann suchte Magnoald das
Obst aus, das ihm besser erschien, das übrige aber überließ er dem Bären
mit den Worten: "Friß du davon, so viel du willst, das andere aber schone
zum Gebrauch für den heiligen Kolumban." Natürlich bemühte sich die
Bestie, diese Befehle zu erfüllen, so daß sie keineswegs wagte, irgend
etwas vom Verbotenen zu berühren, sondern nur das Futter beim Erlaubten
suchte. Am anderen Tag aber kam der selige Magnoald wieder zum
Obstsammeln, und er fand es so, wie er es verlassen hatte, ganz und wohl
bewahrt. Er sagte Gott Dank und sprach zum Bären: "Im Namen des Herrn
befehle ich dir, daß wie du bisher gegen uns gehandelt hast, so tu
täglich, bewahre dieses Obst." Und dies geschah, so lange als die heiligen
Männer an jenem Ort weilten.
Wilde Tiere dienen St. Mang
Die Größe St. Mangs zeigt sich nicht bloß im Vernichten von Bestien,
sondern auch darin, daß er wilde Tiere bändigte, die darauf seiner Person,
dem Missionswerk und anderen Menschen für Feld, Wald, Straße und Erwerb zu
Diensten standen, lebend oder tot. Damit wird Magnus als Kulturbringer
gewürdigt, und weil ihm die wilden Tiere nichts antun, erscheint er
einfachen Gemütern unangreifbar. Insbesondere drücken diese Gedanken die
Sagen aus, wenn es z.B. heißt:
"Hoch oben zwischen dem Breitenberg
und dem Aggenstein liegt der Mangenacker, eine herrliche grüne Grasfläche.
Die hat Sankt Magnus einstmals mit Hilfe von vier wilden Tieren, die ihm
willig gehorchten, gerodet, geackert und fruchtbar
gemacht."
Besonders eindrucksvoll würdigt die Sage das Wirken eines
jungen Drachens:
"In heidnischen Zeiten
wimmelte es in der Gegend von Kierwang bei Fischen von allerlei
Drachen-gelichter. St. Magnus hat sie nachmals alle erledigt und nur ein
einziges Drachenjunges übriggelassen. Das hatte ihm leid getan, weil es
noch nichts Böses vollführt hatte. Darum schickte der Heilige es nicht zur
Hölle, sondern empfahl den Kierwangern, den kleinen Drachen zu einem
brauchbaren Helfer beim Roden des Urwalds zu erziehen. Die Kierwanger
taten's mit Geschick. Der Drache legte ganze Wälder um, zersägte die Bäume
mit seinem Schuppenkamm, schleppte Holz und Steine, mehr als acht Pferde
vermocht hätten; er räumte im Winter den Schnee im Dorf und soll sogar
beim Straßenbau geholfen haben. Im ganzen Allgäu war der Kierwanger Drache
berühmt. Nur einen Fehler hatte er: Heu und Stroh wollte er nicht fressen,
und von Mäusen allein wurde das große Tier nicht satt. Deswegen, wenn es
seine Herren nicht sahen, schnappte er ihnen bisweilen einen Schumpen von
der Weide weg. Nun verstehen die Allgäuer, wenn es sich um einen Schumpen
handelt, keinen Spaß. Sie hielten Gericht und verurteilten ihren Drachen
zum Tode. Im Schlaf sollte er mit Beilen zerhackt werden. Wie staunten sie
aber, als beim ersten Schlag auf die Brust des Ungeheuers ein Strahl Milch
herausschoß, so stark, daß es die Drachentöter fast weggeschwemmt hätte.
Einer von ihnen hatte dabei etwas von der Milch in den Mund bekommen; der
schrie laut auf, das sei ja die beste und fetteste Milch, die man sich nur
denken könne. Jetzt rannte alles mit Kübeln und Stotzen, um den Segen
aufzufangen. Der Drache gab mehr Milch als alle Kierwanger Kühe zusammen.
Nun waren die Bauern natürlich schnell eins, daß man den Drachen am Leben
lassen und behalten wolle. Der aber war nun seinerseits beleidigt. Er
wollte nicht mehr. Anderntags war er fort und niemand wußte,
wohin."
Auch
Schlangen stellte St. Magnus in seinen Dienst. Aus der Gegend von
Pfronten berichtet eine verstümmelte Sage, daß der Heilige einst eine
Schlange antraf, die sich vor seinem Krummstab in Ehrfurcht neigte. Deshalb habe er
sie als Begleiterin angenommen und als Helferin in mancherlei Abenteuern
geschätzt.
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Aus der Magnusvita: Die Blindenheilung in Bregenz
| Und sie reisten neben dem Bregenzersee und kamen bis zur
Ortschaft, die Bregenz heißt, und dort verweilten sie zwei Tage.
Unterdessen kam ein Blinder, der in jener Gegend vielen sehr bekannt
war, dem seligen Magnoald entgegen und forderte von ihm einige
Nahrungshilfe. Jener aber erinnerte sich an den Ausspruch des
Apostels, der sagte: "Ich bin nicht würdig, mich mit der Heiligkeit
jenes zu vergleichen, der gesprochen hat: Silber und Gold besitze
ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir; aber dennoch im
Namen dessen, der ihm solche Gewalt gab, daß er an den Armen
Wunderbares tat, was er wollte, und der den Blinden erleuchtete,
öffne deine Augen, ich beschwöre dich, daß du sehest und mit deinen
Händen arbeitest und Nahrung erwerben kannst." Als er dies nun
gesagt hatte, bestrich er die Augen des Blinden mit seinem Speichel
und sogleich, nachdem Blut aus seinen Augen geflossen war, empfing
der Blinde das Gesicht und warf sich zu Füßen des heiligen
Magnus und |
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sprach: "Herr, ich sehe, daß du groß (magnus) bist
und deine Werke groß sind, und daher will ich dir, wenn du willst,
folgen, wohin du gehst." Ihm antwortete der selige Magnoald: "Wenn
du dem Herrn dienen willst, dann folge mir nach." Nach einem solch
großen vollbrachten Wunder reisten sie bald von jenem Ort ab, und es
folgte ihnen, der sehend geworden war, und der Reiseführer
Tozzo. |
Magnus, der Gesundheitsschenker
Südlich von Holzleuten zeigte noch von 150 Jahren ein
Bildstöckle zwei Bilder einer Magnus-Sage. Auf dem ersten Bild warf ein
rasender Stier zwei gewachsene Mannsbilder mit den Hörnern in die Höhe,
während er mit seinem Hinterteil noch eine mächtige Tanna abknickte. Auf
dem zweiten Täfele jedoch kniete derselbe Stier auf seinen Vorderbeinen
vor dem heiligen Magnus, auf seinem Rücken saßen die beiden Männer mit
verbundenen Köpfen und dankbar gefalteten Händen. Dazu erzählt man
sich folgende Sage: Als die Holzleutener in schwerer Kriegszeit hinter den
sicheren Mauern von Füssen Zuflucht suchten, mußten sie einen großen Teil
ihres Viehs, das sie nicht mit in die Stadt nehmen konnten, in den Wald
jagen. Als sie nach Jahr und Tag endlich heimkehren durften, war von dem
Vieh natürlich kaum mehr ein Stücklein zu finden; nur noch ein
fürchterlicher, wilder Stier hauste im Wald, der jeden der ihm verkam, mit
seinen gewaltigen Hörnern aufgabelte. Der "Holzmolle" war eine echte
Landplage, und die Leute trauten sich aus Angst vor ihm kaum mehr über das
Land. Da machten sich zwei beherzte Männer auf, um das Ungetüm zu
erledigen. Kaum aber waren sie zur Stelle, da raste der Molle daher,
senkte den riesigen Kopf, und schon flogen die beiden Männer in die Luft,
daß kein Mensch mehr etwas für ihr Leben gegeben hätte. Die Holzleutener,
die von fern dem grausigen Schuspiel zusahen, riefen vor Schreck wie aus
einem Mund: "Sankt Mang! Erbarmen!"
Da war es so, als ob ein
leuchtender Blitz vor dem Holzmolle niederginge. Einige wollten sogar den
Heiligen selber gesehen haben, wie er das wilde Tier berührte. Der Molle
aber bog seine Vorderbeine und blieb eine Zeitlang wie betend knieen. Dann
erhob sich der Molle, trottete zu seinen Opfern hin und leckte deren
blutige Köpfe so lange, bis sie aus ihrer Ohnmacht erwachten. Als sich
schließlich der Stier auch vor ihnen langsam auf die Knie niederließ,
stiegen die zwei Männer auf und ritten auf dem Holzmolle als Sieger ins
Dorf zurück. Der Stier war von da an die Gutmütigkeit selber.
Als
Augenlichtsschenker wirkte St. Mang nicht bloß in Bregenz an dem Blinden
ein Wunder, sondern noch Jahrhunderte später. Nach einem Bericht Christoph
von Schmids soll, wie eine alte mündliche Überlieferung dartut, Sankt
Magnus zu Nutz und Frommen seiner Allgäuer die Fähigkeit zur Wunderheilung
dem jeweils gottgefälligsten Einwohner des Allgäus verliehen haben. Meist
sei dieser der Sage nach ein frommer Eremit gewesen.
Solch ein Wunderdoktor war der Einsiedler an der
Kapelle zu Enisried bei Seeg. Vor jeder Heilung nahm der fromme Mann eine
Teufelsaustreibung im Namen des heiligen Magnus vor. Es ging die Rede, daß
der Einsiedelmann blinde Menschen und Tiere wieder sehend machen könne.
Als im Jahre 1525, nach dem Strafgericht über die aufständischen Bauern,
so mancher von ihnen seines Augenlichts beraubt, als elender Krüppel am
Weg hockte, da war der Einsiedler von Enisried der "frümbest Mann im
Land". Mit seinem Speichel nahm er den Ärmsten die Schmerzen und einigen
konnte er sogar das Augenlicht wiedergeben.
Zu Wertach auf einem
Einödhof wurde ein Kindlein blind geboren. Die Eltern gaben ihm den Namen
des heiligen Magnus, auf daß dieser das arme Würmlein in seinen besonderen
Schutz nehme. Ein böses Verhängnis wollte es, daß auch alles Vieh auf dem
Hofe von da an blind zur Welt kam. Nun aber war der alte Einsiedler von
Enisried längst gestorben, und niemand konnte sagen, wen Sankt Mang als
dessen wundertätigen Nachfolger auserwählt hatte. Schließlich machte sich
der unglückliche Bauer mit seinem blinden Söhnlein selber auf, um an Sankt
Mangen Grab den rechten Helfer zu erfahren. Als sie aus Herzensgrund
gebetet hatten und schon wieder auf dem Heimweg waren, stand ein
zerlumpter Bettler am Weg. Da streckte das Kind die Arme plötzlich gegen
diesen und rief: "Da Vater! Siehst du denn den Herrn Jesus Christus
nicht?" So war der heilige Christ selber zum Gnadenwalter seines Heiligen
geworden und hatte in der Gestalt des Bettlers Sankt Magni Sendung
vollbracht, wei es im Allgäu damals offenbar keinen geeigneten frommen
Mann gab. Mit dem Büblein war zu gleicher Zeit
auch alles Vieh daheim im Stall sehend geworden.
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Aus der Magnusvita: Sieg über die Schlange Boas in
Kempten
Nach einigen Tagen aber kamen sie zum Ort, der Kempten
heißt. Wo sie eine sehr schöne Stadt fanden, aber zur Gänze verlassen.
Darauf fragte der selige Magnoald den Priester, wie jener Ort oder Fluß,
der dort herab fließe, oft genannt würde. Aber jener antwortete: "Dieser
Ort wird von den Bewohnern dieser Gegend Kempten geheißen. Aber sie wagen
nicht einmal, eine Nacht hier zu bleiben wegen der verschiedenen Arten von
Würmern, die sich hier aufhalten. Der Fluß aber heißt Iller (Hilara),
nicht weil er jemanden freudig macht, sondern im Gegenteil, weil er viele
Menschen zur Trauer wendet. Deshalb müssen wir schnell von hier weggehen,
damit nicht die Schlangen, die uns hier bemerken, über uns einen
Großangriff machen, um uns zu verschlingen; denn viele Menschen, die der
Jagd wegen hierher gekommen sind, richteten sie zugrunde. Sie ließen sie
hier nicht eine Nacht verweilen." Darauf antwortete der selige Magnoald:
"Wahrlich, unser Herr Jesus Christus ist mächtig, von diesem Ort Schlangen
zu vertreiben, wie er auch Macht hatte, Bären, Wölfe und übrige wilde
Tiere zu vertreiben ebenso auch Dämonen durch das Gebet des Herrn und
unseres Meisters Gallus von dem Ort, den er selbst erwählt hatte, um sich
eine Zelle zu erbauen. Bleiben wir also in dieser Nacht hier und flehen
wir die göttliche Milde an." Darauf sprach er zu Theodor: "Bruder Theodor,
mit allen möglichen Bitten dringe darauf, du mußt nämlich am meisten den
Herrn für diesen Ort anflehen, denn du hast ihn aufzurichten und wohnbar
zu machen." Mit diesen Worten warfen sie sich zugleich im Gebet
nieder. Unterdessen aber kam von der Stadt ein großer Wurm, der Boas
hieß, und machte einen Angriff über die heiligen Männer, die im Gebet
lagen. Darauf sah der Priester Tozzo, der sie hierher geführt hatte, ihn
und rief mit lauter Stimme: "Weh mir, daß ich euch hierher geführt habe."
Und bald wandte er sich zur Flucht, er selbst, und der blind war, eilten
zu einem Baum, um auf ihn hinaufzusteigen und sich zu retten. Aber der
selige Magnoald und Theodor, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes,
standen auf und machten das Zeichen des Kreuzes vor sich. Magnoald ergriff
auch den Stab, den er vom seligen Gallus empfangen hatte, und das Kreuz,
das er beständig bei sich zu tragen pflegte und begab sich weiter in
Richtung des Wurmes hin mit den Worten: "Ich befehle dir im Namen meines
Herrn Jesus Christus, daß du hier liegen bleibst, und daß der Teufel, der
in dir verborgen ist, dich selbst töte." Als er das gesagt hatte,
zerschmetterte er mit dem Stab das Haupt des Wurmes, und sogleich barst er
in der Mitte entzwei und verendete. Darauf wandten sich die Würmer, die in
der Stadt und um sie herum weilten, alle zur Flucht und erschienen dort
dann nicht mehr, und so wurde jener Ort gereinigt. Es verweilten aber an
diesem Ort die heiligen Männer eine Woche, sie sagten Gott Dank, der sich
gewürdigt hatte, sie zu erhören. Deshalb brach Theodor auf, als er ein so
großes Zeichen durch die Verdienste des heiligen Magnus geschehen sah, und
mit zum Himmel erhobenen Händen sprach er: "Herr, allmächtiger Gott, der
du Himmel, Erde, Meer und alles, was in ihnen ist, gemacht hast, ich sage
dir Dank, der du dich gewürdigt hast, uns zu befreien von so großer Gefahr
und von solcher Verschlingung der Würmer." Und als er das gesprochen
hatte, lief er zum seligen Magnoald und mit gebeugten Knien küßte er
dessen Füße und sprach: "Keineswegs sollst du weiterhin Magnoald heißen,
sondern Magnus (der Große), denn der Herr gewährte dir eine solche Gnade,
daß dieser Ort durch dich nicht nur von Würmern gesäubert wurde, sondern
sogar von Dämonen." Darauf sagte der selige Magnoald: "Sprich nicht so,
Bruder, denn ich bin nicht groß (Magnus), sondern der kleinste Diener der
Diener Gottes. Mehr auf deine denn auf meine Verdienste hin wurden die
Würmer vertrieben und wichen zurück. Jetzt also rufe unseren Mitreisenden,
damit wir daran gehen, diesen Ort zu säubern, denn der Herrnwill, daß er
zum Bau einer Zelle hergerichtet werde." Tozzo aber wurde vom Baum, zu dem
er geflohen, herab gerufen, er stieg herunter, und wie er die beiden
unversehrt sah, warf er sich vor deren Füße und sprach: "Wahrlich, der
Herr ist an diesem Ort; wahrhaftig ich wieß sogar, daß der Herr mit euch
ist. Nunmehr natuürlich werde ich euch voll Vertrauen durch Einsamkeiten
und enge Orte führen bis zu der Stätte, die euch zum Bleiben geeignet
erscheint, da ich eine solche von Gott euch gewährte Macht sehe, damit
durch eure Verdienste diese Orte gereinigt werden, und die bisher
unbewohnbar waren, jetzt bewohnbar werden." Daruaf antwortete der selige
Magnoald mit den Worten: "Da unser Herr an diesem Ort mit uns sein
Erbarmen erzeigt hat, finde ich es für gut, hier eine Woche zu bleiben und
ein kleines Bethaus zu bauen, damit das Volk dieses Landstriches lernt,
was Beobachtung christlicher Religion ist, und welchen Dank es Gott
aussprechen soll für das ihm erwiesene Erbarmen." Und sie taten
sol
Der mächtige Magnus
tritt im Drachen- und Dämonenkampf in Kempten und Füssen in
Legende und Sage in Erscheinung. In Kempten waren seit geraumer Zeit alle
Bewohner vor schrecklichen Drachen, Bären, Wölfen und Schlangen
geflüchtet, welche nun statt der Leute in der Stadt hausten. Die Jäger,
die hierher kamen, hatten vor allem vor der Schlange Boas Angst, aber die
Furchtlosigkeit des heiligen Magnus kannte keine Grenzen, im Gegensatz zu
seiner Begleitung, denn Tozzo und der von Magnus geheilte Blinde suchten
schnell auf einem Baum Rettung. Magnus jedoch, mit einer ordentlichen
Dosis Unerschrockenheit und mit übernatürlichen Kräften bewaffnet, nämlich
mit dem Zeichen des Kreuzes, dem Namen Christi, kraftvollem Wort und Stab,
zerschmetterte mit diesem das Haupt der Schlange, so daß diese in der
Mitte entzwei barst. In Wirklichkeit hatte aber nach der Otloh-Darstellung
der Teufel, der in der Schlange verborgen war, den Wurm auf Geheiß des
Magnus getötet. Es ist also zunächst die Macht des heiligen Magnus über
den Teufel geschildert. Zweck der Schilderung ist u.a., zu zeigen, daß St.
Mang stärker ist als Beelzebub. Der Drach ist, das gibt die Sage wieder,
der Teufelsdiener und das Heidentum, dem nun Magnus den Garaus macht. Mit
der Tötung des Drachens war auch die Vertreibung des übrigen Ungeziefers
verbunden. Zwischen den Zeilen kann man noch lesen, mit welcher Vehemenz
Magnus vorgegangen sein muß. Endziel des ganzen Kampfes war, Kempten
wieder bewohnbar zu machen, was Magnus auch gelang. Dabei muß es sich um
eine Art Wanderlegende gehandelt haben. Denn von Pirmin wird anläßlich
seiner Ankunft auf der Reichenau (724) dasselbe berichtet. Er machte
nämlich die Insel bewohnbar, indem er Schlangen und Gewürm in den Untersee
stürzen hieß. Die sieht man heute noch auf einem Tafelbild im Reichenauer
Münster dargestellt. Genau dasselbe, was die Legende berichtet, gibt auch
der Stabgebrauch wieder. Der Stab war nämlich ein Wander- und zugleich ein
Botenzeichen, er mußte aus bestimmten Holzarten bestehen und meistens auch
glatt geschält sein, das magische Moment der Zauberkraft schimmert in der
Magnus-Legende noch durch, während von den ersterwähnten Tatsachen nichts
vermerkt wird, ebenfalls auch nicht, ob er von weißer Farbe war, wie es an
sich beim Amtsstab Jahrhunderte hindurch üblich war. Der Stab war aber vor
allem ein Macht- und REchtssymbol, ein Herrschafts-, Vollmachts-,
Absolutions- und Schutzzeichen. Er will in diesem Zusammenhang einfach
kundtun, jetzt hat der Heilige die Macht über Orte, Menschen und Getier,
an denen er weilt und zu denen er kommt, und nicht mehr das Chaos und
Wilde, sondern die Ordnung und der Friede. Jetzt steht das Land unter dem
Schutz des Heiligen.
Die Sage erzählt die gleiche Begebenheit mit
der Schlange Boas, nur heißt es dabei, Magnus habe mit einer Keule, die er
stets bei sich führte, seinen Widersacher besiegt, und die neu bekehrten
Anhänger St. Mangs hätten diesem zugesprochen, er möge in ihrem Boot eine
kleine Strecke flußaufwärts wandern, wo er auf einer kleinen Insel, der
Georgsinsel bei Kempten, Schutz finden werde.
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Aus der Magnusvita: Der Drachenkampf bei Roßhaupten
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Als sie nun zu dem Ort, der Roßhaupten
heißt, kamen, hörten sie, daß dort ein großer Drache liege, der
keinen Menschen durch diesen Weg hindurchzugehen gestattete. Der
selige Magnus sprach zum Priester Tozzo: "Bruder, wir wollen in
dieser Nacht hier bleiben und den Herrn bitten, daß er den Drachen
von diesem Ort vertreibe und uns dorthin kommen lasse, wohin wir
eilen." Und so taten sie. Inder ganzen Nacht aber ließ der selige
Magnus nicht ab vom Gebet. Mit aller Kraft bat er Gott, daß er sich
herbeilasse, den Drachen zunichte zu machen. Um Mitternacht aber
sprach er zu Tozzo: "Laß mit mir einen Menschen gehen, der mich zu
der Stelle führt, wo der Drache liegt." Aber jener entgegnete: "Ich
fürchte, mein Vater, wenn du dorthin geführt wirst, du vom Drachen
verschlungen wirst." |
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Darauf antwortete der heilige Mann:
"Wenn Gott", sprach er, "für uns ist, wer ist dann gegen uns? Deshalb
wollen wir voll Vertrauen aufbrechen, denn der, der den Daniel aus der
Löwengrube befreit hat, kann auch mich aus der Macht dieses wilden Tieres
entreißen." Und als er dies ausgesprochen hatte, da legte er in seine
Reisetasche gesegnetes Brot und nahm in seine Hand Pech und Schwefel,
ebenso trug er den Stab des heiligen Gallus und hing sich ein Kreuz um den
Hals, brach auf und betete unterdessen: "Der allmächtige Gott, der mich
von fernem Land herausgeführt hat, möge wie Tobias seinem Diener seinen
Engel mit mir senden, der mich befreie vom Rachen dieses Drachens, und er
zeige uns den Ort, der den heilsamen Begierden bekömmlich ist." Mit diesen
Worten also bezeichnete er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und
nahm etwas von dem geweihten Brot in seinen Mund und ein wenig Wasser und
so kam er zur Stätte, wo der Drache lag. Als der Drache ihn aber sah, da
richtete er sich sogleich auf und machte einen Sturm über ihn. Aber jener
nahm Pech und Schwefel und warf es in das Maul des Drachens mit den
Worten: "Hilf, Herr, mein Gott." Nachdem er dies gerufen, begann der
Drache sogleich zu brennen und verendete. Wie aber sein Begleiter das sah,
kehrte er sogleich zu seinen Gefährten zurück und rief: "Steht auf, kommt,
und seht, denn dieser Magnus hat den Drachen getötet." Sie standen sofot
auf, kamen und fanden den seligen Magnus im Gebet liegend und dem Herrn
Dank darbringend. Nachdem sie den toten Drachen gesehen hatten, stiegen
sie zu dem Felsen herab, von dem dieser Drache gewagt hatte, über den
heiligen Mann einen Angriff zu machen. Darauf sprach der Priester Tozzo:
"Wir sagen dir Dank, Herr, der du dich gewürdigt hast, uns einen solchen
und so großen Mann zu zeigen, daß auf ihn seine Verdienste hin diese
Gegend gereinigt und wohnbar gemacht wurde." Nach diesen Worten gingen sie
dann hindurch und kamen zu einem prächtigen Ort, neben dem Lech gelegen,
in dem der heilig Magnus einen überaus schönen Obstbaum stehen sah, er
hing an ihm das Kreuzlein, das er um den Hals zu tragen pflegte, auf, in
jenem waren Reliquien des heiligen Kreuzes geborgen, der seligsten
Gottesgebärerin Maria, der heiligen Martyrer Mauritius und seiner
Gefährten und ebenso der Bekenner Kolumban und Gallus. Dann rief er Tozzo
und beide warfen sich vor dem Kreuzlein zum Gebet nieder und der selige
Magnus hub an: "Herr Jesus Christus, der du für das Heil des
Menschengeschlechtes von der Jungfrau geboren zu werden und zu sterben
dich gewürdigt hast, erhöre mein Flehen und gestatte uns, ein Bethaus zu
bauen zu Ehren deiner Gottesgebärerin und eine geeignete Wohnung für deine
Dienste zu bereiten." Nicht lange darauf, als die Menschen in der Umgegend
von der Heiligkeit des seligen Magnus hörten, bestrebten sie sich, ihm
alles, was er benötigte, zu gewähren. Er begann, dort eine Kirche zu
bauen. Nachdem sie erstellt war, lud er den Bischof Wikterp ein, sie
einzuweihen. Dieser stimmte sogleich den Bitten des heiligen Mannes zu und
kam wie gebeten. Er weihte die Kirche zu Ehren Gottes und des heiligen
Martyrers Florian. Und so geschah es, daß die Dienste des göttlichen Lobes
unaufhörlich an diesem Orte gefeiert wurden.
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Die Unerschrockenheit von Magnus
Beim Drachenkampf zu Roßhaupten kam die Unerschrockenheit
von Magnus von neuem zum Vorschein. Der Heilige brach nämlich nachts gegen
alles Zureden seiner Umgebung auf, ein Kreuz auf der Brust, den Stab in
der einen, einen Pechkranz in der anderen Hand, ging gegen das
gefürchtete Untier los und schleuderte ihm unter Anrufung Gottes den
Pechkranz in den geöffneten Rachen, worauf der Lindwurm schluckte, druckte
und vor den Füßen des Heiligen zerbarst. Durch diese herzhafte Tat
schenkte Magnus den Leuten der Umgegend wie Fremden neuen Wohnplatz und
dem Vieh, besonders den Pferden, auf die es der Drache abgesehen hatte,
Sicherheit und Ruhe, und insbesondere wurde die Via Claudia für den
Durchgangsverkehr wieder geöffnet. Diese, um 80 nach Christus ausgebaut,
führte vom Po über Verona, Bozen, dem Reschenpaß, Landeck, Füssen, Epfach,
Augsburg zum Kastell Summuntorio bei den heutigen Burghöfen in der Nähe
von Donauwörth. Ursprünglich einzige Verbindungsstraße mit Italien, hatte
sie schon in römischer Zeit an Bedeutung eingebüßt. In diesem
Zusammenhang der Legende wird in der Bollandisten- und deutschsprachigen
Vita die Deutung des Wortes Roßhaupten gegeben. Der Ortsname caput equi
besagt, daß die Wanderer, besonders die Jäger, hier ihre Pferde
zurückließen und zu Fuß zur Jagd zogen, weil eben der Drache, von dem die
Rede war, weder Mensch noch Vieh vorüberziehen ließ. Aber eine andere
Deutung nimmt an, daß Roßhaupten zu Häupten des nordöstlich gelegenen
Ortes Sameister lag, wo Saumrosse für den Alpenübergang zur Verfügung
standen. Abgesehen davon, daß die Frage der Priorität des lateinischen
oder deutschen Ortsnamens offen ist, darf man darauf hinweisen, daß das
Beiwort Haupten auch in Verbindung mit anderen Tiernamen erscheint, z.B.
Tier-, Hundshaupten. Die neuere Orts- und Flurnamenforschung sieht in dem
Namen der Hauptenorte übrigens gern die Lage an der Ursprungs- bzw. der
oberen Stelle, dem Haupt von Gewässern, aber in diesem Falle läßt sich ein
Roßhaupten kaum denken. Aber Sage wie der Bericht eines
Geschichtsschreibers helfen weiter.
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Aus der Magnusvita: Dämonenvertreibung von den Bergen
um Füssen und aus dem Lech
Als daher der Ruhm des heiligen
Magnus weit und breit zu Ohren der Völker, die in der Umgebung wohnten,
drang, begannen von überall her mit größter Andacht die Leute
zusammenzuströmen, um sich der Fürbitte zu vergewissern und diese Stätte
mit mannigfachen Geschenken an Besitz und anderen Dingen zu erhöhen. Aber
jener erfuhr schmerzlich aus einem solchen Zustrom des Volkes
Rücksichtslosigkeit, ging von da weg und kam zum nahe gelegenen Ort namens
Füssen und dort machte er sich einen entlegeneren Aufenthalt und ließ
den genannten Priester in der Kirche zur Belehrung des Volkes, das dort
hinkam. Und als er am obengenannten Ort um die Mittagszeit ruhen wollte,
hörte er plötzlich Dämonen vom Gipfel des nahen Berges schreien und andere
rufen, die gleichsam in der Nähe, im Lech sich aufhielten. Nachdem diese
Antwort gegeben hatten mit der Meldung, sie seien anwesend, schrien
wiederum jene Dämonen vom Berg: "Macht auch auf und kommt uns zu Hilfe und
laßt uns von diesen Plätzen diesen überaus schlimmen Pilger vertreiben,
denn er hat selbst nach der Art seines Gallus unsere Abbilder
vernichtet und das Volk, das uns folgte, zu sich hingewendet, überdies hat
er auch unsere Drachen getötet. Deshalb möge uns das Unrecht, das wir
erdulden, erregen, und wir wollen vereint unsern gemeinsamen Feind aus
unsern Gebieten vollständig vertreiben." Anderseits antworteten jene, die
in der Tiefe hausten: "Weh, daß ihr von eurer Schwierigkeit sprecht, wir
haben auch unsere Mühseligkeiten erfahren, denn sein Engel (angelus) hat
uns in diesem Meer niedergedrückt, so daß wir nicht wagen, von da
hinüberzugehen noch irgendetwas von ihm zu berühren, denn nach Anrufung
des Namens des Herrn schlug er uns mit feurigen Peitschen. Deswegen
wermögen wir weder euch noch uns zu nutzen." Nachdem dies der selige
Magnus gehört hatte, schützte er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes
und rief ihnen zu: "Ich beschwöre euch im Namen meines Herrn Jesus
Christus und durch die Verdienste seines heiligen Bekenners Gallus, daß
ihr von diesem Ort weichet und fernerhin nicht mehr hier bleibt noch euch
herausnehmt irgend jemanden, der hier weilt, zu verletzen." Nach diesen
Worten also kehrte er schnell zum Priester Tozzo zurück und erzählte ihm
alles, was er an jenem Ort gehört hatte. Und als sie das abendliche Lob
singen wollten, wurden die Schreie der Dämonen über den Gipfeln der Berge
vernomen gleichsam als Wehklagen der Scheidenden. Darauf warfen sich die
heiligen Männer, die solches hörten, zum Gebet nieder, sagten Gott Dank,
der sich gewürdigt hat, sie vom Schrecken der bösen Geister zu
befreien.
Herrschaft Magnus' über Roß, Stier und Heiden
Eine Sage gibt die Macht Magnus' über Heiden und
Tiere durch das Kreuzzeichen kund. Auf dem buckligen Fußweg von Settele
nach Stötten, am sogenannten Nussenberg vor Dattenried, stürmte bisweilen
in sausendem Galopp ein Roß ohne Kopf den Bichel hinunter, und
gleichzeitig raste ihm von unten herauf ein geköpfter Stier entgegen. die
beiden seltsamen Tiere sprangen aufeinander ein, und es sah aus, als
stampften sie sich gegenseitig in den Boden; auf einmal aber ließen sie
voneinander ab und rasten wieder davon, jedes in der Richtung, aus der es
gekommen war. Weil aber jedesmal das Roß von oben und der Stier von
unten kam, hieß es, die beiden Tiere rasten um die ganze Erde und
begegneten sich immer wieder an dieser Stelle, wo sie dann kurz kämpfen
müßten. Um 1800 hatte man für diese Sage folgende Erklärung: Als die
ersten christlichen Glaubensboten ins Land kamen, trafen die Heiden gerade
auf dem Nussenberg Anstalten für ein großes Stier- und Roßopfer. Die
Häupter der Opfertiere waren bereits gefallen, da trat St. Magnus
dazwischen und gebot den geköpften Tieren, sich zu erheben und
fortzulaufen. Wie er gesagt hatte, so geschah es, und alle Heiden glaubten
fortan lan die Wunderkraft des Kreuzes. Als letzte Erinnerung an die Zeit
des Heidentums ist nur noch die Spukerscheinung auf dem Nussenberg
geblieben.
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Aus der Magnusvita: Priesterweihe des heiligen Magnus -
Eisenfund am Säuling
Darnach nicht lange erteilte in der festgesesetzten
Fastenzeit der vorgenannte Bischof dem seligen Magnus die Priesterweihe.
Nach Empfang zeigte er sich, je mehr er im geheiligteren Stand erhoben
wurde, desto demütiger in allem, er erglänzte durch größere Wundertaten,
erleuchtete die Blinden, gab den Tauben das Gehör, vertrieb von vielen
Dämonen und gewährte den Lahmen das Gehen. Überdies wurden durch sein
Gebet Eisenadern auf den im Umkreis liegenden Bergen auf folgende Weise
gezeigt. Als er eines Tages nämlich Berge und Hügel durchstreifte und sehr
viele Orte, geeignet zu verbleiben, erforschte, stieg er auf einen hohen
Berg, namens Säuling, und fand dort zahlreiche Bären großer Wildheit, aber
nach dem Gebet begannen sie vor ihm so mild zu werden, daß man glaubte, es
seinen Rinder. Nachdem er das gesehen hatte, warf sich der heilige Mann
zur Erde nieder in Kreuzesform und bat den Herrn, sich zu würdigen, dem
Volk jenes Landes, das an großer Armut litt, etwas Hilfe zu gewähren beim
Erwerb von Nahrungsmitteln. Unterdessen näherte sich ihm ein Bär mit
großer Sanftmut und begann mit der Tatze auf eine gewisse Tanne zu zeigen.
Als dies der Mann Gottes sah, sprach er zur Bestie: "Ich befehle dir im
Namen des Herrn, daß du zu dieser Tanne, die du bezeichnest, schnell gehst
und so auftust, wo der Herr seine Gnade zeigt zur Hilfe des Volkes dieses
Landes." Auf seinen Befehl hin beeilte sich die Bestie alsbald lund begann
die Wurzeln des Baumes mit Pfoten und Zähnen zu zerbrechen, bis der Baum
selbst völlig mit der Wurzel zusammenbrach. Nachdem er gestürzt war,
wurden verschiedene Eisenadern gefunden. Als dies der gütigste Diener
Gottes sah, sagte er Gott Dank. Dann nahm er Brot von seiner Tische und
gab es der Bestie, die ihm diente, und befahl ihr: "Im Namen meines Herrn
Jesus Christus friß dieses Brot und zu diesem Ort führe den Menschen, den
ich dir zeigen werde, ohne Verletzung, verteidige ihn auch, wenn andere
wilde Tiere ihn ´belästigen wollen. Darüber hinaus befehle ich dir ebenso,
daß du an den Orten, die im Umkreis liegen, mit anderen wilden Tieren
zusammenlebst und keinen Menschen, der hierher kommt, und auch nicht seine
Tiere verletzest." Mit diesen Worten kehre der selige Magnus zu seiner
Zelle zurück, und es ging ihm der Bär nach wie ein Hund, der seinem Herrn
folgt. Wie er aber zur Zelle kam, rief er seinen Diener, namens Liuto.
Nachdem dieser alsbald gekommen, befahl er ihm, Beil und Schaufel zu
bringen und dem gegenwärtigen Bär zu folgen. Dann befahl er demselben Bär:
"Diesen Menschen führe gesund zu dem Ort, den der Herr uns gezeigt hat und
nimm dich in acht, daß er nicht irgendeine Verletzung von anderen wilden
Tieren erfährt." Auf diese Worte hin gehorchte die Bestie, und sie begann
sogleich vor dem Menschen zu laufen, zeigt ihm den Pfad, der zu dem Platz
führte, wo der Baum gestürzt war. Dort also grub der dorthin geleitete
Mann die Erde, die unter dem Baum lag, aus und mit der Hand füllte er ein
kleines Säckchen und unter der Begleitung des Bärs kehrte er zur Zelle des
Mannes Gottes zurück. Danach wandte sich der Bär wieder dem Wild zu. Dann
warf sich jener Mann voll Bewunderung über das, was geschehn war durch den
Bären, zu Füßen des seligen Magnus und sprach: "Wahrlich, Vater, jetzt
erkenne ich, daß der Herr mit dir ist, da sogar die Bestien dir gehorchen.
Denn der Bär, den du mir zum Führer gegeben hast, hat mich so bewacht, daß
er andere wilde Tiere nicht an mich herankommen ließ." Daraufhin
antwortete der heilige Magnus: "Hüte dich sehr, einem anderen dies
kundzutun, so lange du mich in dieses Leben gestellt weißt. Da du also
durch die göttliche Güte belehrt, erkennst sowohl den Weg wie den
Platz, wovon arme Einwohner dieser Gegend unterstützt zu werden vermögen,
bereite und verkünde den Zugang anderen Menschen, insofern auch sie lernen
mögen, dorthin zu ziehen und dann durch Arbeit mit der Bestimmung Gottes
für sich alles Nötige erwerben können." Dieser Mann erfüllte die Befehle
und verkündete den im Umkreis wohnenden Menschen, welche Gande der Herr
ihm erwiesen hätte durch die Verdienste des heiligen Magnus. Seit jener
Zeit also bis zur Gegenwart wurden verschiedene Eisenadern an diesem Ort
gefunden.
Magnus' Macht über Menschen
Alles, was das Magnus-Leben Otlohs über
Bären am Säuling, dem Hausberg Füssens, erzählt, die in der Legende als
weisende Tiere auftreten und der Verherrlichung des Heiligen dienen,
überträgt die Sage u.a. auf verwilderte Menschen, über die der Heilige
genauso herrschte wie über die wilden Tiere; zugleich zeigt sich dabei das
soziale Empfinden des Heiligen.
Die Sage weiß folgendes zu
berichten: Als der heilige Magnus eines Tages am Säuling emporstieg, fand
er oben an der Seite mehrere verwilderte Menschen, die wie die in großer
Zahl vorhandenen Bären von gemeinschaftlichem Raube lebten. St. Magnus
sprach diese Wilden freundlich an, und sie verhielten sich ganz zahm, ja,
einige zeigten ihm sogar den Weg. Angesichts der großen Armut dieser
Leute betete St. Magnus, es möge doch den Dürftigen in diesem Gau ein
Erwerb beschert werden, der ihnen gestatten würde, sich Lebensmittel im
Unterland zu kaufen. Und siehe, da trat ein zottiger "Bergmann" ganz
zutraulich an Magnus heran, zeigte auf eine nahe Tanne und scharrte
darunter mit dem Fuß, bis Spuren von Eisenerz zum Vorschein kamen. Magnus
bedeutete hierauf dem Mann, er solle die große Tanne ausgraben. Als der
Baum stürzt, tut sich ein leicht zugängliches Erzlager auf. Dem Himmel für
dieses Zeichen dankend, zieht Magnus einen kleinen Laib Brot aus der
Tasche und gibt ihn dem hungrigen Waldbewohner mit den Worten: "Im Namen
des Herrn, iß dieses Brot und folge mir! Sorge aber auch dafür, daß dem
Manne, den ich hierher senden und dir zeigen werde, von den übrigen
Waldbewohnern nichts zuleide geschehe! Beobachtet ihr das, vergreift ihr
euch nicht an Menschen und Herden, so sollt ihr die umliegenden Berge und
Hügel gemeinschaftlich und ungestört nützen können."
Magnus ging
zusammen mit dem Bergmann nach Füssen ins Kloster zurück, rief einen
verständigen Diener namens Luito herbei und sandte ihn, mit dem nötigen
Werkzeug versehen, in Begleitung des Waldbewohners in das Gebirge hinauf.
Dort fand Luito dienstwillige Menschen, die ihn sorgfältig geleiteten und
vor den reißenden Tieren beschützten. So vermochte er seinen Auftrag rasch
auszuführen und eine große Ladung Eisenerz zum Kloster
herabzubringen.
Magnus prüfte das Erz und sprach dann zu Luito:
"Die Erzlager der Gegend müssen zugänglich gemacht werden. Das sei deine
Sorge, Luito! Und wie der Bergmann dich führte, so geleite nun du, wer da
kommt, sicher durchs Gebirge. Bald sollen es, so Gott will, die Leute dort
vermögen, sich durch ein ordentliches Berg- und Hüttenwerk Lebensmittel
und andere Bedürfnisse von auswärts zu beschaffen!" Von dieser Zeit an
verlegten sich die Anwohner des Säulings und der benachbarten Gegend auf
den Eisenabbau.
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Magnus, Lechsprung und Glaube
Der Mensch unserer Tage, nicht nur der sogenannte
aufgeklärte, auch der gläubige und fromme, würde heute keine ...
Geschichten mehr ersinnen oder erzählen, in denen Christus der Herr
offenkundige Zauberstücke vollbringt. Aber die Menschen früherer Zeiten
dachten anders. Ihnen konnte die Kraft und Herrlichkeit eines
Schutzpatrons gar nicht groß und strahlend genug dargestellt werden.
Deshalb schmückten sie seine verehrte Gestalt mit den großartigsten
Wundergeschichten und Legenden. Aus dem gleichen Grund läßt die Sage
auch den heiligen Magnus "über Julienbach, das jetzt
Faulenbach heißt, auf der Flucht vor gewalttätigen Heiden, die ihm
nachstellten, an die Klamm des Lechs, wo man's heute noch an der
"Lusalten" heißt, eilen. Mit Gottes Beistand tat er jenen mächtigen Sprung
über den Abgrund der brausenden Lechschlucht - eine leichtathletische
Leistung, die ihm der heutige Inhaber des Weltrekords im Weitsprung kaum
nachmacht - der ihn seinen Verfolgern entzog und dessen Spur bis auf den
heutigen Tag als "Mangentritt" im Felsgrund zu sehen ist."
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