Tanzperformance und Sonderausstellung zu den sieben Todsünden

Aschermittwoch der Künstler

Tanzperformance und Sonderausstellung zu den sieben Todsünden

Fotos: pba / Nicolas Schnall
Fotos: pba / Nicolas Schnall
10.02.2016

Augsburg (pba). Beim heutigen Aschermittwoch der Künstler hat Bischof Dr. Konrad Zdarsa rund 200 Künstler im Hohen Dom zu Augsburg begrüßen dürfen. Am Aschermittwoch solle man sich auf das Wesentliche besinnen, auf „die Tatsache, dass wir vergänglich sind und sterben müssen“, sagte der Bischof bei der Eröffnung. In der Taufe sei den Christen aber ein neues Leben geschenkt worden, so Bischof Konrad. Während des Pontifikalamtes wurde den Gläubigen ein Aschenkreuz als Zeichen der Buße und der Umkehr aufgelegt. Danach waren die Anwesenden dazu eingeladen, die Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“ im Diözesanmuseum St. Afra noch vor der offiziellen Eröffnung am morgigen Tag zu besichtigen. Der Höhepunkt bildete die Tanzperformance Raumwandlung7 der Gruppe „Tipping Point“ unter der Leitung von Choreografin Barbara J. Lins.

„Der Aschermittwoch lenkt unseren Blick auf die Wirklichkeit des Lebens“, auf die eigene Sterblichkeit und Sündhaftigkeit, erklärte Bischofsvikar Karlheinz Knebel in der Predigt. Der Mensch wolle Ordnung bringen in die Welt, die ihn umgibt, auch in die Welt des Geistes. So seien auch die menschlichen Laster geordnet und in sieben Todsünden eingeteilt worden. Die Fastenzeit fordere dazu auf, dem Bösen zu widersagen und mit Entschiedenheit das Richtige zu tun. Dabei könne Kunst helfen. „Kunst zeigt uns eine eigene Sicht der Welt und des Menschen in ihr.“ Sie könne helfen bei der Beantwortung der Fragen: Wer bin ich? Wo geht es weiter? Wie komme ich heraus aus den Verflechtungen des Lebens? Kunst habe nicht den Sinn, schön zu sein, sondern Kunst wolle etwas schaffen. Die Kriterien dafür seien das Wahre, das Richtige, das Gute. „Künstlerisches Schaffen kann zum sozialen Gewissen werden“, so Bischofsvikar Knebel.

Nach dem Pontifikalgottesdienst gab Melanie Thierbach, Leiterin des Diözesanmuseums, einen kurzen Einblick in die Sonderausstellung. Es handle sich um ein zeitloses Thema, da es um die Auseinandersetzung mit dem Selbst gehe. Menschliches Laster bedeute, „dass das von Gott in der Schöpfung geschenkte Gleichgewicht in Unordnung geraten ist.“ Jeder müsse selbst für sich klären, ob das Gleichgewicht gestört wurde. Für diese Selbstreflexion solle die Ausstellung ein Impulsgeber sein.

Passend zum Thema Todsünden hat Choreografin Barbara J. Lins mit ihrer Gruppe Tipping Point die Tanzperformance „Raumwandlung7“ erarbeitet. Der Theologe Wolfgang Burggraf führte in die Tanzperformance ein. Anstatt den Zuschauern einen Hinweis zu geben, wie die Tänze zu verstehen seien und was sie bedeuten, ließ er die Interpretationen völlig offen. „Nicht der Tanz will Ihnen etwas sagen, sondern der Tanz will, dass es mit Ihnen etwas macht“, so Burggraf. Der Zuschauer solle sich dafür öffnen, im Tanz von Gott angesprochen zu werden.

Im Kreuzgang des Augsburger Doms führte die Tanzgruppe einige Stücke aus „Raumwandlung7“ vor. Barbara J. Lins habe der Choreografie die augustinische Definition von Todsünde zugrunde gelegt: „incurvatus in se“. Das bedeutet „der in sich selbst verkrümmte Mensch“. Gleichzeitig gehe die Tanzperformance aber auch der Frage nach, wie man diese Verkrümmung in sich selbst auflösen könne. Im Stück „Das in sich gekrümmte Herz“ zeigte sich die Tänzerin in gebückter, eingerollter Haltung. Dieser Verkrümmung versuchte sie immer wieder zu entkommen, indem sie sich aufrichtete und streckte. Anfangs in fließenden, kreisenden Bewegungen, später sehr zackig, fast schon verzweifelt. Beim Stück „Entscheidung“ waren zwei Tänzerinnen auf der Bühne. Eine von ihnen schien hin- und hergerissen zu sein. Sie warf sich auf den Boden, rollte sich ständig hin und her. Die andere Tänzerin schien ihr helfen, sie trösten und stützen zu wollen. Am Ende blieb alles offen. Kurz gab sie sich der Geborgenheit bei der anderen Tänzerin hin, um sich dann doch wieder anders zu entscheiden und davon zu gehen.

Auch beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung führte die Tanzgruppe über das ganze Museum verteilt immer wieder einzelne Stücke ihrer Tanzperformance vor. Die gesamte „Raumwandlung7“ ist am Freitag um 19 Uhr auch in der Moritzkirche in Augsburg zu sehen. Der Eintritt kostet 8,- Euro bzw. ermäßigt 6,- Euro. Karten können im Vorverkauf im moritzpunkt oder an der Abendkasse gekauft werden.

Barbara J. Lins ist Tänzerin, diplomierte Tanzpädagogin und Choreografin. Sie leitet eine Schule für künstlerischen Tanz in Maihingen im Ries und hat das Dance&Praise-Netzwerk, einen Zusammenschluss von Tanzpädagogen, denen die Verbindung von Tanz und christlichen Glauben am Herzen liegt, gegründet. Mit ihrer professionellen Dancecompany „Tipping Point“ ist sie auf kirchlichen und kulturellen Bühnen zu sehen.