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Geschmiedete Eisenblechglocke des Ramsachkircherls "St. Georg" bei Murnau

- Die älteste christliche Glocke des Europäischen Festlands -

Geschmiedete Eisenblechglocke
Geschmiedete Eisenblechglocke

Im idyllisch am Rand des Murnauer Mooses gelegenen Ramsachkircherl "St. Georg" wird seit Menschengedenken neben dem Altar eine aus Eisenblech geschmiedete Glocke aufbewahrt. Sie wurde bisher traditionell zu den Gottesdiensten in der Kapelle geläutet und angeschlagen. Die durch den Murnauer Verein "Menschen helfen" e.V. für die Allgemeinheit wiederentdeckte Glocke ist nach neuesten Untersuchungen durch den Vorsitzenden des Beratungssauschusses für das Deutsche Glockenwesen Dipl.-Ing. Kurt Kramer, Karlsruhe und den Archäologen Dr. Stefan Winghart vom Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege, München höchstwahrscheinlich im 8. Jahrhundert entstanden. Entstehungsort der Glocke ist mit großer Sicherheit das westschottische Inselkloster Iona bzw. dessen Umfeld. Dieses vom hl. Columba 565 gegründete Kloster war ein wichtiges geistliches Zentrum und Ausgangspunkt der iroschottischen Wandermönche, die zu dieser Zeit Europa missionierten und auch nach Südbayern gelangten.

Hörprobe:

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Im Zuge dieser Mission dürfte die Glocke als Handglocke eines Mönches - Legenden bringen sie mit dem Hl. Bonifatius bzw. dem Hl. Magnus in Verbindung - in die Murnauer Gegend gekommen sein. Sie wurde dann möglicherweise in der frühchristlichen Klosterkirche auf der Insel Wörth im Staffelsee verwendet. In der unweit des Staffelsees gelegenen Ramsachkapelle, die wesentlich später entstanden ist, hat die Glocke nach dem Untergang des Staffelseeklosters dann die Zeiten überdauert.

Die Glocke ist ca. 60 cm hoch, aus Eisenblech geschmiedet und durch Nieten stabilisiert. Grünspanspuren im Glockeninnern deuten ein Eintauchen in Bronze nach dem Schmiedevorgang an. Sie ist in einem verhältnismäßig gutem Zustand. Beim Anschlag ist ein klarer Nominal (Schlagton) zu vernehmen. Der Nachklang zeit, dass die Glockenwandung geschlossen und intakt ist. Lediglich am unteren Rand zeigt die Glocke eine Fehlstelle. Diese ist nach Meinung des Landesamts für Denkmalpflege darauf zurückzuführen, dass Gläubige in früheren Jahrhunderten die Glocke als eine Reliquie der heiligen iroschottischen Missionare geehrt haben und Teile davon für andere Orte herausgeschnitten worden sind.

Die Ramsach-Glocke ist derzeit die einzige bekannte Glocke aus der Zeit der iroschottischen Mission auf dem europäischen Festland. Vergleichbar mit ihr ist nur die in Irland hochgeehrte etwas ältere St. Patricks-Glocke in Dublin und die etwa gleichalte St. Adomnan's Bell in Schottland. Die Ramsach-Glocke ist damit sakralhistorisch die älteste und bedeutendste Glocke Deutschlands. Sie steht mit den wichtigsten Glocken Europas in einer Reihe.

Nach Abschluss der geplanten Sanierung des Ramsachkircherls wird die Glocke dort wieder aufgestellt werden. Sie wird nach historischem Vorbild mit einer Läutevorrichtung versehen werden. Ihr Klang, der schon die Menschen vor über 1200 Jahren zum Gebet rief, soll dann wieder zu besonderen Gottesdiensten in der Ramsachkapelle erklingen.