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"Die 7 Todsünden" - Sonderausstellung mit Werken aus europäischen Sammlungen und zeitgenössischer Kunst
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Diözesanmuseum St. Afra

"Die 7 Todsünden" - Sonderausstellung mit Werken aus europäischen Sammlungen und zeitgenössischer Kunst

11.02.2016

Mit der Sonderausstellung „Die 7 Todsünden“ unternimmt das Diözesanmuseum St. Afra eine spannende Reise zu den Auswüchsen menschlichen Fehlverhaltens und dessen Darstellung in der Kunst in elf Jahrhunderten. Die Ausstellung ist von heute an bis zum 8. Mai in Augsburg zu besichtigen. Mit 177 einzelnen Exponaten – darunter zahlreiche Meisterwerke aus europäischen Sammlungen von Antwerpen bis Wien – gehört die Schau mit zu den größten Unternehmungen des Hauses und präsentiert das Thema in seiner ganzen Bandbreite. Für Museumsleiterin Melanie Thierbach ist das Thema zeitlos: "Weil es eben nicht nur Sodom und Gomorra, sondern auch Paris und Istanbul und hunderte andere Stätten des Grauens gibt, weil die Sünde zum Menschsein gehört und damit jeden betrifft“, führte sie beim gestrigen Aschermittwoch der Künstler in die Sonderausstellung ein.

So erwarten den Besucher mittelalterliche Handschriften aus der Stiftsbibliothek St. Gallen und dem Stift Vorau, in Augsburg, Ulm, Straßburg und Leuwen gedruckte Inkunabeln, Druckgrafiken von Albrecht Dürer, Hans Burgkmair d. Ä., Hans Baldung Grien, Hans Holbein d. J., Johann Esaias Nilson oder Francisco de Goya, Gemälde von Abraham Teniers, Frans II Franken, Thomas Couture, Joachim von Sandrart und Johann Georg Bergmüller und Skulpturen vom Riemenschneider-Schüler Peter Dell d. Ä. und Georg Petel. Neben eigens für die Ausstellung geschaffenen Werken von Künstlern wie Bruno Wank, Rainer Kaiser oder Maria-Anna Bäuml-Roßnagl ist die zeitgenössische Kunst auch durch Arbeiten von international bekannten Größen wie Erwin Wurm und Cindy Sherman vertreten.

Die Frage, ob das im vierten Jahrhundert eingeführte Todsünden-Konzept noch aktuell ist, stellt sich angesichts von Kriegen, brennenden Flüchtlingsheimen, Terroranschlägen, Internetkriminalität, Kinderpornografie, Börsencrashs, Hungersnöten, Schönheits- und Luxuswahn – die Liste wäre beliebig erweiterbar – im Grunde nicht. Vielleicht verwenden wir heutzutage nicht mehr die Begriffe Hochmut, Neid, Zorn, Habgier, Trägheit, Völlerei und Wollust, die zugrunde liegenden Verhaltensmuster sind aber im Großen und Ganzen nach wie vor dieselben geblieben. Eigentlich müssten diese sieben Charaktereigenschaften besser „Hauptlaster“ genannt werden, denn sie bezeichnen ja nicht die Sündentat an sich, sondern sind der Ausgangspunkt für die zum Beispiel in den Zehn Geboten thematisierten Sünden. So können etwa die Habgier zu Diebstahl, der Zorn zu Mord und die Wollust zu Ehebruch führen. Sünde bedeutet dabei eine Störung der Beziehung zu Gott, den Mitmenschen und letztlich auch zu sich selbst.

Die Ausstellung gibt nicht nur einen Einblick in die sieben Todsünden in ihren Erscheinungsformen und Ausprägungen im Laufe der Jahrhunderte, sondern lässt auch alte und zeitgenössische Kunst in Dialog treten – ein Beleg für die Zeitlosigkeit und Aktualität des Themas in allen Epochen der Geschichte und vielleicht auch Anreiz zur Selbstreflexion.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Imhof Verlag, der im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich ist.

Eine weitere Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler in der VerpackereiGö in Görisried wird vom 4. bis 19. Juni 2016 das Todsünden-Thema aufgreifen.

 

Rundgang durch die Ausstellung

Nach einer Einführung zu Sünde und Buße wird in einem knappen chronologischen Abriss die Bandbreite der unterschiedlichen Todsünden-Darstellungen von frühester Zeit bis in die Gegenwart vorgestellt. Der Bogen spannt sich dabei von den frühesten Beispielen in Form von Tugend und Lasterkämpfen in der „Psychomachia“, einem christlich-allegorischen Epos, über mythologische Darstellungen bis hin zu Kunstwerken des 21. Jahrhunderts.

Die Todsünden in biblischen Szenen

Im zweiten Raum sind den einzelnen Todsünden biblische Darstellungen zugeordnet. Die Bibel stellt eine reiche und verbindliche Quelle an Beispielen von laster- und beispielhaftem Verhalten dar. Angefangen bei Adam, Eva und Kain, über Lot und seine Töchter, den Turmbau zu Babel, das lüsterne Weib Potifars bis hin zum reichen Prasser und zum verlorenen Sohn geben biblische Erzählungen das von den Lastern geleitete menschliche Fehlverhalten wieder.

Todsünden-Allegorien

Auf der Galerie erwarten den Besucher Zyklen der sieben Todsünden mit allegorischen Figuren, die an ihren typischen Attributen zu erkennen sind. Zum Beispiel steht der Pfau leicht nachvollziehbar für den Stolz. Der Neid verzehrt sein eigenes Herz, die Völlerei begegnet als dicke Person mit Trinkgefäß und der Geiz führt stets einen Geldsack mit sich.

Hölle und Bestrafung

In dem zur „Hölle“ umgestalteten Kellerraum des Museums warten Tod und Verdammnis auf die unbußfertigen Sünder. Dabei werden den Sündern genau jene Qualen zuteil, die ihren diesseitigen Lastern entsprechen: zum Beispiel müssen die Gefräßigen ihre eigenen Exkremente essen, Höllendiener stopfen den Geizigen Münzen bis zum Ersticken in den Rachen.

Die vier Temperamente

Seit dem Spätmittelalter werden auch die vier Temperamente in den Kontext der Todsünden gestellt und ihnen teilweise die gleichen Attribute und Tiere zugeordnet.

Die Todsünden in Alltags- und Genreszenen

In Raum 3 begegnen die Todsünden schließlich in Genreszenen. Ab dem 16. Jahrhundert werden die Todsünden nicht mehr nur als abstrakte allegorische Figuren umgesetzt, sondern ganz konkret in Alltagsszenen eingebettet, um sie dem Betrachter umso realistischer vor Augen zu führen.

Gegenentwürfe

Die Ausstellung endet mit moralischen Gegenentwürfen zu den sieben Todsünden, wie etwa den in Raum 4 vorgestellten Werken der Barmherzigkeit oder den Tugenden und den sieben Gaben des Heiligen Geistes, die in Raum 5 den Rundgang beschließen.

Als Katalognummer wird auch das Ballett Raumwandlung7 geführt, ein im Auftrag der Diözese eigens für den Aschermittwoch der Künstler konzipiertes Ballett von Barbara J. Lins. Am 12.02.2016 wird das Ballett für die Öffentlichkeit zugänglich in St. Moritz in Augsburg aufgeführt. Karten dafür können im moritzpunkt erworben werden.

Turnusführung

Sonntag, den 14. Februar um 15 Uhr

Führung für Gruppen oder Schulklassen können vereinbart werden unter: museum.st.afra@bistum-augsburg.de oder 0821/3166-8833

Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3-5
86152 Augsburg
Tel.: 0821/3166-8833
Fax: 0821/3166-8839
www.museum-st-afra.de
museum.st.afra@bistum-augsburg.de

Öffnungszeiten

Dienstag-Samstag:10-17 Uhr
Sonntag: 12-18 Uhr
Geschlossen: montags sowie am 25. bis 28. März 2016

Eintrittspreise

Erwachsene: 7,- €
Ermäßigt: 5,50 €
Familienkarte: 14,00 €
Führung Sonderausstellung: 50,- € (zuzüglich Eintritt)