Die romanischen Glasfenster

Zu den glanzvollsten Leistungen der deutschen Hochromanik zählen die Glasgemälde in den fünf Fenstern des Mittelschiffes im südlichen Obergaden mit Prophetendarstellungen von großer Würde, strenger Frontalität und entrückter Haltung. Die wohl frühesten Glasgemälde des europäischen Mittelalters, als Zyklus fragmentarisch erhalten und somit der älteste Glasgemäldezyklus der Welt, entsprechen am ehesten der Buchmalerei des Klosters Hirsau und lassen sich vielleicht noch der Domweihe von 1065 zuordnen. Die fünf alttestamentlichen Gestalten, Jona, Daniel, Hosea, David und Mose, bilden wohl den Rest einer größeren Prophetenreihe, der eine Apostelfolge entsprochen haben könnte. Das Moses-Fenster ist allerdings eine rekonstruierende Nachschöpfung aus der Zeit um 1550, in der sich noch originale Bestandteile befinden. Der Text auf den Spruchbändern der Propheten bezieht sich auf die Kirche als „Volk Gottes“ und als „Haus Gottes“: in Übersetzung: „… wann werde ich je wieder deinen heiligen Tempel erblicken?“ (Jona 2,5) - „…Herr, lass auch um deiner selbstwillen dein Angesicht über deinem Heiligtum leuchten, das verwüstet daliegt.“ (Daniel 9,17) - „Ich aber werde euch alle bestrafen.“ (Hosea 5,2) - „Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben.“ (David, PS 84) - „… Israel, höre die Gesetze und Rechtsnormen, die ich euch zu halten lehre.“ (Moses, Dtn 4,1).

 

„Prophetenfenster“ (12. Jahrhundert)
„Prophetenfenster“ (12. Jahrhundert)

 

Text von Msgr. Werner Schnell aus „Der Dom zu Augsburg“,
Kunstverlag Peda Passau, Sankt Ulrich Verlag Augsburg; 1997.
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