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Kirchensteuer - Eine Steuer mit Vergangenheit

Die Kirchensteuer ist als Spätfolge der Säkularisation eine staatliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. 
 
In Bayern wurde sie erst 1912 durch die sogenannte Kirchengemeindeordnung eingeführt.

 

Wie hat sich die Kirche vor der Kirchensteuer finanziert?

Schon die ersten Christengemeinden brauchten Geld, um die drei Grunddienste der Kirche (Liturgie, Verkündigung und Diakonie) betreiben zu können. Die Diakonie, erste Christenpflicht, wurde durch freiwillige Spenden einzelner Gemeindemitglieder finanziert.

Überschritten jedoch die Ausgaben das Spendenaufkommen, war eine Gemeinde, zum Beispiel die in Jerusalem, auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Die christlichen Gemeinden haben zunächst das alte jüdische Zehntrecht abgelehnt. Es verpflichtete Juden, den Zehnt (zehnten Teil) an Getreide, Most, Öl und Vieh abzuliefern. Diese Abgabe (der Zehnt) galt den Christen als unterste Grenze ihrer Spende.

Seit dem 3. Jahrhundert schenkten Gläubige neben Geld- und Sachspenden den Kirchen auch Grundbesitz. Dessen Erträge wurden zur Bezahlung der Kleriker (Bischöfe, Priester, Diakone, Subdiakone), Erhalt der Kirchengebäude und Unterstützung der Armen verwendet.

Ab dem 4. Jahrhundert war auch in christlichen Gemeinden der Zehnt üblich. Schließlich wurde diese Abgabe Kirchengebot. 799 wurde unter Karl dem Großen der Zehnt im fränkischen Reich verbindlich. Abgabepflichtig waren alle Gläubigen, Laien wie Kleriker. Nur Klöster wurden im Mittelalter von der Zehntpflicht befreit.
Bis zum 18. Jahrhundert bildete der Zehnt mehr als die Hälfte der kirchlichen Einkünfte. Die anderen Einnahmen kamen aus dem nicht unbeträchtlichen Grundbesitz der Kirche.

1803 wurden durch die Säkularisation fast alle (über 200) Klöster aufgehoben und alle geistlichen Territorien und Güter gingen an die Fürsten über. Die deutsche Kirche wurde dadurch ihrer organisatorischen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen (Jahreseinnahmen: circa 21 Millionen Gulden) beraubt.
Zunächst verpflichteten sich die Fürsten, die Geistlichkeit zu besolden und das kirchliche Leben in den Gemeinden zu ermöglichen.

Aber ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, sich der Unterhaltspflicht gegenüber der Kirche zu entledigen und die Eigenfinanzierung der Kirche durch die Gläubigen einzuführen.

1919 garantierte die Weimarer Verfassung in Artikel 137 das Besteuerungsrecht der Religionsgemeinschaften.
Das Grundgesetz hat diese Regelung mit dem Artikel 140 übernommen.